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CO₂-Kompensation im Inland: Teuer aber innovativ

04.07.2013 von

Während in den USA diskutiert wird, ob und wie Obamas neuer Aktionsplan zur Klimapolitik umgesetzt werden kann, ist die Schweiz bereits einen Schritt weiter. Ein interessanter Baustein der Schweizer Klimapolitik ist der Markt für inländische CO₂-Kompensationsprojekte. Emissionsreduktionen im Inland sind zwar recht kostspielig, bieten aber die Chance für echte Innovation.

Obamas Ankündigung eines neuen Aktionsplans zur Reduktion von Treibhausgasemissionen weckt neue Hoffnung für eine erfolgreiche Fortsetzung der internationalen Klimapolitik in den kommenden Jahren. Während man in den USA noch debattiert, wie ein solcher Plan am besten realisiert werden könnte, ist die Umsetzung des Schweizer CO₂-Gesetzes bereits in vollem Gang.

Günstiges Reduktionspotenzial ist hierzulande rar

Ein aus ökonomischer Sicht interessantes Instrument der Schweizer Klimapolitik sind inländische Kompensationsprojekte. Wie ich bereits in einem früheren Beitrag diskutiert habe, hat sich der Gesetzgeber hierzulande gegen eine Steuer auf Treibstoffe ausgesprochen. Da eine solche Besteuerung politisch nicht durchsetzbar war, hat das Parlament einen alternativen Weg eingeschlagen und beschlossen, dass Importeure fossiler Treibstoffe bis ins Jahr 2020 zehn Prozent der CO₂-Emissionen aus dem Personen- und Güterverkehr durch inländische Massnahmen kompensieren müssen (Link). Diese Kompensationspflicht bei Treibstoffen ersetzt den bis 2012 gültigen «Klimarappen» auf Benzin und Diesel. Um das gesetzliche Reduktionsziel von 20 Prozent zu erreichen, sind im Jahr 2020 Kompensationsleistungen im Umfang von 1.5 Millionen Tonnen CO₂ erforderlich.

Aus ökonomischer Sicht ist die Vorschrift zur inländischen Kompensation nicht unproblematisch. Da die Stromproduktion in der Schweiz ausserordentlich CO₂-arm ist, sind günstige Potenziale zur Reduktion von Treibhausgasen in der Schweiz beschränkt. Dies zeigt sich in den derzeitigen Marktpreisen: Die Reduktion einer Tonne CO₂ ist im Rahmen des EU-Emissionshandels mit rund 4.2 Euro bewertet, während Reduktionszertifikate aus Entwicklungsländern gar für ungefähr 0.5 Euro zu haben sind. Für Schweizer Kompensationsprojekte rechnen Experten hingegen mit Preisen von 100 bis 150 Franken pro Tonne (Link). Somit erscheinen Reduktionen in der Schweiz aus heutiger Sicht ausserordentlich teuer.

Machen Schweizer CO2-Kompensationsprodukte Sinn?

Andererseits bieten Inland-Kompensationen die Chance, kreativ zu werden und neue Wege in eine emissionsärmere Zukunft zu beschreiten. Grosses Potenzial birgt zum Beispiel das Bündeln («Pooling») von Kleinstreduktionen. Wie beim Kyoto-Protokoll lassen sich kleinere Reduktionsmassnahmen, etwa die Einführung intelligenter Thermostate in Haushalten, zu grösseren Projekten zusammenfassen. Dabei stellt sich die Frage, wie solch ein «Reduktions-Pooling» möglichst kostengünstig zu organisieren ist. Eine gute Möglichkeit bieten hierbei Programme wie «Off4Firms», in denen Unternehmen individuelle Reduktionen in den Haushalten ihrer Mitarbeiter mitfinanzieren und die gemeinsame Reduktionsanstrengung als Kompensationsprojekt einreichen können (siehe auch Blogbeitrag von Renate Schubert).

Obschon also Kompensationsprojekte in der Schweiz recht kostspielig sind, können sie durchaus helfen, unsere Emissionsintensität auf innovative und unkonventionelle Weise zu verringern. Wenn wir die Gefahren des Klimawandels noch abwenden wollen, ist Kreativität in der Tat dringend gefragt.

