{"id":11190,"date":"2019-02-21T14:36:05","date_gmt":"2019-02-21T13:36:05","guid":{"rendered":"https:\/\/wpethzprd.ethz.ch\/id\/?p=11190"},"modified":"2019-02-21T14:36:07","modified_gmt":"2019-02-21T13:36:07","slug":"python-programmierer-in-kampala","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.ethz.ch\/id\/2019\/02\/21\/python-programmierer-in-kampala\/","title":{"rendered":"Python-Programmierer in Kampala"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr meine fachliche Weiterbildung besuche ich am liebsten Software-Entwickler-Konferenzen,\nund unter diesen ist mir die EuroPython-Konferenz ans Herz gewachsen. Was diese\nKonferenz auszeichnet, ist der Umstand, dass sie Community-getrieben ist und\naus diesem Grund wohl eine Bandbreite an Pr\u00e4sentationen und Veranstaltungen\nanbietet, wie man sie an \u00fcblichen Entwickler-Konferenzen selten antrifft. Von\nder EuroPython-Konferenz 2017 ist mir eine Keynote in Erinnerung geblieben, in\nwelcher die Referentin aus Nigeria \u00fcber die lebendige Python-Entwickler-Szene\nin Subsahara-L\u00e4ndern berichtete. In diversen L\u00e4ndern wurden Django-Girls-Kurse\norganisiert (Django ist ein Python-basiertes Web-Framework) und in Zimbabwe,\nS\u00fcdafrika und Nigeria sind nationale Python-Konferenzen durchgef\u00fchrt worden.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das N\u00fctzliche mit dem Angenehmen verbinden, dachte ich mir,\nals ich meine Reise nach Uganda (ein Dienstaltersgeschenk) plante. Warum nicht\ndiese Reise nutzen und einen Einblick in die Python-Entwickler-Szene in\nKampala, der ugandischen Metropole gewinnen? Mit dieser vagen Idee im Kopf\nschrieb ich eine Mail an die Referentin besagter Keynote und erhielt eine Woche\nsp\u00e4ter ihre Antwortmail, in welcher sie mich an eine ugandische\nSoftware-Entwicklerin verwies. Damit war der Erstkontakt geschafft und das Eine\nergab sich aus dem Anderen und am Schluss sass ich mit rund einem Dutzend\nPython-Software-Entwicklern an einem heissen Donnerstag-Abend in einem Hochhaus\nin Kampala und diskutierte die M\u00f6glichkeiten und Probleme der\nSoftware-Entwicklung in diesem Land.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>App-\u00f4konomie und Lebensqualit\u00e4t<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn wir die Aussage h\u00f6ren, dass die neuen Technologien (Internet, Smartphone und die dazugeh\u00f6rigen Applikationen) unser Leben ver\u00e4ndert habe und den Alltag durchdringen w\u00fcrde, dann denken wir an unser Leben in wohlhabenden L\u00e4ndern. Dass diese Aussage f\u00fcr die Leute in wenig entwickelten L\u00e4ndern noch viel mehr zutrifft, mag einige erstaunen. Tatsache ist, dass Anwendungen, welche das Abschliessen von Versicherungen oder das \u00dcbertragen von Geld von einer Person zur anderen erm\u00f6glichen, in Ostafrika viel weiter verbreitet si<a href=\"https:\/\/www.nzz.ch\/international\/safe-boda-revolutioniert-motorradtaxifahrten-in-kampala-ld.1458738\"><\/a>nd als bei uns. Auch wenn der Mobilfunk in diesen L\u00e4ndern L\u00f6cher aufweist, so wird er doch von der Bev\u00f6lkerung intensiv genutzt. Wie die App-\u00f4konomie die Lebensqualit\u00e4t in Entwicklungsl\u00e4ndern verbessern kann, war erst k\u00fcrzlich in einem <a href=\"https:\/\/www.nzz.ch\/international\/safe-boda-revolutioniert-motorradtaxifahrten-in-kampala-ld.1458738\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"NZZ-Artikel (opens in a new tab)\">NZZ-Artikel<\/a> \u00fcber \u00abSafe Boda\u00bb in Kampala zu lesen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wie die meisten Millionenst\u00e4dte in Sub-Sahara-Afrika ist\nKampala ein Moloch mit absolut ungen\u00fcgender Verkehrsinfrastruktur. Konkret\nbedeutet das f\u00fcr die Bewohner stundenlange Staus w\u00e4hrend den Stosszeiten. Wer\nin Kampala p\u00fcnktlich an einem Treffpunkt ankommen und dabei nicht zu viel Zeit\nverlieren will, ist auf den Transport mit Bodas angewiesen. Bei den Bodas\nhandelt es sich um Motorradtaxis, welche sich in halsbrecherischer Art durch\ndie verstopften Strassen schl\u00e4ngeln. Mit der Folge, dass zeitweise bis zu 70%\nder Notfallaufnahmen in den Spit\u00e4lern auf Unf\u00e4llen mit