Open Source Debatte

Weshalb ist Biogemüse teurer als Industriegemüse, Open Source SW hingegen billiger als Industrie-SW?Wer macht eigentlich Ubuntu und wer Open Office – und warum? Sollen wir Google unterstützen, weil sie uns Google-Apps und Gmail schenken?

Warum wollen Leute mit Linux arbeiten, andere mit Mac und wieder andere mit Windows – und wollen sie das überhaupt?

Fragen über Fragen! Was kann man (ID) da machen?

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14 comments on «Open Source Debatte»

  1. Die ETH ist bezüglich Betriebssysteme und Anwendungen eine sehr heterogene Umgebung: Die Physiker arbeiten viel mit Linux, die Architekten mit MacOS, Maschinenbauer mit Windows. In einigen Professuren wird strikt nur auf einem System gearbeitet, alle mit den gleichen Programmen, in anderen quer durchs Feld (an der Professur wo ich angestellt bin sind Mac, Linux und Windows vertreten, und es funktioniert wunderbar). Diese Freiheit schätze ich sehr an der ETH, sie ist das digitale Pendant zur Forschungsfreiheit.

    Die Aufgabe der ID ist in erster Linie die Bereitstellung und Instandhaltung der Infrastruktur und einen Barrierefreien Zugang zu den digitalen Services für alle Angehörigen der ETH zu schaffen. Ein begrenztes Budget gibt die Vorgabe, dass dies Kosteneffizient gelöst werden muss.
    In privatwirtschaftlichen Grossbetrieben wird das meist durch eine enge Auswahl an Softwareprodukten bewerkstelligt. Dadurch kann das Knowhow gebündelt werden und bessere Lizenzverträge mit den SW-Herstellern ausgehandelt werden. Meist handelt es sich jedoch um proprietäre Produkte mit geschlossenen Datenformaten und Schnittstellen, mit denen die SW-Hersteller ihre Kunden binden. Darunter leidet die Kosteneffizienz.

    Die ETH-ID versucht ihre Aufgabe ähnlich zu lösen wie die Privatwirtschaft, das kann aber in einem heterogenen Betrieb nicht funktionieren. Auch wenn ein grossteil der Anwender auf Windows arbeitet, so wird ein Teil der Anwender von Diensten ausgeschlossen, die Windows erfordern. Mit der Konzentration der Services auf proprietäre Produkte wie MS Office und MS Exchange bindet sich die ETH an einen Hersteller.

    Was kann die ID machen:
    – Die ID muss bei Ihren Dienstleistungen auf offene Standards setzen. Es kann doch nicht sein, dass ein Linux-User in einer virtuellen Maschine ein Windows installieren muss, um darauf MS Outlook zu betreiben, nur damit er den Exchange-Server nutzen kann. Die Dokumentenvorlagen von CC sind auch erst seit kurzer Zeit in ODF verfügbar.
    Es ist auch Aufgabe der ID, die Anwender auf diese Problematik hinzuweisen. Bei meiner Anstellung an der ETH habe ich von der HR ein Formular als .doc erhalten. Ich konnte es zwar öffnen in Openoffice, aber es war alles ziemlich durcheinander. Vielen Anwendern ist diese Problematik gar nicht bewusst.

    – Universitäten sind ein beliebtes Ziel von Software-Unternehmen, um ihre künftigen Kunden „anzufixen“. Wer einmal auf einer Software arbeitet, wird selten wechseln. Es ist zwar toll, wenn man als Studi gewisse Software-Produkte sehr günstig bekommt. Aber wenn solche Angebote über Mail beworben werden, ohne Hinweise dass es fast dasselbe Produkt, das sogar noch mit offenen Standards arbeitet, zum Nulltarif gibt, ist ein solches Email einer Universität nicht würdig.
    Oft wird auch in der Lehre eine gewisse Software vorausgesetzt, die es dann nur für ein bestimmte OS gibt (oder nur für ein OS von IDES angeboten wird). Professoren, die diese Software für ihre Lehre voraussetzen, sind sich der Problematik häufig auch nicht bewusst. Klar, es gibt immer wieder Produkte, für die es halt mal kein quelloffenes Pendant gibt und die nur für ein System erhältlich sind. Die Dozierenden sollten sich dieser Problematik bewusst sein, und hier könnte die ID auch viel unternehmen.