Zum Autor

Dr. Markus Ohndorf ist Oberassistent und Dozent an der Professur für Nationalökonomie am Institut für Umweltentscheidungen (IED) der ETH Zürich. Persönliches Zitat und Biografie

 

 





Kommentare (13) >Alle Kommentare aufklappen>Alle Kommentare zuklappen

@Kommentar von Peter Bühler. 09.07.2013, 3:07

Mit der Stossrichtung haben sie recht Herr Bühler. Jede Form der Energieerzeugung muss letztlich selbstragend sein oder es in naher Zukunft werden und sollte nicht über die Massen Ressourcen dritter Parteien beanspruchen. In der Konsequenz bedeutet dies, dass dezentrales Einspeisen nicht belohnt werden sollte, denn die Folgekosten einer dezentralen Einspeisung können in der Tat gross sein, machen sie doch die Anpassung aller Netze bis hin zu den Pumpspeichern und Exportkapazitäten notwendig.

Die Zukunft der dezentralen Energieproduktion
Einfamilenhäuser und selbst kleine abgelegene Gemeinden werden in Zukunft ihre mittels Solarpanel, Kleinwasserkraftwerken und Windrädern selbst erzeugte Energie auch selbst konsumieren und sie bei Bedarf in eigenen, selbstfinanzierten Speichern für spätere Zeiten verfügbar machen. Allenfalls erhalten die dezentralen Energieproduzenten eine geringe Abgeltung für ihren Minderkonsum an Netzelektrizität, da dies weniger Kraftwerke und weniger Leitungsbau nötig macht.

Die Zukunft der Netzelektrizität
In Zukunft sollte jeder Stromproduzent egal wo in Europa er seinen Strom erzeugt, einen bedarfsabhängigen, in ganz Europa aber gleich hohen Einspeisetarif für seinen eingespeisten nichtfossilen Strom erhalten. Im Durchschnitt sollte dieser Einspeisetarif für Grossproduzenten von Strom heute schon unter 10 Eurocents pro Kilowattstunde liegen und über die Jahre ständig sinken. Bei Bedarfsspitzen steigt der Einspeisetarif, bei momentaner Überproduktion sinkt er. Die Strom- und Netzverantwotlichen Europas sind dann dafür zuständig, das nötige Netz/Supergrid aufzubauen um irgendwo in Europa eingespeisten Strom zu den Kunden zu bringen, die ebenfalls irgendwo in Europa Strom konsumieren und das möglicherweise tausende von Kilometern vom momentanen Stromerzeugungshotspot entfernt. Der grosse Markt, den ein solches System schafft sollte Strom billig machen.

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@ Holzherr

Wie wär’s denn mit dem vernünftigsten aller Ansätze, dem von Thomas Held vorgeschlagenen (DAS MAGAZIN 24/13, Seite 14), der die Einführung einer KEA vorsieht, einer kostendeckenden Einspeise-ABGABE, entrichtet durch all die „Klein-„, „Kleinst-“ und Klitzekleinst-Stromproduzenten als Beitrag an die von ihnen verursachten (Netz-)Regelungskosten?

Undenkbar? Vielleicht hilft Nachdenken und etwas mehr Nüchternheit in der CO2- und Energiefrage, gerade auch nach den jetzt publik gewordenen Erfahrungen mit der enorm teuren EE-Lösung der Monte Rosa-Hütte.

Soll bitte mal jemand erläutern, wie in der Alltagspraxis der EF-Siedlungen, Stadtwohnungen und Grossüberbauungen funktionieren könnte, was sich in dem zig-fach subventionierten Vorzeige-Projekt als unerreichbar erweist.

Irrationale Befürchtungen verbunden mit technologischen Träumereien erweisen sich als untaugliche Ratgeber für echte Zukunftslösungen, auch wenn dies die klima- und fortschrittsbeseelten EE-Anhänger vorderhand nicht glauben mögen weil sie – aus unerfindlichen Gründen – „Wissenschaft“ für eine von ihrer Seite quasi gepachtete, beliebig verfügbare Belegressource halten.

Eine Frage der Zeit. Irgendwann setzt die Aufklärung wieder ein, oder wir versinken tatsächlich in den Nebeln der „heraufdämmernden Energiediktatur“ (Th. Held).

