{"id":9556,"date":"2015-06-02T14:42:21","date_gmt":"2015-06-02T12:42:21","guid":{"rendered":"https:\/\/wpethzprd.ethz.ch\/id\/?p=9556"},"modified":"2015-06-02T14:42:21","modified_gmt":"2015-06-02T12:42:21","slug":"25-jahre-im-eth-lizenzmanagement","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.ethz.ch\/id\/2015\/06\/02\/25-jahre-im-eth-lizenzmanagement\/","title":{"rendered":"25 Jahre im ETH-Lizenzmanagement"},"content":{"rendered":"<p>Herzliche Gratulation an Ralph Curschmann, Gruppenleiter Technischer Einkauf &amp; Support (ID PPF).<!--more--><\/p>\n<p>Als ich vor 25 Jahren den Job im ETH-Lizenzmanagement begann, war mir nicht klar, dass das Thema Lizenzen erstens spannend werden k\u00f6nnte, und schon gar nicht, dass ich 25 Jahre damit verbringen werde.<\/p>\n<p>Am Anfang handelte es sich um eine rein administrative T\u00e4tigkeit: Lizenzvertr\u00e4ge verwalten, und bei Lizenzverhandlungen m\u00f6glichst den Preis dr\u00fccken. Nach meinem Wechsel vom Direktionsstab in die Linie der Informatikdienste (Sektion \u00d4\u00c7\u00d7Beratung und Schulung\u201e) wurde die Sache bereits etwas technischer: Kundenbed\u00fcrfnisse und die gute technische Unterst\u00fctzung im neuen Team ermunterten mich, die zentral verwalteten Softwarelizenzen mittels FTP-Server den ETH-Kunden zug\u00e4nglich zu machen. Bis dahin wurde Software n\u00e4mlich via Disketten (und anderen Medien) noch per interne Post versendet.<\/p>\n<p>Um das Management von Netzwerklizenzen ebenfalls technisch bewerkstelligen zu k\u00f6nnen, setzte ich die ersten zentralen Lizenzserver auf und betreute diese. Das waren damals SUN\/Solaris Maschinen, und dass der Zugang via Telnet v\u00f6llig unverschl\u00fcsselt erfolgte (wie auch der o.g. FTP-Zugang zur Software), liess damals niemandem graue Haare wachsen.<\/p>\n<p>Bei den Preisverhandlungen mit den lokalen Distributoren wurde mir schnell klar, dass deren Angebote in der Regel massiv \u00fcberteuert waren. Eine verbreitete Teppichh\u00e4ndler-Mentalit\u00e4t brachte diese Distributoren dazu, ph\u00e4nomenale Margen aufzuschlagen.<\/p>\n<p>Daher wurden viele Vertr\u00e4ge von mir gek\u00fcndigt und anschliessend mit den Herstellern (vor allem in USA) direkt abgeschlossen, was massive Kostenersparnisse f\u00fcr die ETH Z\u00fcrich brachte. In einem konkreten Fall (eine mathematische Software) wurden die j\u00e4hrlichen Kosten so von bisher CHF 200\u2019000.- (lokaler Distributor) auf nun US$ 20\u2019000.- (Herstellerpreis) gesenkt. Und das Ganze einhergehend mit einer viel besseren Lizenzmetrik f\u00fcr die ETH Z\u00fcrich.<\/p>\n<p>Allerdings: Solche direkten Vertr\u00e4ge waren damals noch einfacher m\u00f6glich, weil die Vertriebsstruktur der meisten Hersteller noch in den Kinderschuhen steckte, und regionale Protektion bzw. Einheitspreislisten kaum existierten.<\/p>\n<h2>IDES \u2013 Softwarelizenzen f\u00fcr ETH-Angeh\u00f6rige<\/h2>\n<p>Die Softwareverteilung und Lizenzbewirtschaftung wurde bald darauf mit dem bei den Informatikdiensten entwickelten System \u00d4\u00c7\u00d7IDES\u201e revolutioniert: eine erste Version im Jahr 1997 erlaubte bereits webbasierte Software-Bestellungen, die zweite Version (2002) verband Softwarebestellung, Registrierung, Abrechnung, Bezug und R\u00fcckgabe zu einer Dienstleistung. Der komplette Software Life Cycle wurde hier abgebildet. Revolution\u00e4r war das System deshalb, weil es zu diesem Zeitpunkt in keiner mir bekannten Universit\u00e4t so ein System gab. Selbst die zu diesem Zweck von mir vorg\u00e4ngig besuchte Princeton University konnte mit so etwas nicht aufwarten, und nahm w\u00e4hrend meines mehrw\u00f6chigen Aufenthaltes dort gerne etwas \u00d4\u00c7\u00d7Schweizer Entwicklungshilfe\u201e an.<\/p>\n<p>Das neue IDES-System war vor allem deshalb erfolgreich, weil an der ETH Z\u00fcrich entsprechende organisatorische Strukturen existierten. Die zentralen Informatikdienste haben in den Instituten und Departementen klare dezentrale Ansprechpartner vor Ort. Mit dem Betrieb von IDES trat ich rasch mit einer sehr grossen Menge an Personen an der ETH in Kontakt, die nun allesamt meine direkte Kunden wurden.<\/p>\n<p>Die Hersteller entwickelten immer raffiniertere &#8211; um nicht zu sagen: neurotischere &#8211; technische Methoden, um die Software vor Missbrauch zu sch\u00fctzen: Aktivierungsmechanismen, Lizenzschl\u00fcssel und Hardware-Locks machten die effiziente Bereitstellung der Software nicht gerade einfacher, und in vielen F\u00e4llen mussten Anpassungen mit den Herstellern explizit ausverhandelt werden, weil die vorgesehene L\u00f6sung schlichtweg nicht praktikabel war.