tag 2 an der WWW2011: a11y zum zweiten

wie im blog-eintrag von gestern bereits erwähnt, besuchte ich auch heute die vortragsreihe zum thema a11y.  dabei wurden unter anderem zwei von google und neun von microsoft gesponsorte papers präsentiert, alle sehr interessant und lehrreich.

als erstes erwähnen möchte ich einen vortag einer dame aus australien. ähnlich wie in der schweiz (und vielen anderen ländern), hat die regierung in down under beschlossen, dass alle staatlichen websites bis zu einem gewissen datum den Web Content Accessibility Guidelines (WCAG) 2.0 stufe AA entsprechen müssen. im vorgestellten projekt ging es darum, die umstellung zu verfolgen und am stichtag die einhaltung der guidelines zu überprüfen. auch hier kommt eine kombination von automatisierten evaluationen und manuellen überpüfungen zum zug. besonders interessant scheint mir die aussage, dass dabei nicht die homepage angeschaut wird, weil die am ehesten entsprechend gestaltet wird, sondern es werden 25 webseiten zufällig ausgewählt, wobei diese mindestens 3 klicks von der homepage entfernt sein müssen. damit wird sichergestellt, dass nicht nur die start- und die ersten folgeseiten dem a11y-standard entsprechen, sondern eben die ganze site.

interessant scheint mir auch der umstand, dass man an zwei enden versuchen kann, möglichst grosse zugänglichkeit zu erreichen: zum einen auf der seite der anbieter, in dem man eben barrierefreie webauftritt erstellt. aber auch auf der client-seite, in dem man versucht, nicht zugängliche seiten so zu manipulieren, dass der inhalt zumindest teilweise beispielsweise von einem braille- oder screenreader wiedergegeben werden kann. letzteres ist zwar eher ein akt der verzweiflung, aber letztlich als besucher die einzige möglichkeit, den inhalt zu beeinflussen. entsprechend wurden verschiedene plugins vorgestellt, welche dem besucher helfen, den inhalt nicht oder schwer zugänglicher seiten doch irgendwie erreichbar zu machen.

ganz besonders gefallen hat mir aber ein vortrag aus spanien – dieser wurde von den besucherInnen auch als bester beitrag ausgewählt. es wurde ein system vorgestellt, welches vorlesungen an der universität in realtime in text übersetzt und diesen an verschiedenen ausgabegeräten anzeigen kann. als clients kommen smartphones, iPads, tablets und computer in frage. entwickelt wurde das system für studierende mit hörbehinderungen. sie können so nicht nur den ausführungen der dozenten folgen, es werden auch die fragen und kommentare der zuhörerInnen angezeigt. und da menschen mit hörbehinderungen oft auch nicht gut sprechen können, haben sie die möglichkeit, via tastatur fragen zu stellen, diesen werden dann über lautsprecher in den hörsaal übertragen. das system selbst wurde in die cloud ausgelagert, damit wird eine ortsunabhängigkeit erreicht, so dass letztlich nicht nur studierende mit hörproblemen profitieren können, sondern auch alle studierenden, die nicht im hörsaal sein können. ebenfalls vorgestellt wurde ein system, welches texte simultan übersetzt. als ein- und ausgabe ist sprache oder text möglich, im moment stehen 49 sprachen zur auswahl. diese beiden vorträge wurden unmittelbar nacheinander gehalten, dabei kam sofort die idee auf, die beiden systeme zu kombinieren, d.h. ein in englisch gehaltener vortrag könnte damit gerade in spanisch als text wiedergegeben werden. ich sehe da für unsere sektion MMS ein riesiges potential von möglichkeiten – und frage mich gleichzeitig, wie die ETHZ wohl mit gehörlosen studierenden umgeht ?

übrigens hatte ich letzte woche an einem workshop vorgeschlagen, bei der auswahl des neuen WCMS auch darauf zu achten, dass dieses nicht nur zugängliche webinhalte erstellt – dies hat sowieso wenig mit dem WCMS selbst und viel mehr mit der struktur und dem design der seiten zu tun, sondern das WCMS selbst sollte möglichst zugänglich sein, damit auch personen mit behinderungen inhalte pflegen können. dieser vorschlag ist nach meinem empfinden weitgehend auf unverständnis gestossen – umsomehr habe ich mich heute gefreut, als genau diese forderung gestellt wurde. es wurde ausgesagt, dass jede fünfte person in irgend einer form ein handicap habe und dass jede firma oder institution mit mehr als 5 angestellten doch darauf achten soll, dass auch ihr WCMS möglichst barrierefrei sei. das macht es natürlich nicht einfacher, ein solches system zu finden, zeigt aber, dass der gedanke nicht ganz so abwägig war.

reto ambühler, www2011 @ hyderabad, indien

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