Bibliotheken – von Anfang an Zukunft

Wie Bibliotheken politische Diskurse und technische Entwicklungen mitgestalten

Der diesjährige deutsche Bibliothekartag, der vom 26. bis 29. Mai in Nürnberg stattfand, stand unter dem Motto „Bibliotheken – von Anfang an Zukunft“. Was das konkret heisst und wie das Motto am Bibliothekartag gelebt wurde, wird im Folgenden exemplarisch aufgezeigt.

An einer ausgesprochen lebhaften Session zum Thema „Innovation in Bibliotheken“ wurden Praxisbeispiele zu den folgenden Themen zusammengeführt:

  • Innovationsmanagement – ETH-Bibliothek
  • Innovationszirkel – Bücherhallen Hamburg
  • Konzept der Publikationskompetenz als neues Tätigkeitsfeld von wissenschaftlichen Bibliotheken (Zentralbibliothek Zürich)

So breit die in den Beiträgen adressierten Themenfelder waren, so gut gelang es doch, die vorgestellten Methoden und Erkenntnisse –– in der von Eva Ramminger (TU Wien) moderierten Diskussion zusammenzuführen, gilt es doch Prozesse des Innovationsmanagements, moderiertes Ideenmanagement und strukturierte Interviews mit Kundinnen und Kunden im Alltag strategisch zu nutzen. Die Zukunftsorientierung der in den Vorträgen und in den Diskussionsbeiträgen vertretenen Einrichtungen zeigte sich in dieser Session vor allem in der immer wieder neu zu begehenden Gratwanderung zwischen Freiraum und Struktur, sprich: zwischen prozess- und projektorientiertem Vorgehen einerseits und der Schaffung von Freiraum für exploratives Vorgehen andererseits. Nur im Wechselspiel zwischen diesen Polen kann es gelingen – so die Erkenntnis der Vortragenden – neue Impulse adäquat aufzunehmen und innovative Handlungsfelder kunden- und produktorientiert zu gestalten.

Innovation an den Bücherhallen Hamburg

Abbildung 1: Innovation an den Bücherhallen Hamburg

Die Session „Infrastrukturen entwickeln“ stellte verschiedene Ansätze zur Zusammenführung von Repositorien vor. Unter anderem wurden das Projekt Re3Data (Registry of Research Data Repositories) und seine Überführung in einen Service präsentiert. Im Anschluss stellte Wolfram Horstmann (Universität Göttingen) die Frage, ob eine abgrenzende Differenzierung zwischen Repositorien für Forschungsdaten und Repositorien für Texte den aktuellen Bedürfnissen und Praktiken der Wissenschaft entspreche. Er plädierte vielmehr für die Zusammenführung dieser Infrastrukturen und warb für eine Mitgliedschaft in der Confederation of Open Access Repositories (COAR). COAR spricht mit vereinter politischer Stimme für die Prinzipien der Openness – was mit dem von COAR initiierten Statement against Elsevier`s Sharing Policy beispielhaft deutlich wird.

Podiumsdiskussion

Abbildung 2: Podiumsdiskussion

Politisch wurde es schliesslich auch in der Podiumsdiskussion zum Thema „Schutz der Privatsphäre in der digitalen Welt: wie sind Bibliotheken betroffen?“. Der Journalist Oliver Buschek moderierte die zum Teil hitzige, aber zu jedem Zeitpunkt themenbezogene Debatte, in der verschiedene Handlungsfelder und Verantwortlichkeiten von Bibliotheken adressiert wurden. Auf dem Podium sassen eine Vertreterin der Humboldt-Universität zu Berlin, jeweils ein Vertreter von OCLC und Ex Libris, der Netzaktivist padeluun und der Datenschutzbeauftragte des Landes Hamburg. Die Diskussion zeigte, dass die zunehmende Speicherung von Daten in der Cloud neue Herausforderungen an Bibliotheken und Hochschulen mit sich bringen. Informationsinfrastruktureinrichtungen können auch im weiteren gesellschaftspolitischen Kontext Verantwortung im Zusammenhang von data privacy übernehmen (s. dazu auch den Beitrag Informationsfreiheit versus Privatsphäre – ein Innovationsthema für Bibliotheken in diesem Blog).

Zukunftsorientierung und gesellschaftliche Relevanz prägten auch die Ausstellungshalle. Besonders attraktiv erschien der Autorin in diesem Zusammenhang der Stand des Düsseldorfer Architektur- und Designbüros Reich und Wamser, das vor allem in öffentlichen Bibliotheken mit sogenannten Game- und Soundboxen neue Räume für Interaktion und Entspannung schafft.

Fazit – Die Zukunftsorientierung ist sicherlich nicht erst mit dem diesjährigen Bibliothekartag in Bibliotheken angekommen. Die hohe Anzahl zukunfts- und gesellschaftsorientierter Veranstaltungen macht vielmehr deutlich, dass Bibliotheken als Informationsinfrastruktureinrichtungen ihre Rolle in der digitalen Zukunft bereits gefunden haben und bereit sind, diese Funktionen weiter aktiv zu gestalten.


Dieses Werk unterliegt einer Creative Commons Attribution-ShareAlike 4.0 International Public License.

CC-BY-SA

DOI Link: 10.16911/ethz-ib-1828-de

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