<\/p>\n<h2>Arbeitsgebiet \u00abTechnischer Einkauf\u00bb<\/h2>\n<p>So entwickelte sich als Arbeitsgebiet eine Art \u00d4\u00c7\u00d7technischer Einkauf\u201e, der den Spagat zwischen finanziellen, technischen, organisatorischen und auch rechtlichen Aspekten machen muss, und hinsichtlich der Kommunikation mit Kunden wie auch Lieferanten entsprechend hohe Anspr\u00fcche stellt. Die Kunden formulieren mir ihre Bed\u00fcrfnisse an Softwareprodukten. Ich analysiere die bestehenden Lizenzmetriken und technischen Randbedingungen, und handele mit Distributoren und\/oder Herstellern die Bezugs- und Nutzungs-Konditionen aus.<\/p>\n<p>Bei diesen Konditionen geht es also nicht bloss um Preise, sondern auch um technische Dinge (z.B. silent install bez\u00fcglich Deployment) oder um sinnvolle Lizenzmetriken und transparente Nutzungsbedingungen. Die Konditionen m\u00fcssen f\u00fcr die ETH passend sein, und gleichzeitig muss der Hersteller bereit sein, diese zu gew\u00e4hren, was von mir neben der langj\u00e4hrigen Erfahrung auch eine gewisse Kreativit\u00e4t erfordert, die ich in letzter Zeit bei den zunehmend j\u00fcngeren Software-Verk\u00e4ufern etwas vermisse. Aber das ist eventuell eine subjektiv empfundene \u00d4\u00c7\u00d7Alterserscheinung\u201e.<\/p>\n<h2>Compliance<\/h2>\n<p>In den letzten Jahren wurde die Frage der Compliance, also der vertragsgem\u00e4ssen Nutzung der Lizenzsoftware, immer wichtiger. Die Lizenzvertr\u00e4ge der Hersteller werden immer komplizierter, nat\u00fcrlich unter anderem deshalb, weil man mehr Profit erwirtschaften m\u00f6chte. Andererseits gibt es gerade im akademischen Umfeld speziell komplexe Lizenzierungs-Bedingungen. Anders als in der Privatwirtschaft werden die Softwareprodukte zu speziellen Schulkonditionen erworben. Der Vorteil sind die g\u00fcnstigeren Preise, der Nachteil sind die eng eingefassten nichtkommerziellen Nutzungszwecke. Dadurch hat sich meine T\u00e4tigkeit sehr stark in Richtung Beratungsdienstleistung entwickelt, mit der ich die Institute und Departemente beim Einkauf und in der vertragskonformen Anwendung der Software unterst\u00fctze.<\/p>\n<p>Ein Beispiel dieser Unterst\u00fctzung sind die k\u00fcrzlich von durchgef\u00fchrten Awareness-Veranstaltungen bez\u00fcglich Lizenzierung: Im direkten Dialog werden die Zuh\u00f6rer \u00fcber Grundlagen der Lizenzierung informiert, das Ganze ist mit n\u00fctzlichen Praxis-Tipps erg\u00e4nzt. Diese Veranstaltungen stiessen bei den Zuh\u00f6rern auf ein sehr gutes Echo. Daher werden hierzu derzeit Hersteller-spezifische Folgeveranstaltungen ausgearbeitet.<\/p>\n<p>Ich bin froh und dankbar, dass ich diese vielf\u00e4ltigen Aufgaben in einem fachlich versierten und verl\u00e4sslichen Team bew\u00e4ltigen darf, welches sich &#8211; zusammen mit mir &#8211; diesen t\u00e4glichen Herausforderungen stellt.<\/p>\n<p>Die Angeh\u00f6rigen der ETH Z\u00fcrich nutzen eine sehr grosse und \u00e4usserst vielf\u00e4ltige Palette an Softwareprodukten, und der Zugang zur Software ist f\u00fcr Endbenutzer genial einfach gehalten. Im Hintergrund sind aber eine Vielzahl an Arbeiten notwendig, damit diese Versorgung mit Software weiterhin reibungslos klappt. Daf\u00fcr m\u00f6chte ich mich auch weiterhin engagieren.<\/p>\n<p>Ralph Curschmann<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Herzliche Gratulation an Ralph Curschmann, Gruppenleiter Technischer Einkauf &amp; Support (ID PPF).<\/p>\n","protected":false},"author":838,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[25,1181,898],"tags":[104248,46896,46884],"class_list":["post-9556","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-news","category-passwort-applikationen","category-support","tag-eth-jubilaum","tag-id-jubilaum","tag-id-ppf"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.ethz.ch\/id\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9556","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.ethz.ch\/id\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.ethz.ch\/id\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.ethz.ch\/id\/wp-json\/wp\/v2\/users\/838"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.ethz.ch\/id\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=9556"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blogs.ethz.ch\/id\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9556\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.ethz.ch\/id\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=9556"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.ethz.ch\/id\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=9556"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.ethz.ch\/id\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=9556"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}