    – Opensource: Mit FOSS kann die Abhängigkeit von einzelnen Monopolisten drastisch vermindert werden. FOSS erlaubt die Anpassung der SW an die Anforderungen der ETH, und auch andere Anwender dieser SW werden etwas davon haben. Mit dem Einsatz von FOSS werden finanzielle Mittel frei, die die ETH in die Weiterentwicklung von solchen Produkten investieren kann. FOSS hat durchwegs offene Schnittstellen und ist Plattformunabhängig.

    – Barrieren: Die Kosten für einen Systemwechsel werden oft als Barriere genannt. Hier muss die ETH über ihren Schatten springen und sagen: Ja, das wollen wir. Das Geld geht sonst einfach für Lizenzen hinaus, oder für den Wechsel von einem Office 2000 auf ein Office 2008. Je früher der Systemwechsel vollbracht wird, desto kostengünstiger ist er.

    ­- Und nochmals zurück zur Nutzerfreiheit: Ich plädiere dafür, dass alle Angehörigen der ETH auf dem System arbeiten, das Ihnen am liebsten ist. Sie müssen aber auch die freie Wahl haben, bei denen alle System gleich behandelt werden. Software über IDES muss für den Bezüger das kosten, was sie wirklich kostet. Computer werden entweder nackig ausgeliefert, oder mit einem vorinstallierten System der Wahl.
    Dass viele Studenten mit Windows arbeiten liegt meist daran, dass sie nichts anderes kennen (das ist ein Problem, das tiefer sitzt, da muss sich auch in den Schulen was ändern). Die Aufgabe der ID ist es hier zu sagen: „Leute, es gibt auch was anderes. Ihr seid jetzt an der ETH, hier arbeiten wir mit offenen Standards. Ihr müsst nicht teure Software kaufen für euer Studium und ihr bekommt auch volle Unterstützung, wenn ihr auf einem anderen OS arbeiten wollt“.

    Ich weiss, dass die ID diese Erwartungen erfüllen kann, und ich weiss auch, dass die Kosten keine Barriere sind wenn der Wille da ist.

    Mit freundlichen Grüssen
    Christoph Meier

  2. Weshalb ist Biogemüse teurer als Industriegemüse, Open Source SW hingegen billiger als Industrie-SW?

    äh, den Vergleich verstehe ich nicht… Was hat Gemüse mit Software zu tun? Und so wie die Frage gestellt wird, wird hier FOSS und Biogemüse auf der einen Seite proprietärer Software und Industriegemüse auf der anderen Seite gegenüber gestellt. Was bitte ist an FOSS öko? Sie verbraucht genausoviel Strom wie proprietäre SW…

    Warum wollen Leute mit Linux arbeiten, andere mit Mac und wieder andere mit Windows – und wollen sie das überhaupt?

    Menschen, die mit Linux oder Mac arbeiten sind meiner Meinung nach zum größten Teil Individualisten und dementsprechend wollen sie tatsächlich mit diesen Betriebsystemen arbeiten. Bei Windows-Benutzern würde ich vermuten, dass die Mehrheit der Benutzer in Schule, Ausbildung und Studium erfolgreich „angefixt“ wurden durch z.B. das kostenlose Windows bei IDES und ihnen oftmals gar nicht klar ist, dass es da noch etwas anderes gibt als Windows. Als Vista noch nicht allzu alt und wenig verbreitet war, wurde ich immer wieder gefragt, ob ich Vista habe, da mein Gnome-Desktop mit der 3D-Applikation compiz irgendwie so anders und so fancy aussah. In den Köpfen dieser Menschen existierte scheinbar nur der Unterschied xp oder Vista, manche wussten vielleicht noch, dass es einen Unterschied zwischen PC und Mac gibt, aber mein Laptop ist eindeutig als PC zu identifizieren. Ergo Windows?

    Was kann man (ID) da machen?

