Online Sprechstunden

Hintergrund: Zu einigen grossen Vorlesungen bieten Dozierende am Departement Physik regelmässig Sprechstunden an. Diese Sprechstunden finden zu festgesetzten Zeiten meist im Büro des Dozenten statt. Ziel der Sprechstunde ist es, konkrete Probleme oder Verständnisschwierigkeiten der Vorlesungsinhalte zu besprechen.  Die Teilnahme der Studierenden  an diesen Sprechstunden ist sehr unterschiedlich. In der Vergangenheit wurden einige Sprechstunden wegen Nichtinanspruchnahme gestrichen, andere mussten wegen hoher Teilnahme kurzfristig in grössere Räume verlegt werden. Um bessere Planungssicherheit zu erlangen, wurde auch versucht Anmeldelisten zu erstellen und Fragen bereits im Vorfeld über Email (oder Forum) zu sammeln.  All diese Massnahmen sind jedoch zeitintensiv und führen kaum zum gewünschten Ergebnis.

adobe_connect

Online Sprechstunde: Im Herbstsemester 2014 haben wir in einer Einführungsvorlesung (ca. 450 Studierende) zum ersten Mal online Sprechstunden durchgeführt. Dabei eingesetzt wurde das über Switch zur Verfügung gestellte Konferenzsystem Adobe Connect. Der Dozent hat für seine Sprechstunden in Adobe Connect ein Meeting eröffnet und den Studierenden den dazugehörigen Link über Email verschickt. Die Zeiten, wann der Dozent online verfügbar ist, wurden in der Vorlesung und über Mail jeweils einige Tage vor der Sprechstunde kommuniziert.

Ergebnis: Im Semester wurden drei online Sprechstunden angeboten. Die beiden ersten waren mit einer Teilnahme von jeweils 50-60 Studierenden sehr gut besucht. Die letzte Sprechstunde, kurz vor Weihnachten, brachte immerhin noch 20 Studierende zusammen. Aus Sicht des Dozenten waren die Sprechstunden ein Erfolg, wobei er sehr viel mehr Studierende ansprechen konnte, als in den bisherigen Präsenzsprechstunden. Die Studierenden empfanden die Sprechstunde über das Internet nicht als Hindernis und betonten das hohe Engagement des Dozenten, der damit neue Wege der Kommunikation einschlug.

Erfahrungen:

  • Adobe Connect ist für Sprechstunden sehr gut geeignet. Die Handhabung des Systems über einen gängigen Webbrowser ist einfach und die Teilnahme an den Meetings ist für Studierende problemlos und unverbindlich.
  • Die Fragen der Studierenden wurden fast ausschliesslich über das Chatmodul als Text gestellt.  Der Video- und Audiokanal wurde so gut wie nicht benutzt. Der Dozent konnte somit die Fragen nach Sichtung selektiv beantworten.
  • Der Dozent hatte sich über ein Tablet als zusätzlicher Nutzer eingeloggt und hatte neben dem Chat- und Audiokanal auf dem PC über Screensharing des Tablets noch eine Zeichenfläche zur Verfügung. Die Behandlung der Fragen verlief grossteils durch verbal kommentiertes Zeichnen bzw. Schreiben auf dem Tablet.
  • Nach Rückfrage an die Studierenden hat sich der Sonntagabend als bester Zeitpunkt für die online Sprechstunde herausgestellt.
  • Nur eine gewisse Anzahl von Studierenden beteiligte sich aktiv an der Sprechstunde. Für die eher Passiven scheint die Teilnahme aber trotzdem gewinnbringend zu sein, denn die Fluktuation während der Sprechstunde hielt sich in Grenzen.

Fazit: Die Durchführung der online Sprechstunden verlief problemlos und ohne grösseren Aufwand. Aufgrund der guten Akzeptanz bei den Studierenden werden wir die online Sprechstunde auch im nächsten Semester wieder durchführen.

Vorlesungen kommentieren

Im Gespräch nach einer Hospitation sind Dozierende immer froh darüber, ein Feedback über ihre Vorlesung zu erhalten. Manchmal sprechen sie auch gezielt Probleme oder Unsicherheiten an.  In diesen Fällen ist es von Vorteil, auf Sekundärliteratur zu verweisen. Zusätzlich wird damit die Rückmeldung auch deutlich wertungsfreier.

Beispiel: eine Vorlesung, die einen deutlich erhöhten Lautpegel aufweist.

Delis: „Hat Sie der Lautpegel während der Vorlesung gestört?”
Doz.: „Nein, das war schon in Ordnung.”
Delis: „In einer Studie aus England wurden einige sehr einfache Strategien zur Geräuschreduzierung vorgeschlagen und analysiert. Ein gute Methode ist, wenn Sie höflich darauf hinweisen, dass es für Sie als Dozent äusserst schwierig ist, unter Lärmbelastung zu arbeiten und dass Sie sich während der Vorlesung voll konzentrieren müssen. Dann warten Sie bis der Lautpegel abgenommen hat, bedanken sich und fahren mit der Vorlesung fort. Nachdem Sie dieses Vorgehen konsequent ein paar Mal angewendet haben, werden Sie merken, dass es deutlich leiser in der Vorlesung wird.” …

Falls der/die Dozierende jetzt Interesse zeigt, kann man die acht restlichen Strategien zur Geräuschreduzierung ausführen und auf die spezifische Situation der aktuellen Vorlesung beziehen.

Solche und viele andere Hinweise zur Verbesserung von Vorlesungen und allgemein von Vorträgen findet man in einem kleinen Büchlein:

Giving a Lecture: From Presenting to Teaching (Kate Exley, Reg Dennick), Routledge, 2. Auflage 2009

(Achtung: die erste Auflage dürfte evtl. in einigen Bibliotheken vorhanden sein, aber sie ist weitaus minderwertiger. Ich empfehle daher dringend eine Neuanschaffung. In Nebis ist das Buch nur über Lausanne bestellbar.)

Die beiden Autoren liefern auf 200 Seiten eine Fülle von praktischen Informationen und Tipps zum Entwerfen, Planen und Durchführen von Vorlesungen und Vorträgen. Zahlreiche Hintergrundinformationen, Praxisbeispiele, Verweise, sowie ein gut lesbarer Schreibstil machen das Buch zu einem wahren Lesevergnügen.

Ein ganzes Kapitel befasst sich mit der Analyse und (formativen) Evaluation von Vorlesungen. Für die Hospitation finden sich hier sehr wertvolle Kriterien. Weitere Kapitel behandeln die Erstellung und Einbeziehung von Powerpoint-Folien, sowie von Audio- und Videomaterial. Clicker, Tablet-PCs und Podcasts werden ebenso thematisiert wie die Berücksichtigung von Studierenden mit Behinderung.

Insgesamt ist das Buch spannend zu lesen und das Englisch ist durchaus verständlich. Mir persönlich hilft es sehr bei der Beratung von Dozierenden und ich habe selbst Vieles damit lernen können.

Vielleicht sollte man das Büchlein allen neuen Dozierenden diskret zum Gratis-Halbtax beilegen. Eine sicher lohnenswerte Investition  (und ein Vorschlag für die Gruppe „Faculty Development”)!

Hier ist noch ein Link zum Blättern im Buch:
http://www.amazon.co.uk/Giving-Lecture-Effective-Teaching-Education/dp/0415471400#reader_0415471400

Kontakt: Guillaume Schiltz