IT Lehrlabor – «IT Berufslehre an der ETH» – pimped up, Episode 1

Die ETH ist ein wichtiges Standbein der Informatik-Ausbildung in der Schweiz. Jährlich werden von 170 Lernenden rund sieben auf die Berufsbahn der modernen Technik entsandt. Die Ausbildung an der ETH ist hoch angesehen, die Berufsabgängerinnen und Berufsabgänger top ausgebildet. Doch wem oder was verdankt die ETH diesen Erfolg?

Neben erfahrenen Lehrmeisterinnen und Lehrmeistern sowie viel Erfahrung in der Ausbildung von Lernenden spielt seit einigen Jahren das IT Lehrlabor eine wichtige Rolle in der Qualitätserhaltung der Berufslehre.

Nicht bekannt mit dem Lehrlabor? 

Das «IT Lehrlabor» ist eine Ausbildungsstätte am Hönggerberg, die darauf ausgelegt ist, Informatiklernenden eine angenehme Berufsatmosphäre zu bieten und sie optimal auf ihrem Weg in die Arbeitswelt zu begleiten. In speziell dafür ausgelegten Räumlichkeiten können die Lernenden für ein Jahr die Grundlagen der IT und insbesondere der IT an der ETH unter der Obhut von Marc Winkler (ID, PPF) und Martin Schneider (ID, PPF) erlernen.

Der Standort des IT Lehrlabors: Das im Jahr 2015 gebaute HCP Gebäude
Der Standort des IT Lehrlabors: Das im Jahr 2015 gebaute HCP Gebäude

Seit 4 Jahren ist das Lehrlabor nun bereits ein Teil der ETH Ausbildungsinfrastruktur und mittlerweile nicht mehr wegzudenken. Dieses Jahr macht der erste Jahrgang, der komplett im Lehrlabor ausgebildet wurde, seinen Abschluss, was Anlass bietet, zu den Ursprüngen des Lehrlabors zurückzukehren und die Entstehungsgeschichte Revue passieren zu lassen.

Wie aus einer Idee eine Innovation wurde

Die Idee des Lehrlabors entstand 2014/2015 beim HR, genauer bei Dieter Schorno, dem damaligen Berufsbildungsleiter der ETH. Die Umsetzung wurde dann zusammen mit Mitarbeitenden der Informatikdienste[1] und den Departementen[2] angepackt. Um mehr zu der Entstehung zu erfahren, wendete ich mich an Fabio Consani. Er ist nicht nur die Hauptstütze von ITSM (IT Service Management[3]) , sondern leitete auch das Team, das diese Idee materialisieren sollte.

Bis dahin war es üblich, dass Informatik-Lernende einer Lehrmeisterin oder einem Lehrmeister zugeteilt wurden, bei welcher oder welchem sie dann ihre gesamte Arbeits- und Ausbildungszeit verbrachten. Der Kontakt zu den anderen Lernenden beschränkte sich hierbei mehrheitlich auf wenige berufsübergreifende Anlässe. Ein einheitlicher oder nur schon minim abgestimmter Leitfaden im Lehrplan war nicht vorhanden.

Fabio Consani wurde bereits 2002 angefragt, ob er nicht ebenfalls Jugendliche ausbilden wolle. Als Anreiz wurde ihm ein grösseres Büro angeboten. Der Gedanke an diesen «Anreiz» entlockt Fabio auch heute noch ab und an ein Schmunzeln, denn in die Tat umgesetzt wurde dieses Versprechen nie. Angenommen hat er das Angebot aber trotzdem und er bildete in der Folge immer zwei Lehrlinge mit jeweils zwei Jahren Abstand aus. So wurde er zwar nicht mit einem neuen Büro belohnt, doch mit einer Erkenntnis: Die Arbeit mit den jungen Erwachsenen macht ihm Spass! Er steckte daraufhin zusätzlichen Aufwand in einen eigentlich eigenen Lehrplan, um mehr Struktur in die Ausbildung zu bringen. Auch sorgte er dafür, dass sich die Lehrlinge untereinander vernetzen und kennenlernen konnten.

Wenn die Pflicht ruft

Obschon jungen Leuten Wissen mitzugeben und ihre Entwicklung mitzuverfolgen Spass machte, so rückte die Berufsbildung für Fabio in der Folge in den Hintergrund, als die neue Sektion PPF gegründet wurde und er seinen Fokus vermehrt auf deren Aufbau und Strukturierung legen musste. Er bildete daraufhin keine neuen Lernenden mehr aus, doch seine Leidenschaft für die Ausbildung blieb und beschäftigte ihn weiterhin. 

