Jubiläum 30 Jahre Urs Beckmann

Angefangen an der ETH zu arbeiten, habe ich im Sommer 1988. Damals gab es noch kein «www», keine Anbindung der ETH ans Internet und keine Farbdrucker im Einsatz.

Was es aber gab, war ein Rechenzentrum mit zentralen Computern VAX/VMS, CDC und Cray, auf welche die User mittels Text-Terminal VT über das ETH-Netz (was damals Kometh hiess) zugriffen. Als Bedürfnis wurde erkannt, dass die Benutzer auf den zentralen Computern rechnen wollten, aber ihren Druck-Output dezentral in Büro-nähe ausgedruckt haben wollten (vom Team Franz Bachmann und Rolf Müri). So entstanden die ersten VPP-Stationen, welche die dezentralen Drucker bedienten.

Programmiersprachen & Konzept

Schon von Anfang an wurde auf die Druckersprache Postscript gesetzt, welche damals im Aufkommen war. Das ist eine eigene, mächtige Programmiersprache und deshalb für Eigenentwicklungen vorteilhaft, da sich mit eingefügten Postscript-Befehlen der Output auf viele Arten steuern lässt.

Dieses Konzept war so erfolgreich, dass die Gruppe Verstärkung benötigte und so bot sich mir die Gelegenheit, in dieser Entwicklungsgruppe mitzuwirken.

Verteiltes Printen und Plotten (VPP)

Der Name VPP wurde zu dieser Zeit festgesetzt auf «Verteiltes Printen und Plotten». Plotter gab es damals noch richtige, nämlich Ausgabegeräte mit Plotter-Stiften. Die heutigen Plotter, die eigentlich Drucker auf grossformatiges Papier sind, kamen erst später. Der Bereich innerhalb der Gruppe, der mir zufiel, war die sogenannte «Hostsoftware». Dazu gehört alles auf der Userseite bis zur Übertragung der Jobs zum VPP-Server.

Am Anfang bedeutete das, Userinterfaces zu erstellen für VMS, Unix und DOS (dem Mac konnte ich leider rsp. zum Glück aus dem Weg gehen während der ganzen Karriere). Später kam natürlich das Windows dazu. Die VPP-Userinterfaces vom Windows wurden laufend modernisiert. Von einem initialen .EXE-Programm zum Druckfile-abschicken, über einen «Redirector» für direktes Drucken von der Applikation aus, bis zu einer Windows-Druckserver-liken Anbindung basierend auf Samba (Opensource Windows-Networking auf Linux).

Parallel dazu wurde der Posterdruck ein festes Standbein vom VPP-Service. Am Anfang per Web-Upload vom Postscript-Druckfile. Diese Zeit war geprägt von sehr viel Kundensupport-Arbeit.

Bediente Druck-Stationen

Das Büro im Rechenzentrum befand sich neben der bedienten Drucker-Station, welche damals RZSPEZ hiess. Oft musste den Kunden beim Erstellen des druckbaren Outputs geholfen werden, vor allem bei Überformaten grösser als A0. Der Poster-Service wurde bekannt und beliebt bei Kunden nicht nur von der ETH, sondern auch von der Uni, vom Unispital und anderen öffentlichen Institutionen wie z.B. Kantonsschulen. Viele nahmen den Weg ins Rechenzentrum an der Clausiusstrasse in Angriff, um ihre Poster abzuholen.

Auch am Hönggerberg gab es eine bediente Druck-Station genannt HILSPEZ. Dort und in der Selbstbedienung erstellten vor allem Studenten der Architektur ihre Poster in fast noch grösserer Anzahl als im Zentrum.

Entwicklungen & Verbesserungen

Die Support-Situation beruhigte sich drastisch als der neue PDF-Upload zum Einsatz kam. Damit brauchten die Kunden ihre PDFs nicht mehr vor dem Abschicken zu konvertieren. Ebenfalls konnten sie sämtliche gewünschten Ausgabeformatgrössen selbst einstellen mit automatischer Skalierung.

Ein Meilenstein war das Neuschreiben der VPP-Server-Software, in der Programmiersprache Java. Dieses Projekt erhielt den Namen «VPP II» (VPP 2).

An der Entwicklung waren neben VPP-Leuten auch andere Personen beteiligt, vor allem Svend Knudsen. Das Projekt war ein erfolgreiches Beispiel für die Verwendung der objektorientierten Programmiersprache Java in einem grösseren Rahmen. Die Arbeit liess sich sehr gut aufteilen. Man kam sich gegenseitig nicht in die Quere. Der Spagat zwischen Abgrenzung und Interkommunikation, wurde auf natürliche Art wie von selbst bewältigt mit Java.

In seiner Version II war das VPP auf seinem Höhepunkt ein System, welches die wesentlichen Print-Bedürfnisse der Hochschule abdeckte. Studenten druckten darüber ihre Skripts, Übungen und Poster. Mitarbeiter druckten ebenfalls mit dem System. Es wurde von User der gängigen Betriebssysteme akzeptiert. User von Windows, Mac sowie Unix verwendeten das VPP und verstanden die spezifische VPP-Terminologie. Ausdrücke wie Destination, Device und Form waren geläufiges Vokabular geworden.

ETH Print Service Pia

Um 2011/2012 entschied die ETH, in Sachen Printing neue Wege zu gehen. Alles muss mal ein Ende haben, auch das VPP.

Es entstand der ETH Print Service «Pia». Pia heisst nicht «frommer» Druckservice. Pia steht für «PrInting für alle». Gemeint ist der Zusammenschluss von mehreren Druck-Services an der ETH zu einem. Pia übernahm neben VPP noch weitere interne Anbieter von Druckservices, u.a. von der ZO, den Drucker-Kopierer-Service von H.P. Bürki und von Instituten, die selbst einen Druckserver in Betrieb hatten. One Ring to bind them all. Der Teil Poster-Service wurde übergeben an «Print and Publish» (ehemalige Reprozentrale).

Die Grundphilosophie von Pia ist ein Windows-Druckserver als zentrales Element, daneben eine Verrechnungssoftware und allgemein der Einsatz von kommerzieller Software statt von Eigenbau oder Opensource. Lieber selber gekauft als selber gemacht.

Das System-Management der Pia-Druckserver wurde mir zugeteilt. Später dazu kam der Webprint zum Uploaden von PDF Files basierend auf SavaPage-Software.

Die Art der Arbeit für mich hat sich durch den Wechsel verändert. Jetzt geht es mehr darum, mit den Herstellern der Software zu kommunizieren, falls etwas nicht wie erwartet funktioniert. Dies ist nicht immer einfach. Auch das Erstellen von Automatismen und von Skripten zum Verbinden und Verwalten der verschiedenen Programme rückte in den Vordergrund.

Es gibt immer noch genug zu tun. Gedruckt wird unverändert viel. Die Idee hin zum papierlosen Büro hat sich in der Praxis bis heute nicht durchgesetzt.

Text

Urs Beckmann, Printing, Basisdienste (ID BD), Informatikdienste

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