Recherche mit Social Media

Wissenschaftliche Recherche mit Social Media – diese Idee mag auf den ersten Blick etwas befremdlich klingen. Doch ausgewählte Tools unterstützen den Recherche-Prozess auf einfache Weise und ergänzen so die „klassische“ Recherche. Der Prozess der Literatursuche ist längst keine Einzelsportart mehr: Nebst dem maschinellen Suchen auf gängigen Plattformen ist die menschliche Komponente ein wichtigeres Element denn je. Wer online vernetzt ist, erfährt oft schneller von neuen wissenschaftlichen Publikationen, als dies über den herkömmlichen Weg (z.B. Bibliothekskatalog) der Fall ist. In diesem Blogbeitrag möchten wir eine Auswahl an Social Media Tools und Möglichkeiten anhand des Recherche-Prozesses vorstellen.

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Der Recherche-Prozess, Infographik

Publikationen mit Social Media finden

Dokumentplattformen, Blogs aber auch soziale Netzwerke sind eine gute Quelle für den Einstieg in die wissenschaftliche Recherche:

  • Scribd – Das Dokumentenportal ist eine offene Publishing Plattform und bietet über 60 Millionen Dokumente, wovon eine Vielzahl nicht in allgemeinen Suchmaschinen auffindbar ist. Der Download von Dokumenten funktioniert nur via Subscription Modell.
  • SlideShare – Über den Standard-Dienst für Präsentationen lassen sich aktuelle Folien zu wissenschaftlichen Themen finden. SlideShare gehört zu LinkedIn und kann ohne eigenen Account benutzt werden. Auch die ETH-Bibliothek veröffentlicht übrigens viele Präsentationen ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf SlideShare.
  • Auf Blog-Plattformen wie Twingly oder Meltwater IceRocket lassen sich bequem mehrere Blogs gleichzeitig durchsuchen.
  • Mit Monitoring-Tools wie Hootsuite oder TweetDeck lassen sich mehrere Social-Media-Kanäle gleichzeitig verfolgen. Wer die entsprechenden Hashtags als Feed abonniert, erhält alle neuen Beiträge bequem auf einer Plattform und sieht so, wo welche Forschungsresultate publiziert werden.
  • Nicht zuletzt bieten auch Social-Bookmarking-Plattformen wie diigo, delicious oder Tagpacker eine gute Recherche-Möglichkeit. Beim Social Bookmarking werden Lesezeichen statt im Browser auf einer Plattform gespeichert. Diese Lesezeichen können öffentlich oder privat sein, so dass Nutzerinnen und Nutzer neue Artikel und Websites finden können.
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Publikationen in Social Media finden

Qualitätskriterien für Websites und Plattformen

Was zeichnet eine qualitativ gute Website aus? Eine der grossen Gefahren der Recherche mit Social Media ist die Heterogenität der aufgefundenen Websites, Blogs und Artikel. Die folgende Checkliste bietet Hilfe bei der Bewertung:

  • Genauigkeit / Qualität: Ist der Text logisch aufgebaut? Wurde er von jemandem herausgegeben, editiert und gar einem Peer Review unterzogen?
  • Autor / Urheber: Wer ist der Autor und was sind seine Verdienste?
  • Zweck / Objektivität: Ist die Information vorurteilsfrei? Werden verschiedene Interesse und Ansätze ausgewogen berücksichtigt?
  • Inhalt: Sind die Argumente begründet, die Fakten belegt?
  • Aktualität: Wann wurde die Website oder der Text erstellt? Spiegeln sie den aktuellen Forschungsstand wider?
  • Relevanz: Entspricht die gefundene Information der Fragestellung?
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Bewertungskriterien für Websites und Plattformen

Quellen verwalten

Nebst bekannten Literaturverwaltungsprogrammen wie Endnote, Citavi oder Mendeley können in den Social Media gefundene Inhalte auch in Tools wie Evernote oder OneNote gespeichert und weiterbearbeitet werden. Mit den beiden sogenannten Datensammlern lässt sich Information jeglicher Art sammeln, organisieren und in Gruppen teilen. Dies können Besprechungsnotizen, Protokolle, Web-Clippings, Artikel, Bilder, Videos oder Handnotizen sein.

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Datensammler: Evernote und OneNote

Mit Social Media auf dem Laufenden bleiben

Die Recherche mit Social Media ist selbstverständlich kein abgeschlossener Prozess. Es gilt, stets auf dem Laufenden zu bleiben. Dies kann beispielsweise über soziale Netzwerke für Forschende geschehen. Netzwerke wie ResearchGate oder Academia.edu ermöglichen die Interaktion und den Austausch, das Publizieren und Verbreiten von neuen Forschungsresultaten (Achtung Nutzungsrechte!) und das Präsentieren der eigenen Person (Stichwort Reputation).

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Mit Social Media auf dem Laufenden bleiben

Weiterführende Literaturtipps

Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft (2015): Guidelines für WirtschaftswissenschaftlerInnen auf Twitter.

Müller, Ragnar et.al. (2013): Recherche 2.0. Finden und Weiterverarbeiten in Studium und Beruf. Wiesbaden: Springer.

Kyburz, Deborah (2016): Recherche mit Social Media. Schulungsfolien.


Dieses Werk unterliegt einer Creative Commons Attribution-ShareAlike 4.0 International Public License.

CC-BY-SA

DOI Link: 10.16911/ethz-ib-2642-de

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