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@Kommentar von Peter Bühler. 08.07.2013, 0:17
@Kommentar von Joseph Meier. 05.07.2013, 12:40

Nationale EE-Programme typisch für Europa der Nationalstaaten
Energie- und Erneuerbarenprogramme sind in Europa national motiviert und zeigen nationale Charakteristika: In Spanien beispielsweise waren die Einspeisetarife sehr hoch und bedienten damit auch eine Klientel, die ein rent-seeking anstrebte. In Spanien war die EE-Politik zudem so orientiert, dass mehrere Elektriziätsunternehmen Konkurs anmelden musste. Dies passt zur Idee des Nullsummenspiels, dem viele europ. Südstaaten anhangen, dem Glauben also, dass eine Seite (z.B. EE) nur profitieren könne, indem sie der anderen Seite etwas wegnehme. Ein Denken, dass auch das Verhältnis von Arbeitern zu Arbeitgebern in Frankreich, Italien, Spanien, Portugal prägt.
In Deutschland wurden die Energiewende und EE als gesellschaftlicher Umbruch verkauft, der einen fast an eine Generalmobilmachung erinnerte. In D waren die Einspeistarife angemessen, die EE-Umstellung aber viel zu hektisch und zuwenig langfristig angelegt.

Mehr Europa wäre bei EE und CO2 das Richtige
Von der Sache her müsste man global, wenn das aber nicht geht, mindestens europäisch denken und eine langfristige Strategie verfolgen. Der Artikel Building Solar in Spain Instead of Germany Could Save Billions mit dem Untertitel „Building solar and wind projects in the wrong place is wasting billions of dollars in Europe.“ zeigt wo das Problem liegt. Würden EE-Projekt in Europa am besten Standort unabhängig von nationalen Präferenzen realisiert und gäbe es zudem ein europäisches Supergrid, könnte man viele Milliarden sparen und hätte zudem ein zukunftsfähiges System. EE in Europa zeigt exemplarisch, dass es Europa (noch?) nicht gibt.

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„Während in den USA diskutiert wird, ob und wie Obamas neuer Aktionsplan zur Klimapolitik umgesetzt werden kann, ist die Schweiz bereits einen Schritt weiter …“

… und drei Schritte hinter der EU her mit u. a. Deutschland, Spanien, GB, Dänemark, die eben alle Anzeichen einer Abkehr von ihrer unsinnigen Politik zeigen, – zeigen müssen, weil wie Joseph Meier zurecht festhält: „1 Billion ausgegeben, null CO2-Reduktionen“.

Nun sollen wir die selben ausgetrampelten Wege begehen, Milliarden an nutzlose Projekte verschwenden, bloss weil die hiesige Medienlandschaft und Teile der Wissenschaft den Lesern vorenthalten, was inzwischen klar ist: die natürliche Klimavariabilität wurde grob unterschätzt und der menschliche Einfluss auf das Klima grob übertrieben.

„Wenn wir die Gefahren des Klimawandels noch abwenden wollen …“

„die Gefahren des Klimawandels abwandeln“?!?

Wie denn und mit welchen Mitteln?
Mit nationalökonomischen?

„Waldsterben“ reloaded.

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[Fortsetzung] Der Temperatur-Messfehler der Sonde wird mit +- 0.005° ausgewiesen (eine Bandbreite von einem Hundertstelgrad). Es ist unmöglich, einmal ausgesetzte Bojen auf ihre Genauigkeit zu überprüfen. Dazu kommen Messfehler in Bezug auf Tiefe, Position und Salzgehalt.

Lesen Sie dazu den Artikel von Bob Tisdale, der sich mit Ozeantemperaturen seit Jahren beschäftigt:
http://bobtisdale.wordpress.com/2013/07/04/rough-estimate-of-the-annual-changes-in-ocean-temperatures-from-700-to-2000-meters-based-on-nodc-data/

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Herr Holzherr, interessant zu erfahren, dass Sie ein ähnliches Konzept vorgeschlagen haben. Natürlich müsste der anthropogene Effekt gemessen werden, natürliche Änderungen im Wärmehaushalt also herausgerechnet. Stellen Sie sich vor, man hätte am Ende der kleinen Eiszeit mit der CO2-Kompenation nach Ihrem Modell begonnen, dann könnten wir uns heute nicht einmal mehr die Energie für das Smartphone leisten.