    Als erstes würde ich empfehlen, die Mitarbeiter des Helpdesks etwas mehr in Foss-Anwendungen und Linux-Support zu schulen, um der immer weiter wachsenden Zahl von Linux-Nutzern an der ETH nicht das Gefühl zu geben, der Helpdesk sei für ihre Probleme nicht zuständig (ist mir in der Vergangenheit leider schon passiert).
    Desweiteren wäre zu überlegen, ob es der Freiheit von Forschung und Lehre entspricht, dass man, will man die groupware der ETH nutzen, gezwungen ist, MS Outlook zu benutzen. Es gibt offene Lösungen, die jedem Nutzer die Freiheit geben, ein Programm zu nutzen, das ihm/ihr genehm ist. In vorherigen Kommentaren an anderer Stelle dieses Blogs gab es von Seiten der ID immer wieder das Argument, dass man niemanden zwingen könne, FOSS zu benutzen. Genauswenig kann man aber die Nutzer zwingen proprietäre SW zu nutzen, wie es leider zur Zeit aufgrund des MS Exchange-Server bei der groupware passiert.
    Dabei sollte es nicht darum gehen, die Nutzer zu missionieren, aber gerade erscheint mir die Situation an der ETH eher umgekehrt. Es wird eher daran gearbeitet, die Nutzer davon abzuhalten zu FOSS zu wechseln, denn der Support für solche „exotischen“ Wünsche wie scp (sic!) lässt eher zu wünschen übrig. Wenn der Helpdesk schon an solchen Problemen scheitert, dann entsteht doch tatsächlich der Eindruck, dass Linux-Anwender unerwünscht sind und das ist an einer Technischen Hochschule meiner Meinung ein Skandal.

  3. Wir haben gelernt:

    Die ETH ist heterogen und soll das bleiben.
    Die ID bindet sich mit MS Office und MS Exchange an Microsoft, mit FOSS kann diese Abhängigkeit vermindert werden.
    Das Nebeneinander von Linux, Mac und Windows in einer Professur funktioniert wunderbar.
    Die ID sollen einen barrierefreien Zugang zu den digitalen Services schaffen.

    Soweit sind wir ja alle einverstanden und das alles funktioniert ja sehr gut: Netzwerk, File-, Print-,Web-, sogar Mailservices sind barrierefrei nutzbar, deshalb sind die Leute in oben genannter Professur ja happy. Nur wenn sie „digital“ zusammen arbeiten wollen, dann beginnt es zu harzen: Dokumentenaustausch, Termine, Kollaborationsplattformen. Da muss man sich arrangieren. Offene Standards sind zwar offen, aber das hilft in der Multikulti-Umgebung nicht viel. Standards haben es so an sich, dass man sich darauf einigen muss, zu allem Übel nicht nur ETH-intern, sondern auch mit externen Forschungspartnern. Dies ist das eine Problem. Das Zweite ist die Verfügbarkeit einer barrierefreien FOSS-Lösung zur Ablösung von Exchange, welche nachweislich „Enterprise-tauglich“ sein muss. Sie muss nicht gratis sein, aber wir können es nicht selber Programmieren. Falls Gmail genannt werden sollte, dann bitte eine juristische Abklärung beilegen, ob dies legal wäre.

    Es bleiben noch meine offenen Fragen hier anders formuliert, welche sich auf hauptsächlich FOSS on the desktop beziehen: Sind da uneigennützige Entwickler am Werk oder stecken handfeste wirtschaftliche Interessen dahinter? Weshalb sind Dinge gratis?

  4. Bevor ich auf Roland Dietlichers Offene Fragen eingehe, möchte ich zu seinen „Learning Points“ etwas sagen:

    1) Die hochgehaltene Hetereogenität verträgt sich mit uneingeschränktem Datenaustausch nur sehr bedingt, wie er selbst ein paar Zeilen später andeutet. Deshalb verstehe ich die Aussage „Offene Standards…[helfen] in der Multikulti-Umgebung nicht viel.“ überhaupt nicht. Ich bin der komplett gegenteiligen Meinung: Das -einzige-, was in einer Multikulti-Umgebung überhaupt helfen kann, ist die Einigung auf offene Standards für den Austausch von Daten — über zwar den ganzen Multikulti-Programmhaufen hinweg. Und das ist auch keine freiwillige Übung, sondern eine Notwendigkeit um Multikulti überhaupt erlauben zu können — was wir ja alle wollen.

