VVZ 2017.2 in Betrieb

Der Release 2017.2 des Vorlesungsverzeichnisses (VVZ) der ETH Zürich ist in Betrieb. Ein Interview mit Dr. Giorgio Broggi, Sektionsleiter ID Software Services (ID SWS) und Roland Fehr, ID SW Project Services, OIS Lehre – Java (ID SWS).

ID-BLOG: Es gibt seit Jahren zweimal jährlich neue Versionen des Vorlesungsverzeichnisses. Wieso ist VVZ 2017.2 so speziell?

Broggi: Dieser Release ist funktional identisch mit der bisherigen Version, jedoch technisch komplett unterschiedlich. Wir haben die Version auf das Java-Framework (Spring) migriert mit dem die neueren Java-Applikationen der ID Software Services (ID SWS) entwickelt wurden.

 

ID-BLOG: Die User merken also keine Verbesserung. Trotzdem wurde sehr viel Aufwand investiert. Gibt es ein Return On Investment?

Broggi: Am 1. November 2016 hat die Schulleitung entschieden, das System der Lehrbetriebsapplikationen, welches von den Akademischen Diensten und der ID partnerschaftlich entwickelt wurde, solle langfristig in Betrieb bleiben und weiterentwickelt werden. Darum haben wir entschieden, alle Komponenten technisch auf Plattformen zu migrieren, welche dies ermöglichen. Den ersten Schritt haben wir im Frühling vollzogen als die zentrale Datenbankinstanz des OIS (Operatives Informationssystem der ETH Zürich) auf Unicode migriert wurde. In einem zweiten Schritt werden die drei ältesten Web-Applikationen (VVZ, eDoz und myStudies), welche in Java Struts entwickelt wurden (ein Framework, welches nicht weiterentwickelt wird) auf Java Spring migriert. Es handelt sich dabei um keine «kleine Unternehmung», denn es geht um mehrere hunderttausend Lines of Code. Nur so können wir aber die Nachhaltigkeit der Applikationslandschaft sicherstellen und die Security-Vorteile von Spring nutzen.

 

ID-BLOG: Wie konnte die Migration von VVZ in so kurzer Zeit erfolgen?

Fehr: Wir haben zusammen mit zwei Informatikstudenten mit Knowhow im Compilerbau ein mehrschichtiges Migrationsprogramm entwickelt, welches eine automatische Übersetzung vornimmt. Die einzelnen Schichten betreffen den DB-Zugriff, den Service- und Web-Bereich (Model/Controller) sowie die Anzeigeschicht (View). Jeder dieser Schichten wird von einem eigenen Softwaremodul übersetzt und am Schluss durch einen übergreifenden Layer abgerundet. Um den Aufwand für die Migrations-Software vertretbar zu halten, konnte aber nicht für jede Schicht eine 100% Abdeckung aufgebaut werden. Jedoch wurden bei VVZ sowohl beim DB-Zugriff, dem Service-Bereich sowie der Anzeigeschicht (View) 100% erreicht.

 

ID-BLOG: Was musste am Ende doch manuell migriert werden?

Fehr: Da sich die im Web-Bereich eingesetzten Technologien stark unterscheiden, konnte dort nur eine Grundmigration mit etwa 60% Abdeckung erfolgen. Darüber hinaus war dann dort einiges an Handarbeit notwendig. D.h. in Bezug auf Datenhaltung, Aufrufe der Services und die Flow-Verlinkung.

 

ID-BLOG: Wie aufwändig waren dabei Tests und weitere Schritte der Qualitätssicherung?

Fehr: Der Qualitätssicherung kam dabei eine sehr wichtige Funktion zu. Natürlich musste sichergestellt werden, dass die Migrationsmodule in jedem Fall die korrekten Resultate liefern. Zudem mussten die neu von Hand programmierten Teile geprüft werden. Unser Testteam setzte dabei als erstes auf eine maschinelle Prüfung der Ergebnisse über eine Testsoftware. Dabei wurde die bestehende Applikation automatisch mit der migrierten verglichen, aufgezeichnete Abläufe wurden durchlaufen und die Ergebnisse abgeglichen. Implizit dabei enthalten war auch eine automatische Prüfung betreffend der Pixelgenauigkeit in der Positionierung der Seitenelemente. Dann folgte ein zweistufiges Testverfahren durch zwei unabhängige Testteams, bei dem beide Applikationen jeweils in unterschiedlichem Detailierungsgrad miteinander verglichen wurden. Wie sich zeigte, warf aber das leicht andere Verhalten der jeweils eingesetzten Grundframeworks bei einer so stark vernetzten Applikation wie VVZ Probleme auf. D.h. wir haben das alte Verhalten nachgebaut und sind hier deutlich über das Ziel einer funktionalen Migration hinausgegangen. Dafür funktionieren auch bestehende Verlinkungen und Bookmarks weiterhin. Das Verhalten der Applikation ist bis hin zu Browserbacks identisch.

Als Gesamtergebnis der Tests kann man sagen, dass neben einigen notwendigen kleineren Verbesserungen der Migrationsmodule, die absolute Mehrheit der Probleme aus den von Hand migrierten Teilen resultierten. D.h. die Entscheidung auf eine maschinelle Migration zu setzen hat sich schon für das erste Projekt nur positiv ausgewirkt.

 

ID-BLOG: Was sind jetzt die nächsten Schritte?

Broggi: 2018 wird die Dozierendenapplikation (eDoz) migriert. eDoz ist nicht nur viel umfangreicher, sondern auch, im Gegensatz zu VVZ, eine mutierende Applikation. Da wird die Qualitätssicherung besonders schwierig und aufwändig sein. Als letzte LBA wird myStudies migriert – die grösste der drei Applikationen. In der Zwischenzeit werden die Clients auch funktional weiter zu entwickeln sein. Die Arbeit wird dem Lehrbetrieb Team also sicher nicht ausgehen.

Kontakt

Dr. Giorgio Broggi, Sektionsleiter ID Software Services (ID SWS)

 

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