Wie sie richtig bemerken, müsste man aber erst einmal die anthropogene Wärmezufuhr messen können. Erstaunlich, wie jetzt auf einmal der Ozean zu Ehren kommt. Hängt das etwa damit zusammen, dass man die „globale Erwärmung“ aufgrund stagnierender Temperaturanomalien ausgereizt hat und nach dem Hintertürchen sucht, durch das sich der „Klimawandel“ der Beobachtung entzieht?
Wenn es dieses Hintertürchen gäbe, dann gäbe es das schon seit es Ozeane gibt. Und der Effekt wäre in den paleontologischen und neuzeitlichen Temperaturmessungen bereits subsumiert, denn es stellt sich auf natürlichem Wege ein dynamisches Gleichgewicht ein. Wärme verschwindet und taucht wieder auf, und das nicht erst, seit es anthropogene CO2-Emissionen gibt. Es sein denn, CO2 habe den Schlüssel zu diesem Hintertürchen in der Hand.

Dass Skeptical Science da anderer Ansicht ist, verwundert mich nicht, die haben ja auch festgestellt, dass 97% der Klimatologen der Ansicht sind, dass der Klimawandel von Menschenhand stammt.
Nur, wenn man einen Effekt nicht messen kann, kann man zumindest darüber spekulieren. Kennen Sie ein Messsystem, das die Temperaturen der Ozeane auf Tausendstelgrad misst und das über einen vernünftigen Zeitraum? Um aus der gemessenen Temperatur den Wärmegehalt zu errechnen, muss man das zugehörige Wasservolumen kennen. ARGOS misst Temperaturen punktuell, durch Sampling an einer bestimmten Stelle, bei einer bestimmten Tiefe und einem bestimmten Salzgehalt. Daraus werden Mittelwerte gebildet. Auf ein Tausendstelgrad genau?

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@Kommentar von Ben Palmer. 06.07.2013, 14:05

Sehr geehrter Herr Palmer,
Der von Ihnen verlinkte Vorschlag für eine temperaturkorrellierte Kohlenstoffsteuer hat einen wahren Kern, den ich unten wiedergeben will.
HEATDEPOSIT-LINKED CARBON TAX  WOULD BE MOST EFFECTIVE – EXPERT
„Martin Holzherr, ETH-climate Blog commenter living in Switzerland, proposes a tax that would start at a low rate, then rise or fall with the Heat deposited in the   earth’s ocean and atmosphere.

Such a system would help investors and potentially politicians understand how the climate – and tax rates – would change in the future, and create clear incentives for action.

Heat accumulation in the Ocean, the Earth Surface and Atmosphäre is a clear indicator of global warming wehreas temperature change of the Atmosphere is only weekly linked to Earth System warming.“

Ja  Herr Palmer, eine Wärme-, nicht aber Temperatur-korrelierte Kohlenstoffsteuer wäre genau das Richtige. Leider wissen wie nur sehr ungenau wieviel Wärme in den letzten Jahren und Jahrzehnten im Ozean deponiert wurde, denn um dies festzumachen müsste man regelmäßig Wassertemperaturen im gesamten Ozean von der Oberfläche bis zum Meeresgrund messen. Und das auf 1000tel Grad genau.
Der Sceptical-Science-Artikel Global Warming is Accelerating erwähnt aber Studien die diese Erwärmung des Ozeans nachgewiesen haben wollen. 

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Nachtrag: Ross McKitricks Kompensationsmodell: http://www.thegwpf.org/temperature-linked-carbon-tax-effective-expert/