    Natürlich, auf offene Standards muss man sich einigen — intern wie extern. Nur dieses Problem existiert ja heute schon: Wieviele vers. Textverarbeitungsversionen und entsprechend Dokumentenformate und -versionen sind heute @ETHZ im Einsatz? Vermutlich mehr als Finger an einer Hand. Wenn aber Microsoft ab Mitte 2009 das ISO-zertifizierte OpenDocumentFormat unterstützen wird, spricht nichts dagegen, sich mit diesem Problem auseinanderzusetzen und eine Einigung auf dieses eine Dokumentenformat — das als einzige(!) Variante bereits heute auf allen MultiKulti-Plattformen an der ETHZ einsetzbar ist — anzustreben. Man muss es aber auch wollen. Im Stil von RD’s GMail-Statement: Falls ‚wir-sind-nicht-weisungsbefugt‘ genannt werden sollte, dann bitte eine kurze Erklärung beilegen, wer vor Jahren die MS-Exchange Entscheidung getroffen hat. Die SL hat wohl kaum diese Vorgabe gemacht, nehme ich an…

    Zukunft: Hat man sich einmal auf einen Austauschstandard geeinigt, ist es egal, wenn die vers. Dept’s und Institute an der ETHZ multikulti sind/bleiben. Dennoch ist es dann eine Überlegung wert, in der Verwaltung, die durch viel grössere Homogenität gekennzeichnet ist, auch die Plattformen auf eine offene zu vereinheitlichen. Aus Gründen, die Herr Dietlicher auch nannte: Abhängigkeit, Barrierefreiheit.

    2) Barrierefreie FOSS-Alternative zu MS-Exchange

    Ganz konkret: Wer aus den ID war letzte Woche an der http://www.openexpo.ch in Winterthur und hat sich über genau solche Lösungen systematisch informiert? Bitte um Handzeichen hier im Blog. Kann jemand aus den ID hier kurz bestätigen, ob es eine systematische Untersuchung gab/gibt zur potentiellen Ablösung von MS-Exchange durch eine FOSS-Variante und erläutern, was das Ergebnis dieser Untersuchung ist? Mögliche Produkte, die man evaluieren könnte, gibt es nämlich einige… ob sie geeignet sind, sieht man danach, aber ich vermisse einen Hinweis, auf eine ernstgemeinte Evaluation in den ID.

    3) Ich sehe nicht ganz den Zusammenhang von Herrn Dietlichers Offenen Fragen, die sich wesentlich auf „gratis“ zu beziehen scheinen. Zwei Fakten: FOSS-Entwickler werden von einer langen Reihe Motivationen angetrieben (ich habe in meiner Diss. 16 Faktoren identifiziert), wobei nur sehr wenige monetär sind. Gleichzeitig will jede Firma, FOSS oder nicht, Geld verdienen.

    So, und jetzt? Ich sehe kein Problem darin, wenn eine Firma, die mir eine FOSS-Lösung anbietet, dafür Geld erhält. Ich kaufe aber eben nicht die (regelmässig zu erneuernde) Erlaubnis, überhaupt die Software zu verwenden, sondern ich kaufe deren Know-How, Support und Hilfe, bei der Einrichtung der ansonsten frei verfügbaren Software. Ich habe eine viel grössere Flexibilität/Freiheit, Anbieter auszuwählen, weil ich mich eben nicht durch die Software an einen Anbieter binde.

    Die Frage „weshalb Dinge gratis sind“ ist in meinen Augen ziemlich polemisch. Es macht einen fundamentalen Unterschied, ob ich FOSS gratis bekomme oder proprietäre Software! „Gratis“ ist also überhaupt nicht das Hauptargument, sondern lenkt eher davon ab, um sich auf einem Nebenschauplatz trefflich über die unwichtigen Vorteile von gratis zu streiten. Lizenzkosten sind bei IT-Projekten meist nicht der grösste Posten, oder?

    Wichtig dagegen sind: Möglichst hohe, technische Unabhängigkeit der Infrastruktur innerhalb einer Grossorganisation wie der ETHZ. Möglichst hohe, finanzielle/administrative Unabhängigkeit in der Wahl des eingekauften Supports. Und im Zweifelsfall, die nicht wegnehmbare Autonomie, Probleme selbst lösen zu können, wenn man will/es für notwendig hält. DAS spricht für offene Lösungen.

    Soviel Freiheit bringt mehr Verantwortung mit sich: Während man bei Problemen mit eingekauften proprietären Lösungen dem Anbieter den schwarzen Peter hinschiebn kann, ist das bei offenen Lösungen etwas unglaubwürdiger, weil man ja theoretisch die Möglichkeit hätte, mehr eigenes Know-How aufzubauen.

    Womit ich bei meinen offenen Fragen wäre: Über wieviel Know-how verfügen die ID heute im Bereich offene Software & Standards? Wie systematisch wird diese Know-how intern aufgebaut? Ist solch ein Aufbau überhaupt ein Ziel?

