Kreide am Paradeplatz

Angekreidet. Saubere Sache. Viele Wünsche gingen in Erfüllung. Wer träumt nicht einmal davon, am Paradeplatz gearbeitet zu haben – und das, wie es sich gehört, am Rande der Legalität? Kapitalation kratzt an Kapital und Kapitulation – ein neuer Kapiteltitel. Was heisst das, wenn 400 kreative Kreidemaler sich via Facebook organisieren? Nichts. Vielleicht ein bisschen Arbeitsbeschaffung für den ERZ – der sich ahnscheinend für besser hält, als der nächste Regen. Der übereifrige Zürcher Amtschimmel wäre ja ein ERZ-Bünzli, wenn er das kostenpflichtig machen würde. Andere Städte wie Luzern und Basel kämpfen da mit echteren Auswüchsen (Fasnacht), zwischen CS und UBS ist es ja nur ein Sprüngli weit. Der Paradeplatz, das teuerste Pflaster im Monopoly, hat einfach merhfach an Wert gewonnen. Schade, dass ich das erst heute erfahre. Neidisch. Die YouTube Doku ist ein kleiner Trost.

The Firm Exhibits

Letzten Freitag, da war ich mit einer Freundin aus Genf in Zürich. Und wenn sie schon mal da ist, dann hat sie einen Plan. Erster Punkt war eben die Vernissage der Schmuck.Inc. und die Schmuck.Inc. ist ein Kollektiv. Ein Künstlerkollektiv an exquisiter Adresse. Strehlgasse 26. Finance and Luxury ist surrounding. Das Konzept passend: Ein Konzern mit Departementen. Sales and Trade (S&T), Corporate Social Responsability (CSR) und Research and Development (R&D). Sehr geil sind hackige Bitnik. Stell Dir vor, Du gehst die Bahnhofstrasse entlang, und alles was Du siehst, ist allein das Bild der nächst-installierten Überwachungskamera. Objektivste Meta-Pose. Und jetzt kommts: Es ist möglich. Da die Überwachungskameras sehr oft wireless übertragen, können deren Signaldaten gekapert werden. Statisches Hoovern ist Realität und heisst Sousvillance.

Ceterum Censeo Turicum Esse Delendam | Und übrigens bin ich der Meinung, dass Zürich zerstört werden sollte | “Luäg, das isch sLandesmuseum.” “Aber Mami, das isch doch äs Schloss?”

Corine Mauch. Was tut die? Kann Corine nicht mal den Schliff des Landesmuseums beauftragen? Fort mit diesem Pseudoschloss. Ich biete mich an, um die Sprengung zu dokumentieren. Schon als kleiner Bueb hatte ich mich gefragt, was ein Schloss neben dem Bahnhof soll? Ein Schloss gehörte für mich auf einen Berg. Strategisch, wegen den Kanonen natürlich. Ja, das ist mir eben schon in ganz jungen Jahren aufgefallen. Und seit dem ich weiss, dass es lediglich ein Schlossreplikat ist, seit dem wünschte ich mir das Unding fort. Statt dessen gehörte ein richtiger architektonischer Wurf hin. Es kann ja nicht sein, dass man eine Erinnerung an die Idiotie des Nachbauens eines Schlosses in echtem Stein erhaltet. Zuerst lassen wir uns von den Architekturstudenten ein Modell anfertigen (wer schaffts in nur einer Nacht?), dann setzen wir den Sprengsatz (wie versprochen, ich films), dann machen wir den “Läck Bobi Böög Knal” und dann, tja dann erigieren wir ein richtiges Landes Museum, das den Namen verdient. Was ist?