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Ein Problem vieler klimaökonomischer Massnahmen sehe ich in der politisch motivierten Gegenwartsorientierung, die auf folgendes hinausläuft: Man soll jetzt etwas sehen. Es muss neue Gesetze und Verordnungen geben oder noch besser auf allen Hausdächern werden Solarpanel montiert, jeder Hügel erhält ein Windrad und jedes grössere Gewässer ein Kleinkraftwasserwerk. Dann hat man einen visuellen Gegenwert und sieht was man schon erreicht hat.
Von der Zielsetzung her – langfristige Reduktion der atmosphärischen CO2-Konzentration zu einem möglichst günstigen Preis – sollten Klimamassnahmen aber langfristig orientiert sein und zudem möglichst global wirken. Global wirksam wäre besipielsweise ein weltweit gültiger Preis auf CO2-Emissionen oder ein weltweit gütltige Förderabgabe für alle Kohlenwasserstoffe, also für Kohle, Öl und Erdgas.
In der Schweiz wären langfristig wirksame Massnahmen, die die Schweiz selber beschliessen und umsetzen könnte, beispielsweise ein neuer Gebäudestandard, der nur noch Neubauten ohne fossile Heizung erlaubt und der die Sanierung aller Gebäude fordert, die noch länger als 40 Jahre in Gebrauch bleiben werden. Das wäre auch kosteneffizienter als eine generelle Sanierung.
Auch für neue Kraftwerke sollte gefordert werden, dass sie kein CO2 emittieren oder sonst nur eine kurze Lebensdauer besitzen.
Auf den meisten anderen Gebieten wie den CO2-Emissionen der Fahrzeuge sollte die Schweiz die EU-Standards übernehmen und generell sollte das Bewusstsein heranwachsen, dass eine Zusammenarbeit über nationale Grenzen hinweg wichtiger ist als die Erreichung von nationalen Zielen, die schlecht abgestimmt sind mit den Nachbarn. In Bezug auf die Stromversorgung sollte sich die Schweiz also für den Ausbau des europäischen Netzes einsetzen, denn dieses wird bei der Zunahme von erneuerbaren Energiequellen immer wichtiger werden.

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Die oben beschriebene kreative Lösung ist alles andere als zielgerichtet, denn das Ziel ist doch „den Klimawandel zu verhindern“. Es gibt bis heute keinen unwiderlegbaren Beweis für den kausalen Zusammenhang zwischen CO2-Emissionen und Klimawandel.

Der Kompensationssatz ist völlig willkürlich, nach politischen Gesichtspunkt gewählt und steht in keinem Verhältnis zum Ziel. Wie bei so vielen politischen Massnahmen wird es nie eine Kontrolle der Effizienz geben und nie eine Korrektur nach unten, ob die Massnahme greift oder nicht. Im Gegenteil, man wird einfach den Satz erhöhen, bis die Schmerzgrenze erreicht ist.

Für einen funktionierenden Regelkreis ist es erforderlich, dass eine Rückkoppelung vom erreichten Effekt auf die Steuerkreise etabliert wird. Wenn die Temperatur nachweislich(!) aufgrund der anthropogenen Emissionen steigt, wird der Satz erhöht, wenn die Temperatur fällt, wird der Satz erniedrigt.

Ross McKitrick schlägt einen solchen Regulierungsmechanismus vor, der den Satz der Kompensation mit dem gemessenen Ergebnis koppelt. Die Kompensationszertifikate werden ähnlich wie Futures an einem Markt gehandelt. Der den Preis bestimmende Faktor ist jedoch nicht wie bei den CO2-Zertifikaten das Emissionsvolumen sondern der tatsächliche, messbare Effekt. Damit ist schon einmal die Politik von der arbiträren Preisbestimmung ausgeschlossen und die Preisentwicklung ist nachvollziehbar.

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Sämtliche Produktion nach China zu transferieren sehe ich als wenig innovativ an, ebenso im Dunkeln zu frieren. Und sämtliche Häuser abzureissen und als Minergie-Haus neu aufzubauen ist etwas teuer.

Darum wäre eine ausgereifte Strategie angebracht (falls die Mehrheit eine CO2-Reduktion überhaupt will). Deutschland hat es vorgemacht, wie man es nicht macht (1 Billion ausgegeben, null CO2-Reduktionen). Ein grosses Problem war hier die nicht ausgereifte Strategie: Einerseits macht man in EU-weiten Programmen mit wie dem CO2-Emissionshandel, andererseits investiert man ca. 1 Billion auf eigenes Faust in erneuerbare Energien. Andere Länder haben ähnliches gemacht. Natürlich haben die Investitionsprogramme wie das EEG einen rapiden Wertverlust in den Emissionszertifikaten geführt, dieses sozusagen sabotiert. Bevor man dies nicht begreift, sollte man mit Investitionen gar nicht anfangen.