  5. „Netzwerk, File-, Print-,Web-, sogar Mailservices sind barrierefrei nutzbar,“

    Das stimmt so leider nicht ganz. Haben Sie sich schonmal die Webinterface vom Outlook Web Access unter einem anderen Browser als Internet Explorer angeschaut?!? Natürlich kann man seine Mails lesen, aber so grundlegende Funktionen wie „Suche“ gibt es unter z.B. Firefox nicht. Und zwar, weil sich MS ganz einfach nicht an Standards hält.

    Und deshalb verstehe ich, ebenso wie Marcus Dapp, nicht, warum man in einer Multikulti-Umgebung Standards nicht viel helfen.
    Egal worauf man Multikulti bezieht, um in einer Gesellschaft in Vielfalt zu leben, benötigt man Standards. Allerdings dürfen diese Standards nicht nur von einer Person festgelegt werden (das wäre Diktatur) und noch viel weniger darf es sein, dass man die Standards über trial-and-error herausfinden muss (das wäre Willkür).

  6. Dasselbe sehe ich am Dep. Architkektur, wo sich Mac und Windows etwa die Waage halten. Bereits dort wird es extrem mühsam, Daten auszutauschen, vor allem, wenn die Leute nur wenig Ahnung von der Benutzung der Software haben. So kann ich mit dem Windows nun mal keine Pagesdokumente öffnen. Der Export als doc oder ähnliches funktioniert zwar, doch muss dieser explizit angewählt werden. Warum ist es nicht möglich, standartmässig z.B. als rtf zu speichern? Da muss man jedesmal nachhaken und sagen, das man Windowsuser ist, bitte schickt mir das Dokument anders abgespeichert. Hoffen wir, dass sich dann wie angekündigt nächstes Jahr mit dem ODF etwas ändert.

    Über die Problematik von IE und dem Rest wollen wir gar nicht anfangen, die Foren sind ja bereits voll davon. Obwohl ich unter Firefox auch die Möglichkeit „als ungelesen markieren“ vermisse im Outlook Mail Access.

    Und mich würde auch interessieren, was die ID zu Marcus Fragen zu sagen hat.

  7. Zitat Roland Dietlicher: „Standards haben es so an sich, dass man sich darauf einigen muss, zu allem Übel nicht nur ETH-intern, sondern auch mit externen Forschungspartnern. “

    Und irgendwer müsste ja den Anfang machen mit den Standards. Und da wäre ja die Eth prädestiniert: Hier werden Leute ausgebildet und denen man die Nutzung der Standards mitgeben könnte ins spätere Leben. Des weiteren sehe ich nicht ein, wieso sich die ETH an externe Forschungspartner anpassen muss. Schliesslich ist sie eine der grössten Forschungsinstitute der Schweiz und wenn die ETH einen Standard einführen würde, könnte sich auch der Rest anpassen.
    Aber man muss eben wollen, nur sagen, das es schön wäre und das man an Traditionen nichts ändern kann, bringt nichts…

  8. Offene „Standards“ helfen genauso wenig wie „Industriestandards“, weil beide nur dem Namen nach Standards sind. Im Hier und Jetzt, in der real existierenden Welt, Mathias bemerkt das richtig, gibt es KEINE Standards für den Dokumentenaustausch. Sonst gibt es zum Glück jede Menge Standards, sonst könnten wir hier nicht kommunizieren. Bleiben wir deshalb bei der Frage Dokumentenstandards, „Office-Applikationen“ und Open Source on the Desktop. Die ID hat KEINERLEI Möglichkeit regulierend einzugreifen; in keiner Art und Weise, vgl. Matthias zum Dept. Architektur. Ich habe vor einiger Zeit in illustrer Runde, als es um die ICT Stratgie der ETH ging, angeregt, OpenOffice als Standard an der ETH zu erklären. Es gab sofort tausend Gründe dagegen. Soetwas ist nicht mal als Dekret der Schulleitung durchsetzbar.

    Romantiker und Idealisten verbessern die Welt. In diesem Bereich werden es aber wohl eher die Marktkräfte sein (siehe die Bemerkung von Marcus zur geplanten Unterstützung des OpenDocument-Formates durch Microsoft).

