tag 5 an der www2011: goodbye hyderabad, bonjour lyon

der letzte tag der web-konferenz war sehr akademisch, es gab viele vorträge, die stark spezialisiert und manchmal doch auch recht theoretischer natur waren.
ein beliebtes thema war die optimierung von suchmaschinen. da gab es beispielsweise einen vortrag zum thema, wie man nach der eingabe des ersten buchstabens die vorgeschlagenen suchbegriffe optimieren könnte. ein anderer vortrag befasste sich mit der optimierung der vorgeschlagenen suchbegriffe bei der eingabe nicht-eindeutiger worte wie „apple“.

sehr interessant fand ich die untersuchung, wie vertreterInnen unterschiedlicher altersgruppen auf sogenannte Web 2.0 webauftritte reagieren. über die bewegung der augen wurde gemessen, wie stark eine person beim betrachten der webseite gestresst wurde. dabei zeigte sich, dass ältere personen auf viel bewegung und zahlreiche multimedia-elemente stark gestresst reagieren. jüngere personen reagierten nur in einem fall gestresst, nämlich als bei der Google-suche die autocomplete-funktion abgeschaltet wurde und man plötzlich wieder die ganzen suchbegriffe eingeben mussten. übrigens wurde die limite, ab welchem alter man als „ältere person“ bezeichnet wird, von 50 auf 55 jahre angehoben, was mir als 53-jähriger natürlich sehr gefiel. wenn diese entwicklung anhält, könnte ich bis zu meiner pensionierung in der gruppe der „jüngeren personen“ verbleiben. eigentlich scheint mir das alter aber sowieso ein ungeeignetes unterscheidungskriterium. sinnvoller wäre meines erachtens eine unterscheidung zwischen im umgang mit computer und internet gewohnte personen und neueinsteiger. vermutlich korreliert zwar der prozentuale anteil der neueinsteiger mit dem alter und es ist auch unbestritten, dass sich jüngere personen grundsätzlich weniger schwer tun, weil sie mit viel weniger hemmungen einfach ausprobieren. aber auch ältere, erfahrene computerbenutzerInnen haben diese hemmungen nicht. dass dinge, die für im umgang mit computer gewohnte personen – man müsste dafür einen guten begriff erfinden – für anfänger manchmal fast unüberwindliche hindernisse darstellen, erlebe ich immer wieder bei meinem vater. er hat sich vor gut einem jahr nach dem tod meiner mutter einen lang gehegten traum erfüllt und im alter von 81 jahren seinen ersten computer gekauft, inklusive drucker und internet-zugang. anfangs hatte er sich zum beispiel im umgang mit der maus sehr schwer getan. die maustaste zu drücken ohne die maus zu verschieben war fast unmöglich. auf der startseite seiner wohngemeinde (www.ruemlang.ch) gibt es dynamische untermenus, d.h. wenn man die maus auf einen begriff im hauptmenu bewegt, geht seitlich verschoben ein untermenu auf. um zum inhalt eines untermenus zu gelangen, muss man die maus innerhalb des 20 pixel hohen balkens seitlich verschieben und dann darauf klicken. verlässt der mauspfeil diesen balken, verschwindet das untermenu. in den ersten wochen war es für meinen vater unmöglich, die maus so präziese zu verschieben, dass er einen punkt im untermenu anwählen konnte. wie sprach- und braillereader damit umgehen können, ist eine andere geschichte. mit solchen techniken baut man barrieren ein, wo keine sein müssten.

bei der evaluierung eines webauftrittes bezüglich accessibility wurde in einer anderen untersuchung mit personas gearbeitet, so wie es im rahmen des ETH Web-relaunch im teilprojekt „weborganisation“ auch gemacht wurde. während jedoch bei uns personas mit unterschiedlichen interessen ausgestattet wurden, wurden bei dieser untersuchung die personas mit unterschiedlichen fähigkeiten bzw. behinderungen versehen. dies scheint mir ein sehr tauglicher ansatz zu sein und sollte meiner meinung nach in unseren teilprojekten ebenfalls zur anwendung kommen.

mit diesem eintrag geht meine berichterstattung aus hyderabad zu ende. zur zeit sitze ich im flughafen und warte auf das boarding für den heimflug. nächstes jahr findet die konferenz schon fast vor unserer haustüre statt, nämlich in lyon, frankreich. vielleicht trägt dieser umstand dazu bei, dass die ETH zürich an der www2012 (16.-20. april 2012) mit mehr als einer person vertreten sein wird, was aus meiner sicht sehr wünschenswert wäre.

reto ambühler, www2011 @ hyderabad, indien

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