Interview mit Dordaneh Arangeh, Sektionsleiterin IT Procurement und Portfolio

«Mit voller Innovationskraft voraus!» Titelstory des Magazins «Die Wirtschaftsfrau» / die-wirtschaftsfrau.ch | vom 22.01.2019

Dordaneh Arangeh, Sektionsleiterin IT Procurement & Portfolio (ID PPF) hat in einem Interview des Magazins «Die Wirtschaftsfrau» Rede und Antwort gestanden. Zitat Redaktion «Ihre einzigartige Persönlichkeit spiegelt sich in ihrem Lebenslauf wieder. Mit einer grossen Portion Durchhaltevermögen schaffte sie den Weg bis ganz nach oben».

Die Wirtschaftsfrau Ausgabe Nr. 7 / 2019
Die Wirtschaftsfrau Ausgabe Nr. 7 / 2019

IT-Frauen gesucht

Informationstechnik ist ein männerdominierter Bereich. Das hat sich bis heute leider noch nicht geändert. Nur rund 13% aller ICT-Stellen werden von Frauen besetzt. Bei den Informatikdiensten arbeiten von etwa 300 Personen um die 40 IT-Frauen. Die ID möchte gerne mehr Frauen im Team begrüssen. Aus diesem Grund hat Yonne Zilio, HR-Verantwortliche der Informatikdienste, im Jahr 2018 begonnen, Aktivitäten zu forcieren, um die Frauenquote bei den Informatikdiensten der ETH Zürich zu steigern. Bei ihrer Recherche stiess sie auf die Stellenplattform «Frauenjobs.ch», wo seit Frühsommer 2018 u.a. alle ID-Vakanzen ausgeschrieben werden. Auch in der Zeitschrift «Wirtschaftsfrauen», welche vierteljährlich erscheint, werden neu einige der ID-Vakanzen publiziert. Durch diese Verbindung erhielt die ID eine Chance, mittels eines persönlichen Interviews einen Karriereweg einer Frau an der ETH aufzuzeigen.

«Die ETH Zürich mach sehr viel in Sachen Frauenförderung»

Dordaneh Arangeh, Head of IT-Procurement & Portfolio Management an der ETH Zürich. (Foto: Daniel Winkler)

Mit voller Innovationskraft voraus!

Guten Tag Frau Arangeh. Sie arbeiten seit 2000 bei der ETH Zürich und sind seit 2012 als Head of IT-Procurement & Portfolio Management tätig. Was kann man sich da genau darunter vorstellen?

Die Tätigkeiten, die wir in dieser Sektion ausüben und die Dienstleistungen, welche wir bieten, sind sehr vielfältig. Wir sind verantwortlich für das gesamte IT-Procurement an der ETH ab 10’000.- Franken. Das betrifft Software und Hardware, aber auch Dienstleistungen. Dazu kommt das IT Portfolio Management. Wir sind zuständig für den IT-Service-Katalog, für das Reporting sowie für das Service Management Office.

Im Rahmen der Senior Projektleitung kümmern wir uns um komplexe bereichsübergreifende IT-Projekte.

Die Qualitätssicherung der gesamten Informatikdienste fällt ebenfalls in unseren Aufgabenbereich sowie das finanzielle Controlling. Zusätzlich bieten wir IT-Trainings an der ETH an. Wir haben an der ETH knapp 3‘000 Leute, die verschiedene solche Trainings absolvieren. Eine weitere wichtige Tätigkeit ist das IT Lehrlabor. Wir bilden pro Jahr sieben bis acht Lernende im Bereich IT aus, wobei sie das komplette erste Jahr in diesem Labor verbringen. Inklusive Lernende umfasst die Sektion 38 Mitarbeitende. Sie sehen, es handelt sich um einen grossen und vielseitigen Tätigkeitsbereich.

Und wie sind Sie zu dieser Position gekommen?

Ich habe an der ETH Zürich Elektrotechnik studiert und das Studium 1998 abgeschlossen. Danach fing ich bei der ABB Schweiz AG an, mit deren Unterstützung ich bereits meine Diplomarbeit verfasst habe. Dort war ich in verschiedenen Geschäftseinheiten tätig. Ende 2000 zog es mich zurück zur ETH – zunächst als Network Engineer, später wechselte ich zur Stabsmitarbeiterin der Direktion. Ende 2008 wurde die Schulleitung der ETH umstrukturiert und ich bewarb mich als Stabsmitarbeiterin vom Vizepräsident Personal und Ressourcen. Wiederum ein komplett anderes Aufgabengebiet auf der strategischen Ebene. In diesem Bereich haben wir einiges an Veränderungen in der gesamten IT-Organisation durchgeführt, darunter die Einführung des IT Portfolio Managements.