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„Da die Stromproduktion in der Schweiz ausserordentlich CO₂-arm ist, sind günstige Potenziale zur Reduktion von Treibhausgasen in der Schweiz beschränkt.“ Ist das nicht erfreulich? Aber nein, es genügt noch nicht, denn das politische Ziel ist eine Reduktion der CO2-Emissionen um jeden Preis, selbst wenn es weder wirtschaftlich noch ökologisch Sinn macht. Und vor allem, wenn die Effekte gar nicht messbar sind. Gilt das 2°-Ziel nur für die Schweiz, kann man die Auswirkungen der vorgeschlagenen Massnahmen (lokal oder global) messen, ist die Kausalität nachweisbar? Wenn das so wäre, müsste man logischerweise die Kompensation an den Effekt binden, nicht an die CO2-Emissionen.

Trotzdem wird Handlungsbedarf angemeldet:
„Wenn wir die Gefahren des Klimawandels noch abwenden wollen, ist Kreativität in der Tat dringend gefragt.“
Die Kreativität besteht nach der Meinung des Autors hauptsächlich darin, Möglichkeiten zur „Abstrafung“ von CO2-Emissionen zu entwickeln. Dass damit „der“ Klimawandel abgewendet würde, ist pure Spekulation, wenn nicht gar Arroganz.

Die Konsequenz dieser Kreativität ist in jedem Fall eine spürbare Verteuerung der Energie und damit der Produkte in Dienstleistungen, auf die wir alle angewiesen sind. Es mag sein, dass diese kreative Verteuerung in Salamischeibentaktik für viele Menschen, besonders in der Schweiz, noch wenig spürbar ist, besonders, wenn man ein ETH-Salär bezieht. Aber es wird dabei übersehen, dass ausreichende und günstige Energie der Grundpfeiler für unseren Wohlstand und unser Wohlbefinden ist. Es muss das Bestreben des Staates sein, diese essentielle Ressource jedem zugänglich zu machen.

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Die Klimaökonomie scheint mir voller grundsätzlicher Herausforderungen. Um ein paar Fragestellungen zu nennen:
1) Wie ist die Zukunft gegenüber der Gegenwart zu gewichten (Diskontsatz, Technologieentwicklung)?
2) Sind Verordnungen, Grenzwerte (z.B. 130 gr CO2/km Autofahrt), Emissionssteuern oder Emissionshandelsysteme der richtige Ansatz oder komibniert man diese Ansätze am besten alle?
3) Wie ist Innovation und wie sind Lernkurven bei neuen Technologien (Erneurbare, PV) einzuschätzen und soll/kann man diese beeinflussen?

– Obama beschreitet nun den Verordnungs- und Regulierungsweg um nicht von der Opposition ausgebremst zu werden und mit Emissionslimiten für Kraftwerke will er verhindern, dass der Ersatz von Kohle- durch Gaskraftwerke wegen nun wieder ansteigender Gaspreise sich wieder umkehrt.
– James Hansen und die jüngste Ausgabe des Economist sehen in der CO2-Steuer eine viel bessere Lösung als es ein Emissionssystem ist, weil ein Emissionsystem – wie nun die EU zeigt -, Probleme mit der Regulation der Emissionszertifikate hat.
– In Dezennien/Halbdezennien sinkende CO2-Grenzwerte z.B. für Autos lösen Verbesserungen und Technologiewechsel (Öl, Gas, Strom) aus und scheinen sehr wirksam
– CO2-Kompensationen – ob nun in- oder ausländisch – sind prinzipiell problematisch, denn lösen sie wirklich Reduktionen aus oder veredeln sie ohnehin schon geplante Reduktionen? (Beispiel: Anrechnung individueller CO2-Reduktionen der Mitarbeiter an die CO2-Reduktionen der Firmen)

Am wirksamsten scheint mir aber die von Markt- und Forschungskräften vorangetriebene Entwicklung neuer CO2-freier Technologien. So entwickeln sich erneuerbare Energien teilweise exponentiell. Auch von der Globalisierung verspreche ich mir viel, z.B. von einer globalen CO2-Steuer oder einem weltumspannenden Stromnetz in das jeder nichtfossilen Strom einspeisen kann.

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