Barrierefreiheit nützt allen

Manche wundern sich: Menschen mit Behinderungen arbeiten am Computer und nutzen das Internet? Ja!

Menschen mit Behinderungen nutzen das Internet sogar überdurchschnittlich häufig, denn digitale Angebote steigern die Selbstständigkeit und Unabhängigkeit direkt: vom Fahrplan des öffentlichen Verkehrs über den Onlineeinkauf hin zu den Informationen über einen Studiengang, vom Onlinebanking zu gesellschaftlichen Diskussionen. Menschen mit Behinderungen studieren und arbeiten – wenn sie die für sie wichtigen assistierenden Technologien nutzen dürfen, unterscheidet sich ihre Leistung und ihr Engagement nicht von dem von Menschen ohne Behinderungen.

Dank spezieller Hard- und Software können sich Menschen mit Behinderungen eigenständig im digitalen Raum bewegen, sich Informationen besorgen – und studieren oder arbeiten. Das Angebot an assistierenden Technologien ist breit: Spezielle Eingabe- und Zeigegeräte, Bildschirmvergrösserungs- und Vorleseprogramme, Braillezeilen und Bildschirmlineale sind nur einige davon. Um die ETH als Ort zum Arbeiten und Studieren allen Menschen zugänglich zu machen, brauchen wir ein barrierefreies Angebot. Barrierefreie digitale Oberflächen sind ausserdem für alle besser bedienbar und geräteunabhängig nutzbar. Längerfristig führt das zu einem geringeren Aufwand in Support und Unterhalt.

Barrierefreie Kommunikation – Teilprojekt 11 im «Programm Hindernisfreiheit an der ETH»

Menschen mit Behinderungen sind Teil unserer Gesellschaft, auch der akademischen Gesellschaft. Die ETH Zürich will als Ort zum Arbeiten und Studieren allen Menschen zugänglich sein; dazu brauchen wir barrierefreie Angebote.

Im Teilprojekt Barrierefreie Kommunikation (TP11) arbeiten wir von HK, ID und Campus Services gemeinsam am Ziel, die digitalen Angebote der ETH möglichst barrierefrei zu machen. Basierend auf den Web Content Accessibility Guidelines WCAG überarbeiten wir die meistgenutzten, zentralen Kommunikationskanäle und Webplattformen der ETH Zürich.

Barrieren im digitalen Raum

Menschen mit Behinderungen treffen auf unterschiedliche Barrieren:

  • Visuelle Barrieren:
    • keine Alternativen für Informationen, die visuell vermittelt werden, z.B. Inhalt von Grafiken, Video-Tutorials
    • schlechte Farbkontraste
  • Auditive Barrieren:
    • keine Alternativen für gesprochene Informationen, z.B. Testimonials als mp3-Dateien, Podcasts
    • (zu) komplexe Sprache: Gebärdensprache als Muttersprache vieler gehörloser Menschen funktioniert ganz anders als Laut- und Schriftsprache. Diese ist deshalb eine schwierige Fremdsprache für viele Gehörlose.
  • Motorische Barrieren:
    • schlechte Tastaturbedienbarkeit, z.B. Buttons oder Navigationen, die ausschliesslich mithilfe einer Maus bedient werden können. Nicht alle Nutzenden können eine Maus bedienen (Amputationen, Erkrankungen, Lähmungen, Tremor, etc.) oder den Cursor wahrnehmen (blind, stark sehbehindert). Sehr viele assistierende Technologien und Werkzeuge nutzen die Tastaturschnittstelle. Ist die Tastaturbedienbarkeit sichergestellt, funktionieren auch sie.
  • Kognitive und neurologische Barrieren
    • sich bewegende Objekte, z.B. News-Ticker, Animationen in Endlosschlaufe
    • Komplexität in Sprache und Struktur

Digitale Angebote sind immer ein Zusammenspiel von Design, Programmierung und Webredaktion. Alle drei Partner tragen ihren Teil dazu bei, Barrieren abzubauen bzw. sie gar nicht erst entstehen zu lassen. Ein paar Beispiele dazu:

  • Im Design gilt es z.B. auf Mindestkontrastanforderungen zu achten, so dass auch Menschen mit Farbenfehlsichtigkeit («farbenblind») alle Inhalte wahrnehmen können. Ausserdem wird sichergestellt, dass keine Informationen nur über Farbe vermittelt werden.
  • In der Programmierung ist z.B. die Bedienbarkeit interaktiver Elemente wichtig, so dass Schalter (Buttons), Dropdowns, Filter, etc. auch mithilfe der eigenen Tastatur – ohne Maus – verwendet werden können. Ausserdem wird sichergestellt, dass Screenreader-User alle Informationen erhalten, die auch sehenden Menschen zur Verfügung stehen.
  • Webredaktorinnen und Webredaktoren kümmern sich um die Barrierefreiheit des Contents: Sie setzen z.B. Überschriften korrekt, erfassen Alternativtexte für Bilder, bieten Videos seh- und hörbehindertengerecht an, stellen sicher, dass Podcasts auch als Transkript vorhanden sind, usw.

Goldene Regeln für mehr Accessibility

Sobald wir uns die folgenden Regeln zu Herzen nehmen, können wir alle zu mehr Barrierefreiheit im digitalen Raum beitragen.

  • Überschriften: Formatiere Überschriften als Überschriften
  • Listen: Formatiere Listen als Listen
  • Links: Schreib selbstsprechende Links («Weiter zum Login» statt «Weiter», «Mehr zum Studiengang Gebärdendolmetschen» statt «Mehr dazu»)
  • Bilder: Beurteile deine Grafiken: dekorativ oder sinntragend?
    • dekorativ: Markiere sie als «dekorativ»
    • sinntragend: Erstelle einen Alternativtext, der die Essenz der Grafik äquivalent wiedergibt
  • Farbe: Stell sicher, dass die Kontraste ausreichen. Vermittle nichts nur durch Farbe
  • Tastaturbedienbarkeit: Stell die Tastaturbedienbarkeit sicher.
  • Fokussichtbarkeit: Stell die Fokussichtbarkeit sicher.

Wer diese sieben Merkpunkte bereits verinnerlicht hat, wagt sich an die folgenden:

  • Informative Texte: Schreib verständlich und informativ (Fehlermeldungen, Labels, Anweisungen, Informationen)
  • Seitentitel: Stelle sicher, dass jede Webseite einen informativen, einzigartigen Titel trägt. Diese Information ist die erste, die an Screenreader übermittelt wird. Der sog. Page title enthält auch die Information über die Seitenbetreiberin (in unserem Fall die ETH).
  • Leerzeilen: Vermeide Leerzeilen (nutze stattdessen die Abstandsformatierungen)
  • Tabellen: Gib Tabellen eine Kopfzeile (besser zwei) und nutze Tabellen nicht zum Layouten
  • Generell:
    • Achte auf logisch korrekte Reihenfolgen und Hierarchien
    • Mach so klar wie möglich, welche Eingaben von den Nutzerinnen und Nutzern erwartet werden.
    • Setze klare Labels und Anweisungen, welche immer sichtbar bleiben.
    • Erkläre das Problem bei Fehleingaben und warne vor wichtigen Aktionen.

Allen, die mehr über das Thema erfahren möchten, sei als Einstieg der Kurs Digitale Barrierefreiheit empfohlen sowie die folgenden Webseiten:

Siehe auch ID-Blog-Beitrag

«Barrierefreiheit umsetzen – die Hürden und Herausforderungen»

Kontakt

  • Christian Schär, Gruppenleiter WCMS and Mobile Applications, (ID APPS)
  • Manu Heim, Projektleiterin Barrierefreie Kommunikation (HK)
Manu Heim (ETH HK), Christian Schär (ID APPS) und Luis Argüello (ID APPS), von links, tragen ihren Teil dazu bei, Barrieren abzubauen bzw. sie gar nicht erst entstehen zu lassen.
Manu Heim (ETH HK), Christian Schär (ID APPS) und Luis Argüello (ID APPS), von links, tragen ihren Teil dazu bei, Barrieren abzubauen bzw. sie gar nicht erst entstehen zu lassen.

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