Die ETH Zürich war damals die erste Hochschule in Europa, welche so etwas eingeführt hat.

Am Aufbau dieses Bereichs war ich massgeblich beteiligt und als 2012 die strategische Position der Leitung des Portfolio Managements kreiert wurde, habe ich diese übernommen. Wir entschieden darüber hinaus, eine operative Abteilung aus dem IT Portfolio Management zu machen und dieses mit dem Procurement zusammenzuführen. Ich war von Anfang an beim Aufbau des Bereiches mit dabei und habe alles mitgestaltet.

IT: Das ist ein Bereich, welcher doch oftmals noch von Männern dominiert wird. Ist das bei Ihnen bei der ETH Zürich auch der Fall?

Es ist auch so, ja. Wobei man auch beachten muss, dass sich das in den letzten 20 Jahren verändert hat.

Die ETH Zürich hat viel gemacht, um diese Veränderung anzustossen und um junge Frauen dazu zu motivieren, an der ETH Zürich zu studieren und zu arbeiten.

Es ist bereits viel besser geworden, aber wir sind immer noch in einem männerdominierten Bereich unterwegs. In meiner Sektion hat es die meisten Frauen: Von 38 Mitarbeitenden sind es deren acht.

Wie sieht das bei den Studierenden aus? Können Sie einen Anstieg von weiblichen Studentinnen in Studiengängen zum Thema Informatik beobachten?

Im Vergleich zu der Zeit, als ich selbst studiert habe, gibt es definitiv mehr Frauen in den Vorlesungssälen. Wir haben mit vier Frauen angefangen, beim Abschluss waren wir noch zu zweit. In der Elektrotechnik hat die Zahl also um Faktor fünf zugenommen. Im Informatikbereich beträgt der Frauenanteil heute rund 12,3% auf Bachelor- und 18.8% auf Masterstufe. Das ist zwar nicht viel, aber der Trend stimmt.

Welche Massnahmen ergreift die ETH Zürich, um die Gender-Balance in Bereichen zu fördern, in welchen die Frauenquote noch nicht die erwünschte Höhe erreicht hat?

Wir waren eine der ersten Hochschulen, die sich am Zukunftstag engagiert haben. Die ETH Zürich hat viele Programme für junge Mädchen auf die Beine gestellt, um ihnen das Studium an der ETH und speziell auch die Informatik näherzubringen.

Die ETH Zürich hat zudem seit langer Zeit die Chancengleichheitsstelle, welche für die Förderung der jungen Wissenschaftlerinnen zuständig ist. Und auch in der Informatik gibt es eine Frauen-Community. Das Resultat sieht man auch an der Anzahl Professorinnen. Im Vergleich zu vor zehn Jahren kann man da eine deutliche Steigerung beobachten. Potenzial für mehr ist da, aber immerhin sind wir auf einem guten Weg.

Zu beachten ist, dass es sich bei der ETH Zürich um eine technische Hochschule handelt, ein Bereich, der lange in der Männerwelt verankert war. Es ist daher schwierig, mit

Universitäten des sozialwissenschaftlichen Bereichs zu konkurrieren.

Sind das auch die Gründe, weshalb Sie sich für die ETH Zürich als Arbeitgeberin entschieden haben?

Unter anderem, ja. Aber es gibt weitere Gründe: Die Einzigartigkeit der Arbeit, die Umgebung, in welcher man tagtäglich mit tollen jungen Menschen in Kontakt tritt, spielte auch eine wichtige Rolle. Wegen der sehr anspruchsvollen Kundschaft, die wir bedienen, müssen wir uns auch auf der technischen Seite immer fit halten, was ich persönlich sehr schön finde. Und: Ich sehe einen Sinn in meiner Arbeit. Ich habe den Eindruck, dass es zwar ein kleiner, aber dennoch ein wichtiger Beitrag ist.

Junge Menschen studieren hier, bauen ihre Zukunft auf.

Diese Menschen mit meiner Arbeit dabei zu unterstützen, bedeutet mir viel.

