ETH-Klimablog - Klimaforschung - Die Schweizer Gletscher schmelzen

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Die Schweizer Gletscher schmelzen

01.02.2010 von

Ob in den Medien oder bei öffentlichen Veranstaltungen: Wenn es um die Klimaänderung geht, wird auch die Frage nach der Zukunft der Gletscher gestellt. Oder das schöne Foto eines Alpengletschers dient zur Illustration.

Was hat es auf sich mit Klimawandel und Gletschern?

Gletscher reagieren sichtbar auf die Klimaänderung

Tatsächlich reagieren Gletscher schon auf kleine Änderungen des Klimas mit sichtbaren Änderungen. Insbesondere Temperaturänderungen während der Zeit der jährlichen Schmelze wirken sich aus. Am stärksten sichtbar sind die Auswirkungen im Bereich der Gletscherzunge: Die Höhe der Gletscheroberfläche ändert sich, was entweder zu einem Rückzug oder einem Vorstoss der Gletscherfront führt. In den Schweizer Alpen haben sich alle Gletscher seit ihrem Höchststand in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts beträchtlich zurückgezogen. In allen Szenarien für künftige Klimaänderungen rechnen die Wissenschaftler mit einem weiteren Rückgang. In den nächsten ein- bis zweihundert Jahren werden fast alle Gletscher verschwinden, die unter 3500 Metern Höhe über Meer liegen.

Simulationen der Entwicklung von Rhone- und Aletschgletscher

Wissenschaftler haben anhand einer neuen numerischen Simulation die gerechnete Entwicklung des Rhonegletschers in den letzten 150 Jahren mit kartierten Gletscherständen verglichen und die Entwicklung im jetzigen Jahrhundert vorausgerechnet. Das daraus resultierende Klimaszenarium entspricht einem mittleren Szenarium des IPCC mit einer Erhöhung der Sommertemperatur um zirka vier Grad Celsius und einer Abnahme der Schneemenge um etwa 5% bis 2100 im Winter. Die Abbildungen zeigen die beobachteten Stände des Rhonegletscher um 1874, den heutigen Stand und die gerechneten Stände um 2050, 2075 und 2100. Im 2100 wird der Rhonegletscher bis auf kleine Reste geschrumpft sein. Eine neuere Berechnung des Aletschgletschers zeigt das gleiche Verhalten mit einer etwas längeren Zeitskala.


Kleinere Gletscher reagieren schneller

Kleinere Gletscher reagieren schneller auf Klimaänderungen und werden in tieferen Lagen in wenigen Jahrzehnten verschwunden sein. Selbst wenn das Klima im Mittel gleich bleibt wie im den letzten 20 Jahren, würde der Rhonegletscher noch substantiell schrumpfen. Und kleinere Gletscher, die vollständig unterhalb 3000 Metern liegen, würden in einigen Jahrzehnten ganz verschwinden.

Schwindende Gletscher sind nicht problemlos. Sie können schwerwiegende Auswirkungen haben. Alpen ohne Gletscher werden zudem sicher auch einen Teil ihrer touristischen Attraktion verlieren. Da ist es ein kleiner Trost, dass der Rhonegletscher einen kleinen See hinterlässt in der Gegend der heutigen Gletscherzunge beim Furka Bellvedere.

Übrigens: Wer sich für Animationen zu den Modellläufen interessiert oder weitergehende Materialien zum Thema herunterladen möchte, findet Informationen unter dem folgenden Link: http://iacs.epfl.ch/~jouvet/

Zum Autor:

Heinz Blatter ist Professor für Kryosphärenmodellierung an der ETH Zürich. Persönliches Zitat und Biografie
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Kommentare (4) >Alle Kommentare aufklappen>Alle Kommentare zuklappen

@Martin Holzherr

Proxies sind, wie der Name sagt, Näherungen für eine andere Aussage, und sind immer mit einer Unsicherheit behaftet. Gletscher können als eine Art Proxi für Klimaaussagen betrachtet werden, allerdings nicht eine einfache. Jede Art Proxi für sich allein genommen ist immer weniger sicher als die Gesamtheit der bekannten Proxies, die zusammen ein viel einheitlicheres Bild ergeben. So besehen ist ihre Aussage eine mögliche Deutung einer sehr eingeschränkten Auswahl an Indizien, die genauer betrachtet nicht haltbar ist (was heisst schon „Erholung“ in diesem Zusammenhang?). Gletscherschmelze wird nicht nur durch die Temperatur definiert, Sonnenstrahlung spielt da auch eine Rolle, und die wird auch durch die Belastung der Atmosphäre mit Staub und Dunst beeinflusst. Eine Studie der ETH Zürich hat gezeigt, dass in den 1940er Jahren die Strahlung um 8% grösser war das Langzeitmittel (fast 100 Jahre) und beträchtlich grösser als heute.

Huss, M., M. Funk, and A. Ohmura (2009), Strong Alpine glacier melt in the 1940s due to enhanced solar radiation, Geophys. Res. Lett., 36, L23501, doi:10.1029/2009GL040789.

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 2 Daumen runter 0

Was sind denn die schwerwiegenden Folgen? Gibt es dazu irgendwelche Aussagen? Und… touristische Attraktion ist sowieso nicht gut.. Denken sie nur an all das CO2 das ausgestossen wird um die Touristen in die Gletscher zu bringen.

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 0 Daumen runter 5

Englisches Sprichwort: „You can’t have the cake and eat it“. Will heissen, erst waren wir froh, dass sich die Gletscher dank der Klimaerwärmung während der letzten 10’000 Jahre in die Alpen zurückgezogen haben und nun verlangen wir diesen Rückzug möglichst sofort zu stoppen, weil schwindende Gletscher natürlich nicht problemlos sind. Wie wollen Sie den aktuellen klimatischen Glücksfall für die Zukunft erhalten ohne nachhaltig in die natürlich ablaufende klimatische Evolution eizugreifen?

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 1 Daumen runter 2

Sehr geehrter Herr Blatter
Stimmt folgende Aussage?
Gäbe es nur die Gletscher als Proxies des Klimawandels, könnte man ebenso gut die These aufstellen, dass die beobachtete globale Erwärmung nichts anderes ist als die Erholung der Temperaturen nach der kleinen Eiszeit. Die Gletscherschmelze hat ja nach 1850 eingesetzt und war um 1940 herum sogar stärker als heute.

Ich bin gleicher bzw. anderer Meinung: Daumen hoch 2 Daumen runter 0

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