    @Marcus: Die Wahl von Exchange war eine pragmatische Entscheidung zugunsten der Unterstützung von Standard-Protokollen UND spezifischem Mehrwert für eine grosse Community, von welcher verlangt wird, dass sie effizient zusammenarbeiten: den Infrastrukturbereichen der ETH. Dazu brauchten wir die Schulleitung nicht. Es muss einfach sehr gut funktionieren. Und das tut es. Dies beweisen Tausende von zufriedenen Kunden. Ich habe bisher kein OpenSource-Produkt mit einer Referenz gefunden, welche nur halbwegs mit der ETH vergleichbar wäre. Hinweise nehme ich gerne entgegen.

    @Marcus: OpenSource on the desktop ist bei den ID ein Thema wie bei Windows: Wir betreiben eine Infrastruktur, welche die automatische Installation von Redhat-Desktops erlaubt. Wir betreiben Windows- und Linux-Computerräume. Applikationssupport gibt es in beiden Fällen nur auf gut Glück (kein Auftrag), und dieses Glück ist vermutlich bei Windowsfragen grösser als bei Linuxfragen, weil bei ersteren mehr Kunden vorhanden sind.
    UND: OpenSource im Serverbereich ist bei uns eine Selbstverständlichkeit.

  9. Finde ich gut, wenn wir hier im Blog zum Du wechseln. (Roland, wir kennen uns eigentlich eh, ich war vor ca. 100 Jahren als Studi mal „First-Level Supporter“ in den HG Computerräumen… :-)

    Also, dass es „KEINE Standards für den Dokumentenaustausch“ gibt, stimmt nicht. Es gibt sogar 2.5. Einen ersten, geschlossenen, der sehr verbreitet ist (DOC). Und einen offenen, der sogar ISO-zertifiziert ist und dessen Verbreitung vermutlich bereits an zweiter Stelle steht (OpenDocument). Und dann noch einen halben, der weder offen, noch ein Standard ist (OOXML). Tut mir leid, dass Rolands Vorstoss, OO.org — die erste Office-Applikation die den o.g. offenen Standard unterstützt und gerade frisch herausgekommen ist — an der ETHZ als Standard einzuführen gleich zerschossen wurde. Ist aber auch klar: Warum hast Du nicht vorgeschlagen, dass das o.g. offene Dokumentenformat, das auch gerade in einer neuen Version verfügbar wurde, als ETH-weiter Standard bis 2010 etabliert wird? Dafür gibt es noch viel mehr Argumente als für OO.org.

    „Romantiker und Idealisten verändern die Welt.“ — Ein weiser Satz. Open Source Software ist da vermutlich sogar das beste Beispiel, wo Idealisten in nur wenigen Dekaden eine Industrie völlig verändern. Die Welt braucht noch mehr von diesen Idealisten und Romantikern. :-)

    @Roland: War Dein OO.org-Vorstoss mehr romantisch/idealistisch oder mehr pragmatisch motiviert? Das ist durchaus eine ernstgemeinte Frage.

    Und wegen „exchange“ als pragmatische Entscheidung. — Angenommen Du/die ID würden heute eine Kommunikationslösung einführen, die Kalender-Sharing, groupware, etc. für die ETH-Community zur Verfügung stellt, würde die pragmatische Entscheidung tatsächlich wieder Exchange lauten? Ich glaube, damals gab es einfach keine Alternative zu Exchange; ok. Heute gibt es sie aber. Der Hauptgrund sich damit jetzt zu beschäftigen, ist aber nicht, weil man dann ein paar Lizenzkosten spart. Das ist die kurzfristige Sicht. Langfristig will man weiteren Abhängigkeiten, wie z.B. SharePoint-Servern, aus dem Weg gehen. Oder will die ID das nicht? Hier also ein paar gratis! Hinweise, was man sich mal anschauen könnte: Zimbra oder open-xchange oder EgroupWare oder Scalix oder opengroupware.org oder Group-e und dann gibt es noch ein paar andere… Würde -keines- davon die vielen Kunden zufrieden stellen? Und zwar alle und nicht nur die bei Windows? Als Kunde sage ich: Browser-basiertes Outlook ist &%$§ unter einem nicht-Windows-System. Und ich bin ja schon nicht alleine damit…

    Du schreibst, Du hast noch keine Referenz gesehen, die mit der ETHZ vergleichbar wäre. Wie war es denn damals mit Exhcange? Nachdem was ich weiss, war die ETHZ damals ein Versuchskaninchen, weil MS selbst noch niemals zuvor so eine grosse Exchange-Installation machte — und man der ETHZ dafür beim Preis entgegenkam… Kann schon sein, dass man damals insgesamt schlechte Erfahrungen machte und deshalb vorsichtig ist, aber ein gutes Argument ist es dennoch nicht.