Kommen wir zum Thema Wirtschaft: Welche Rolle spielen Universitäten für die Schweizer Wirtschaft?

Die ETH Zürich ist ein sehr wertvoller Teil unserer Gesellschaft. Darauf sind ihre Angestellten stolz. Die Schweiz, als kleines Land mit wenig natürlichen Ressourcen, war schon lange darauf angewiesen, sich durch Innovationen weiterzubringen und die ETH Zürich ist da weltweit ganz vorne mit dabei. Kurz: Sie ist für den Erfolg der Schweizer Wirtschaft von entscheidender Bedeutung.

Die drei Hauptaufgaben der ETH Zürich sind Lehre, Forschung und Technologietransfer – alle gleichermassen wichtig.

Die ETH Zürich gründet rund 25 neue Spin-off Firmen pro Jahr, insgesamt sind es bereits über 330. Selbst wenn man sagt, dass langfristig nur ungefähr drei bis vier Firmen ganze vorne mit dabei sind, sind diese eben doch ganz vorne mit dabei und leisten einen wertvollen Beitrag. Es handelt sich dabei meist um sogenannte „Bleeding Edge“-Technologien, die wir in Richtung Wirtschaft und Gesellschaft herausbringen.

Die ETH Zürich ist in den World University Rankings 2019 an 11. Stelle platziert worden, und somit als einzige Schweizer Universität unter den Top 20. Auf welche Faktoren führen Sie dieses gute Resultat zurück?

Die ETH Zürich hält seit ihrer Gründung die akademische Freiheit hoch. Diese ist wichtig dafür, dass die Forscherinnen und Forscher ihre Innovationsfreude voll ausleben können. Diese akademische Freiheit soll so wenig wie möglich angetastet werden. Ein weiterer wichtiger Faktor für unseren Erfolg ist die Grundfinanzierung durch den Bund. Die ETH ist damit unabhängiger von privaten Sponsoren als andere Top-Hochschulen. Zudem hat es die ETH Zürich zusammen mit dem attraktiven Standort Zürich geschafft, die besten Leute zu sich zu holen. Und diese sind es, die am Ende den Unterschied ausmachen.

Heutzutage studieren immer mehr junge Leute, anstatt eine Lehre zu absolvieren. Sehen Sie da – wirtschaftlich gesehen – auch negative Aspekte, welche diese Tatsache mit sich bringt?

Die Schweiz bietet jungen Menschen viele verschiedene Möglichkeiten an, wie sie ihr Talent in den Dienst der Gesellschaft stellen können. Das ist gut so. Es ist aber auch wichtig, dass die Wirtschaft sich bewegt und nicht mehr derart starr bestimmte Tätigkeiten für Leute mit einem bestimmten Bildungsweg vorsieht. Grenzen sind fliessend. Akademiker können auch handwerkliche Arbeiten und sind nicht nur für die theoretische, konzeptionelle Arbeit bestimmt.

Perspektivenwechsel zum Schluss: Denken Sie, dass Ihre Karriere als Mann einfacher verlaufen wäre?

Das kann ich nicht beurteilen, denn diese Frage hat sich mir auf meinem Karriereweg auch nie gestellt. Klar hatte ich Rückschläge, aber wenn ich offen und fair darüber nachdenke, muss ich sagen, dass auch meine männlichen Kollegen solche Rückschläge erlebt haben. Ob es als Mann anders gewesen wäre? Wer kann das wissen? Wer es hart genug versucht, kommt weiter. Ich persönlich habe diesen Unterschied zwischen Mann und Frau in meinem Umfeld nicht gesehen.

Quelle Artikel online: https://die-wirtschaftsfrau.ch/mit-voller-innovationskraft-voraus/

Informatikdienste der ETH Zürich

Die Abteilung Informatikdienste (ID) unterstützt Lehre, Forschung und Verwaltung durch die Bereitstellung von Dienstleistungen auf dem Gebiet der Informations- und Kommunikationstechnologien. Sie betreibt dazu die notwendigen, flächendeckenden Infrastrukturen, Informationssysteme und Applikationen.

Die ID ist in neun Sektionen gegliedert: ID ICT-Networks (ID NET), ID Systemdienste (SD), ID Basisdienste (BD), ID Software Services (SWS), ID Multimedia Services (MMS), ID Service Delivery (SDL), ID Services for Departments (S4D), ID IT Procurement & Portfolio (PPF) und ID Scientific IT Services (SIS).

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