EuroPython 2016

Eindrücke von der grössten europäischen Python-Konferenz von Benno Luthiger (ID SWS) und Uwe Schmitt (ID SIS).

Überblick

Die fünfzehnte EuroPython fand dieses Jahr zum zweiten Mal in Bilbao statt. Die Kern-Konferenz mit über 180 Präsentation und Tutorials dauerte fünf Tage und zählte um die 1100 Besucher.

Typisch für diese Konferenz, welche ausschliesslich von Freiwilligen (unter der Federführung der EuroPython Society http://www.europython-society.org/) organisiert wird, ist das breite Spektrum der Präsentationen. Zwar steht die Software-Entwicklung mit Python und Python-basierten Anwendungen im Zentrum. Daneben können auch soziale, wirtschaftliche und sogar künstlerische Aspekte Eingang in den Veranstaltungskalender finden.

Wesentliche Themen der diesjährigen Konferenz waren

  • Der experimentelle Nachweis von Gravitationswellen Ende 2015.
    Hier ist Python sowohl bei der Gerätesteuerung als auch bei der Datenauswertung integraler Bestandteil.
  • Der zunehmende Einsatz von Python in Schulen und Universitäten.
    Besonders begeisterte die Vorführung des micro:bit controller welcher Python ausführen kann. Der micro:bit wurde von der BBC entwickelt und an ein Million britischer Schüler im Alter von 11 und 12 Jahren verschenkt.
  • Die Fortschritte beim Einsatz tiefer neuronaler Netze («deep learning») wie sie z.B bei Googles AlphaGo oder bei autonom fahrenden Automobilen zum Einsatz kommen.
    Hier sind viele Frameworks grösstenteils in Python entwickelt oder bieten eine Python-API an.
  • Die neuen Python keywords «async» und «await» zum Entwickeln performanter Netzwerkserver mit asynchroner I/O.

Ausgewählte Vorträge

Ein Standard-Thema ist, wie mit Python guter Code geschrieben werden kann. Ein gelungenes Beispiel aus diese Sparte war Honza Králs Präsentation «Designing a Pythonic Interface» (https://ep2016.europython.eu/media/conference/slides/designing-a-pythonic-interface.pdf).

In den letzten Jahren, angefeuert durch den Erfolg von Docker, hat sich DevOps als Dauerbrenner heraus kristallisiert. Das ist naheliegend, weil sich Python nicht nur bei Wissenschaftlern, sondern auch bei System-Administratoren grosser Beliebtheit erfreut. Was Python in dieser Beziehung leisten kann, zeigt Sebastian Neubauers Präsentation «Infrastructure as Code: «pip install» your environment» sehr schön (https://ep2016.europython.eu/media/conference/slides/infrastructure-as-code-pip-install-your-environment.pdf).

Ein Beispiel für Präsentationen, in welchen es mehr um soziale als um Programm-technische Aspekte geht, sind die Referate zu Code-Reviews. Bei einem Code-Review geht es einerseits um die Code-Qualität, ebenso wichtig ist der Wissenstransfer. Damit diese Ziele erreicht werden können, muss der Reviewer über gewisse soziale Kompetenzen verfügen. Darauf machten beide Präsentationen zu diesem Thema an der diesjährigen EuroPython aufmerksam.

Alle wissenschaftlich Interessierten waren beeindruckt von Jameson Rollins‘ Präsentation «The Dawn of Gravitational Wave Astronomy». Jameson Rollins ist Wissenschaftler am LIGO-Projekt, in welchem Gravitationswellen gemessen werden sollen. Zu diesem Zweck haben die Wissenschaftler zwei Detektoren entwickelt. Die Detektoren sind seit 2015 im Betrieb und ermöglichen es, Signale in der Grössenordnung von 10-20 m zu messen. Zum Vergleich: ein Atom hat eine Grösse von 10-10 m, ein Proton ist 10-17 m gross.

Mit diesen Detektoren waren die Wissenschaftler in der Lage, erste Ereignisse zu messen. Im einen Fall konnten sie die Kollision zweier riesigen schwarzer Löcher beobachten. Vor der Kollision betrugen die Massen der schwarzen Löcher 36.2 bzw. 29.1 Sonnenmassen. Das resultierende schwarze Loch war allerdings nur 62.3 Sonnenmassen schwer. Das bedeutet, dass beim Zusammenprall die Energie von 3 Sonnenmassen in Form von Gravitationswellen abgestrahlt wurde.

Bei einem zweiten Ereignis kollidierte ein grosses mit einem kleinen schwarzen Loch. Bemerkenswert an diesem Ereignis war, dass das kleinere schwarze Loch, welches immerhin etwa die Masse der Sonne hatte, beim Umkreisen des grösseren schwarzen Lochs immer mehr beschleunigt wurde. Kurz vor der Kollision war das kleine Loch auf eine Geschwindigkeit von mehr als die halbe Lichtgeschwindigkeit beschleunigt! Dies ist ein Hinweis darauf, welche Mengen an Energie bei einem solchen astronomischen Ereignis freigesetzt werden. (https://www.youtube.com/watch?v=qSlwRwFsUOI)

Text: Benno Luthiger (ID SWS) und Uwe Schmitt (ID SIS)

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