Digitale Trends 2025

Bericht vom Symposium Digitale Trends 2025 – Entwicklungen in der akademischen Bildung

Webseite: https://www.kit.edu/kit/17485.php

Hintergrund

Das KIT (Karlsruher Institut für Technologie) lud am 15. Oktober 2015 zu dem Symposium „Digitale Trends 2025 – Entwicklungen in der akademischen Bildung“ ein. Organisiert wurde die Tagung vom kürzlich gegründeten ZML (Zentrum für Mediales Lernen).Gidion_IMG_1015

“Das ZML führt derzeit gemeinsam mit der Universität Stuttgart die Studie Mediale Hochschulperspektiven 2020 in Baden-Württemberg durch. Sie befasst sich mit aktuell relevanten Themen medialen Lehrens und Lernens in der akademischen Bildung und wird im Herbst abgeschlossen sein. Aus diesem Anlass veranstaltet das ZML ein Symposium zum Thema Digitale Trends 2025 – Entwicklungen in der akademischen Bildung. Das Symposium liefert Ergebnisse der Studie und beschäftigt sich mit Entwicklungstrends digitaler Anwendungen im Hochschulbereich.“ (aus dem Ausschreibungstext).

Ergebnisse

Insgesamt 9 relevante Trends konnten in dieser Studie identifiziert werden:

  1. Integrierte IT-Systeme: das zukünftige System erfasst und offeriert sämtliche digitalen Daten, welche das Studium betreffen. Als Ziel wird eine Vernetzung bzw. Integration von Campus-Management und Learning Management Systemen gesehen.   Relevanz: Rollen und Prozesse müssen für das elektronische System klar definiert werden, was wiederum Einfluss auf die realen Abläufe hat.
  2. Blended Learning als Standard: Hohe Durchmischung elektronischer Lerninhalte mit klassischen Lernsettings aufgrund geänderter Gewohnheiten und Ausstattungen (cloud computing, hyper targeting, internet of things). Relevanz: Bedarf an den Lehrenden ausgerichtet.
  3. Internetbasierte Lehre: prägt die digitalen Märkte der akademischen Bildung. Relevanz: MOOCs.
  4. Student Life Cycle: Dokumentation des individuellen Bildungsverlaufs, nicht auf das Studium beschränkt (Brückenkurse, Weiterbildung). Relevanz: ePortfolios.
  5. Selbstorganisation im Studium: kooperatives und selbstorganisiertes Lernen in digitalen Umgebungen. Relevanz: Austausch (sharing) von Wissen ermöglichen (analog zu Uber, AirBnB).
  6. Forschungsorientierte Lehre: mediale Verknüpfung von Theorie und Praxis in Wissenschaftlichen Laborlandschaften. Relevanz: Ortsunabhängigkeit.
  7. Sprachtransfer: Lecture Translator (Projekt am KIT). Relevanz: Einbezug der Nutzer bei Übersetzungen.
  8. Digitalisiertes Wissen: On-demand Aufbereitung wissenschaftlicher Inhalte (bwSync&Share, Projekt am KIT). Relevanz: wissenschaftliche Kooperation.
  9. Learning Analytics. Relevanz: Datenschutz

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Die Trends (1) bis (3) sind zum jetzigen Zeitpunkt bereits weit fortgeschritten, (4) bis (6) befinden sich in der Entwicklungsphase, (7) und (8) sind spezifisch für das KIT und mit entsprechenden Projekten verknüpft. Trend (9) bedarf einer vertieften Diskussion im Rahmen der (in Deutschland) geltenden Datenschutzbestimmungen.

Nach der Vorstellung dieser Trends durch den Leiter des ZML, Gerd Gidion, folgten Referate zum aktuellen Status von Akteuren aus Wirtschaft und Bildung. Wirklich neue Einsichten brachte jedoch keiner der Vortragenden und die von den Referenten geäusserten Entwicklungstendenzen waren dann auch sehr subjektiver und persönlicher Natur.

Vortraege_IMG_1029Einige Vorträge sind unter folgendem Link  als Video verfügbar:
http://www.zml.kit.edu/nachlese-digitale-trends-2025.php

Fazit

Der im Symposium gelieferte Ausblick auf das Jahr 2025 bot jetzt keine Überraschungen und deckt sich zum Teil mit kurzfristigeren Voraussagen, wie jenen etwa aus dem NMC Horizon Report. In der Diskussion wurde dann auch die Frage nach zu Zulänglichkeit solcher Prognosen gestellt. Immerhin gehen sämtliche Prognosen davon aus, dass die organisationale Einheit (Hochschule) keiner Entwicklung unterliegt. Dass unser Verständnis von Hochschule variiert und doch sehr stark durch digitale Entwicklungen beeinflusst werden kann, hat sich z.B. mit der Diskussion zu MOOCs gezeigt. Zunehmend werden die beiden Standpfeiler Lehre und Leistungskontrolle jetzt ausgelagert. Beides Entwicklungen, die vor zehn Jahren noch undenkbar waren. Laut Kommentar einer Teilnehmerin sind die im Symposium vorgestellten Trends daher zu kurz gefasst und man sollte die viel weitreichenderen institutionellen Folgen einer zunehmenden Digitalisierung in der akademischen Bildung nicht ausblenden.

Randbemerkungen

  • An der RWTH leitet Marcus Gerards die zentralen Einheit „Medien für die Lehre“, welche Blended Learning und Flipped Classroom erfolgreich unterstützt und ausbaut. Insbesondere praktiziert die RWTH ein Leistungskontrollsystem, in dem Studierende während des Semester 0.3-0.4 Notenpunkte an die Leistungskontrolle am Semesterende erarbeiten können. Dies unterstütze das kontinuierliche und nachhaltige Lernen. Die RWTH sieht in der vermuteten Kollaboration der Studierenden während des Semesters einen Lern-Mehrgewinn. Ein Blick nach Aachen wäre sicher auch für die ETH von Gewinn.
  • Fabian Schumann (iversity) bot einen interessanten Einblick in die erforderlichen Zeitaufwendungen bei der Erstellung eines MOOC. Dabei werden knapp 75% der benötigten Zeitressourcen für Videoproduktion und Medienerstellung aufgebraucht. Für didaktische (Instructional Design) und inhaltliche (Instructor) Aufbereitung bleiben lediglich 25% übrig. Dieses Verhältnis steht invers zum Aufgebot für Präsenzveranstaltungen und wirft daher einige Fragen bezüglich der Lehrintention auf.

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