VALA – Libraries, Technology and the Future

9. bis 11. Februar 2016 in Melbourne

Die weite Eingangshalle des Melbourne Convention and Exhibition Centre, MCEC, empfängt Bibliothekarinnen und Bibliothekare aus ganz Australien und Neuseeland zur VALA Konferenz. Die zweijährlich stattfindende Konferenz ist Plattform für den Austausch über gewonnene Einsichten, neue Entwicklungen im Bibliotheksbereich und bietet spannende Vorträge von sogenannten Keynote Speakers. Dieser Austausch ist wichtig, denn wie Lee Rainie in seinem Vortrag sagt: „In order to thrive in the future, librarians will need to be great forecasters and innovators. There are key puzzles they need to figure out.“

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Abbildung 1: Eingangshalle MCEC 2016

Der erste Tag

Den Einführungs- und Abschlussvortrag dieses ersten Tages halten zwei amerikanische Keynote Speaker. Sie könnten nicht unterschiedlicher sein. Der eine ein barocker Mensch, David Lankes, der andere der quirlige New Yorker Intellektuelle, Lee Rainie. Beide Präsentationen sind heutigen und zukünftigen Aufgaben der Bibliotheken gewidmet.

David Lankes unterstreicht in seinem Vortrag „Librarianship: Saving The World One Community At A Time“ seine Sicht mit Beispielen aus verschiedenen Bibliotheken. Thema ist die soziale Verantwortung von Bibliothekaren. Ob politische Ereignisse, die Immigration, Naturkatastrophen, Quartierstrukturen: Er plädiert dafür, dass Bibliotheken sich aus der Komfortzone herausbewegen, sich einmischen und die Gemeinschaft unterstützen.

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Abbildung 2: David Lankes, Eröffnungsvortrag an der VALA 2016

Lee Rainie, der im Pew Institute arbeitet, basiert seinen Vortrag „The Puzzels Librarians Need to Solve“ auf den Ergebnissen einer wiederholt durchgeführten Umfrage. Unter anderem wurde erfragt, ob Bibliotheken einen Teil der Bücher und Regale aus ihren öffentlichen Räumen entfernen sollten, um Raum für Anderes zu gewinnen. Die Antworten von 2012 und 2015 unterscheiden sich und zeigen eine deutliche Zunahme der Bejahung der Frage (2015 befürworten 70% der Befragten diese Veränderung).

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Abbildung 3: Lee Rainie, VALA Konferenz 2016

Weitere Themen

Ein wiederkehrendes Thema war die „Design Thinking„-Methode, von deren Anwendung mindestens zwei Vortragende begeistert berichtet haben. Ebenfalls notiert habe ich mir, dass eine Kollegin die agile Projektmethode ansatzweise angewendet hat. Emma Lawler von der Macquarie University Library zeigte in ihrem Vortrag die neuen Fähigkeiten, die Bibliothekarinnen und Bibliothekare für die sich verändernden Aufgaben benötigen auf und die sie nebst den Stammaufgaben beherrschen müssen. Hervorgehoben hat sie „Project management skills“, weiter nannte sie die Beherrschung von spielerischen Ansätzen zur Lösung von Aufgaben, Verhandlungsfähigkeit und „Multitasking“.

Sharon Chua von der Deakin University Library berichtete in ihrem Vortrag: „Beyond library walls: supporting academic capacity with digital technologies“ über die Evaluation von vier Anwendungen zur Unterstützung von Studierenden und Akademikern. Das Rahmenthema dazu bildet die „Digital Literacy“. Ein Bereich davon ist die Fähigkeit, moderne Technologien für die Kommunikation anzuwenden sowie innovative Lernkonzepte und Ausbildungsszenarien damit zu erzielen. Die evaluierten Software Tools hat das Projektteam mit interessierten Gruppen getestet und Beispiele der Anwendungsmöglichkeit produziert:

  • ScoopIt!, ein Aggregationstool für unterschiedlichste Materialien aus Newskanälen und YouTube
  • Padlet und PowToon, zur Präsentation von Teams oder sich selbst
  • Touchcast, eine App, die die Post It Zettelchen ins Digitale transferiert und auch als Gruppen-Mindmap genutzt werden kann
  • Polleverywhere für Umfragen

Die „Liaison Librarians“ (Verbindungsbibliothekare) arbeiten eng mit den verschiedenen Fakultäten zusammen und unterstützen die Akademiker und Studierenden bei der Anwendung der Tools.

Zeit für Networking

Nebst den vielen Vorträgen blieb auch genügend Zeit in den Tee- und Mittagspausen, um mit Kolleginnen und Kollegen ins Gespräch zu kommen. Und dies gestaltete sich sehr einfach, da hier tatsächlich eine grosse Offenheit gegenüber unbekannten Kollegen und Kolleginnen herrscht: Kaum landete ich mit meinen Mittagshäppchen an einem der vielen Stehtische, die in der Ausstellungshalle verteilt waren, wurde ich begrüsst. Die erste Standardfrage ist jeweils: „Woher kommst du?“. Meine Antwort löste immer grosses Erstaunen aus, dass jemand von so weit her an „ihre“ Konferenz kommt. Meinerseits war ich wiederum etwas überrascht, dass kaum jemand die ETH Zürich kannte. Insgesamt waren sehr wenige Personen aus Europa angereist. Eine Vertreterin der Europeana, Valentine Charles, sprach am zweiten Tag als Keynote Speakerin über die Entwicklung von Linked Open Data für die Europeana. Im Vordergrund stand das Projekt und die Entstehungsweise und Entwicklung der Linked Open Data Technologie. Mit einigen Beispielen illustrierte sie deren Anwendung.

Fazit

Die Konferenz bot viele gute Vorträge, die vor allem in die Praxis umgesetzte Projekte beschrieben: von Reorganisationen über die Einführung von Oculus Rift zur Betrachtung der Archivbestände (Fotografien) war ein breites Spektrum von Themen abgedeckt und es wurden viele Ideen transportiert. Insbesondere die letzte Keynote Speakerin, Karin Lauritsen, hat lebendige Beispiele aus ihrem Arbeitsbereich, dem Marketing für die Bibliothek des Orfalea College of Business, Cal Poly, San Luis Obispo (California polytechnic), geschildert. Sie hat mit ihren Ideen und ihrer Vorgehensweise die Bibliothek geöffnet und verschiedenste Gruppen in Happenings einbezogen. Mit einer ihrer Standardfragen: „What if …“ geht sie verschiedene Themen an wie „What if we play together?“. Studierende wurden angefragt, ob sie die Treppe, die zur Bibliothek führt, in ein Gameboard umwandeln. Dies ist eines der Beispiele dafür, wie die Bibliothek in ein Labor umgewandelt werden kann und wie durch „learning by doing“ oder wie sie auch sagt: „by being a futurist, rather than an expert“, die Bibliotheksbesucherinnen und -besucher zur Teilnahme eingeladen worden sind.

Die Konferenz schloss mit einem beeindruckenden, akrobatischen Drachentanz zwischen den Ausstellungsständen zu Ehren des chinesischen Neuen Jahres.

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Abbildung 4: Drachentanz zum Konferenzende


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CC-BY-SA

DOI Link: 10.16911/ethz-ib-2280-de

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