Im Verlauf der Jahre wurden in der IT-Berufsbildung der ETH aber immer häufiger Stimmen laut, die ihre Unzufriedenheit mit dem ganzen Ausbildungsverlauf kundtaten. Eine Problematik war beispielsweise, dass ETH Informatiklernende normalerweise aus dem Basislehrjahr des ZLI oder dem RAU rekrutiert wurden. Dies sollte eigentlich eine Arbeitserleichterung für die Berufsbildner bewirken, da Lernende aus dem Basislehrjahr ein Jahr älter sind und bereits Erfahrung mitbringen. Jedoch bewirkte diese Grundausbildung zunehmend nicht was sie sollte, da sie eher für KMUs ausgelegt war. Weil die ETH als Hochschule aber eine andere, vor allem breitere Grundbildung voraussetzt, war diese Vorbereitung je länger je mehr kein grosser Vorteil mehr. 

Wer nicht wagt, der nicht gewinnt

Vor diesem Hintergrund lud Dieter Schorno am 10. April 2015 ein zu: «Erstes Treffen – Konzept Lehrlabor Informatik». Ein strukturierter, sorgfältig geplanter Ausbildungsplatz, um die Probleme in der Grundausbildung zu beheben. Aus diesem ersten Meeting wurde ein Projekt, für welches er ein Team mit Interessierten sowohl aus den Informatikdiensten wie auch aus den Departementen zusammenstellte (siehe oben).

Ein gewagter Schritt im Anbetracht davon, dass das Projekt nicht «von oben» abgesegnet war. Doch eine indirekte Unterstützung brachte ihnen ein glücklicher Zufall: In einem Interview im Tagesanzeiger hatte der damalige ETH-Rats-Präsident Fritz Schiesser zu den Kürzungen im Finanzbereich Stellung genommen[4]. Unter anderem war eine seiner Aussagen, dass überall gekürzt werden kann, ausser in der Berufsausbildung: «Für uns gibt es keine Tabus – ausser bei der Ausbildung der 500 Lehrlinge. Wollen wir wirklich Mittel für Investitionen zur Verfügung haben, werden wir nicht um unangenehme Entscheide herumkommen.»

Eine gute Vorlage für ihr Anliegen. Und wie der Zufall so mitspielt, hatten sie ein noch besseres Timing.

«Im Management kann man alles planen und richtig machen, 
doch etwas ist nicht kontrollierbar – Zeit»

Nach der ganzen Planung, wie das Lehrlabor aufgebaut und funktionieren soll, brauchten sie natürlich auch noch Platz, welcher an der ETH nicht so einfach zu bekommen ist. Viele Räume waren bereits überlastet und falls etwas frei wurde, so waren die Interessenten vielzählig. Das «Lehrlabor-Team» hat sich trotz all diesen Rahmenbedingungen relativ spät beim Immobilienportfolio gemeldet, ganz einfach, weil sie vorher einen von der Schulleitung abgesegneten Auftrag vorweisen wollten. Es stellte sich in der Folge tatsächlich heraus, dass dies eine gute Entscheidung war, sonst hätten sie die Räumlichkeiten möglicherweise nicht bekommen. Zudem wurde, in der Zeit als sie ihren Termin mit den Portfoliomanagern der Immobilien hatten, auf dem Hönggerberg ein neues Gebäude eröffnet, in welchem sie gleich einige Büros übernehmen konnten. Hätten sie sich früher gemeldet, wer weiss ob der Zufall sie ebenso unterstützt hätte… 

Der Grundriss der Räumlichkeiten am Hönggerberg
Der Grundriss der Räumlichkeiten am Hönggerberg
Grossräumig - Das im Jahr 2015 gebaute HCP - Gebäude bietet viel Platz
Grossräumig – Das HCP – Gebäude bietet viel Platz

Nun hatten sie alles: einen Plan, einen Platz und ein Team, welches dahinterstand. Fabio Consanis Fazit: Von Anfang bis Ende ein extrem motivierendes Projekt!

Von hier an rückte Fabio wieder in den Hintergrund und überliess die weitere Umsetzung anderen Leuten. Das IT Lehrlabor bekam seinen ersten Mitarbeiter, die ersten Lernenden und vieles mehr. Im nächsten Post werden wir uns diesem gewichtigen Schritt widmen; wie ging es weiter?

Text von Kaja Walter, PR & Kommunikation der Informatikdienste

Links

ID- & ETH-Geschichte


[1] Fabio Consani, Peter Kessler von ID PPF, Adrian Fischli ID SD

[2] Andreas Burgener D-HEST, Thomas Berchtold D-BAUG

[3] Siehe Artikel zum Aufbau von ITSM: https://blogs.ethz.ch/id/2019/08/29/die-entstehung-von-itsm/.

[4] Quelle: https://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/fuer-uns-gibt-es-keine-tabus/story/31143480.

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