    Stimmt, die ID betreiben auch Linux-Räume. Nur bis vor kurzem waren sie nicht brauchbar. Bitte korrigiert mich, falls meine Info dazu nicht mehr aktuell ist, aber ich habe von Studis gehört, dass die Linux-Rechner in einem so schlechten Zustand waren, dass man nciht arbeiten konnte — und das haben mir Studis erzählt, die Linux nicht zum ersten Mal gesehen hatten.

    Support: Mal ehrlich, es sollte ja schon nicht ein Glücksspiel sein, ob man bei der ID (guten) Support bekommt oder nicht?! Und ist Glück, eine Antwort auf Fragen zu bekommen, nicht primär vom Antwortenden abhängig und nicht wieviele Leute eine Frage haben? — Ich fände es stünde den ID besser zu Gesicht, einfach sagen zu können: „Ja stimmt, unser eigenes Know-how in den drei Desktop-OS ist nicht gleichwertig.“ Verlangt auch niemand. Aber was durchaus hinterfragt werden kann ist, ob die ID Kapazitäten dahingehend aufbaut – oder eben nicht. Das ist eine Managemententscheidung die in der ureigensten Kompetenz der ID liegt. Dafür braucht es kein Dekret der SL.

    So, und jetzt schliess ich mich gerne Matthias an, der darum bat, dass doch die Fragen zur Haltung und strategischen Richtung der ID beantwortet werden. Was hat die ID im Themenfeld Open Standards/Open Source in den nächsten 3-5 Jahren vor? Das wäre eine -sehr- interessante Antwort…

    PS. Klar, ist bei Euch FOSS im Serverbereich selbstverständlich. Alles andere, wäre extrem unpragmatisch. ;-)

  10. Wie gehts jetzt weiter. Die ID hat gefragt, was sie zum Thema Open Source machen soll, was wird sie jetzt machen?
    Herr Dietlicher, mich interessiert, was konkret läuft bei der ID bezüglich Open Source und offene Standards.
    Gibt es bei der ID eine Strategie und konkrete Ziele?

    Mit freundlichen Grüssen
    Christoph Meier

  11. Der Thread scheint wohl gestorben. Liebe ID-Leute, die Diskussion ist wichtig!! Herr Dietlicher, Sie haben gefragt und Antworten bekommen. Jetzt erwarten wir auch Antworten auf unsere Fragen.

    Mit freundlichen Grüssen
    Christoph Meier

  12. Also gut, ich bin noch da. Leider interessieren sich offenbar nur ein paar wenige für das Thema. Das wirkt sich negativ auf meine Motivation etwas zu schreiben aus. Aber beginnen wir mit MS-Exchange:
    Wir haben ein für alle sehr gut funktionierendes Mailsystem (und mit sehr gut, meine ich sehr gut!) und ein für viele sehr gutes Kalender-System, welches leider für einige nur befriedigend ist. Wenn ich nun Exchange ablösen will, bin ich in einer ganz anderen Lage als vor acht Jahren, wo ich das nicht hatte. Deshalb komme ich heute niemals auf die Idee, ein Produkt einzusetzen, welches sich nicht in einem ähnlichen Umfeld voll bewährt hat. Insofern wurde eine meiner Fragen nicht beantwortet. Trotzdem habe ich mal Google angefragt, was sie so zu Open Source Mail/Calendar-Systemen haben und wer das einsetzt. Ich habe keine handfeste Referenz gefunden. Ich warte also noch ein wenig auf Eure Hinweise.
    Linuxräume: Wir betreiben Linuxräume mit aktuellen Versionen und Marcus hat recht, es gab da mal eine Durststrecke, aber die ist vorbei. Heute haben wir überall Dualboot-Systeme auf lautstarken Wunsch der Linux-Gemeinde. Dreimal darf man raten, welches OS denn nun meistens auf diesen Maschinen läuft. Der Wunsch nach reinen Linuxräumen kommt bestimmt.
    Die Fragen von Christoph habe ich schon beantwortet: Ja wir nutzen Open Source und werden dies auch weiterhin tun. Und wir verwenden auch alle offenen Standards, die es gibt. Das ist unsere Strategie. Aktuell evaluieren wir konkret ein Open Source Trouble Ticket System.
    Oder habe ich etwas falsch verstanden??

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