Bodas zur\u00fcckgingen. Mit\n\u00abSafe Boda\u00bb ist seit drei Jahren eine Firma im Gesch\u00e4ft, welche sicheren\nTransport mit Motorradtaxis anbietet. Die Fahrer der Firma haben alle den\nF\u00fchrerausweis und halten sich an die Verkehrsregeln. Die Fahrer zeichnen sich\ndurch orange Helme und eine orange Weste aus, auch die Kunden sind mit einem\nHelm gesch\u00fctzt. Und ganz wichtig: die Fahrer k\u00f6nnen mit einer entsprechenden\nApp an jeden Punkt in der Stadt bestellt werden. W\u00e4hrend Uber f\u00fcr die\nKonsumenten eine preiswerte Transportm\u00f6glichkeit darstellt, bedeutet \u00abSafe\nBoda\u00bb f\u00fcr die Kunden einen Zeitgewinn gekoppelt mit einer massiven\nStressreduktion. \u00abSafe Boda\u00bb bringt f\u00fcr die Bewohner Kampalas somit eine\nwesentliche Verbesserung der Lebensqualit\u00e4t.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Python in Afrika &#8211; mehr als eine Schlange<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am Treffen mit den Python-Programmierern in Kampala haben wir festgestellt, dass Python als agile Sprache sich grunds\u00e4tzlich gut f\u00fcr die Entwicklung von Smartphone-Apps eigenen w\u00fcrde. Allerdings sind die beiden beherrschenden Smartphone-Betriebssysteme auf bestimmte Programmiersprachen ausgerichtet. F\u00fcr Android-Applikationen beispielsweise hat Google mit Android-Studio eine hervorragende Entwicklungs-Umgebung bereitgestellt. Diese ist aber speziell auf die Programmiersprachen Java und Kotlin ausgerichtet. Das mag ein Grund sein, weshalb Python in der App-\u00f4konomie bisher keine grosse Rolle gespielt hat. Das k\u00f6nnte sich mit der Verbreitung von progressiven Web-Applikationen (PWA) \u00e4ndern.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"684\" src=\"https:\/\/blogs.ethz.ch\/id\/files\/2019\/02\/PyKla-1024x684.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-11192\" srcset=\"https:\/\/blogs.ethz.ch\/id\/files\/2019\/02\/PyKla-1024x684.jpg 1024w, https:\/\/blogs.ethz.ch\/id\/files\/2019\/02\/PyKla-300x200.jpg 300w, https:\/\/blogs.ethz.ch\/id\/files\/2019\/02\/PyKla-768x513.jpg 768w, https:\/\/blogs.ethz.ch\/id\/files\/2019\/02\/PyKla-600x401.jpg 600w, https:\/\/blogs.ethz.ch\/id\/files\/2019\/02\/PyKla.jpg 1616w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>Python-Programmierer aus Uganda mit Besuch aus der Schweiz<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als weiteres Thema haben wir Bitcoin und Blockchain\ndiskutiert. Uganda ist auf dem Transparency-Index ziemlich schlecht platziert\n(Rang 151 von 180). Korruption und Rechtsunsicherheit erschweren die\ngesch\u00e4ftlichen Aktivit\u00e4ten zwischen Personen, die sich nicht kennen und die aus\ndiesem Grund noch kein Vertrauensverh\u00e4ltnis entwickeln konnten. In einem\nsolchen Umfeld kann die Blockchain die Gesch\u00e4ftst\u00e4tigkeit erleichtern, weil der\nAlgorithmus regelbasiertes Verhalten sicherstellt und damit das Problem des\nfehlenden Vertrauens in den Rechtsstaat l\u00f6st.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Weiter interessierten sich die Teilnehmer, wie man\nPython-Core-Contributor werden k\u00f6nne. Da ich bisher noch keinen Beitrag zum\nPython-Core geleistet habe, konnte ich nur eine ungesicherte Antwort geben. In\njedem Open-Source-Projekt gibt es immer ganz unterschiedliche Aufgaben. Nicht\nnur der Code muss entwickelt werden, zum Code geh\u00f6rt eine Dokumentation, welche\ngeschrieben, \u00fcbersetzt und bereinigt werden muss. Gerade im Bereich der\nDokumentation und deren \u00dcbersetzungen gibt es f\u00fcr interessierte Personen gute\nGelegenheiten, in einer Community Fuss zu fassen. Bei Open-Source-Projekten\ngenerell sind die Communities sehr offen und gute Beitr\u00e4ge werden schnell\nhonoriert. Wer das Interesse und die Zeit hat, kann, die notwendigen\nF\u00e4higkeiten vorausgesetzt, auch im Python-Core recht schnell zu einem wichtigen\nBeitragsleister werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zum Schluss fragte mich ein Teilnehmer, mit Hinweis auf meine Dissertation im Open-Source-Bereich, was meine Erkenntnisse seien bez\u00fcglich dem Erfolg von Open-Source-Projekten. Da meine Untersuchung diesbez\u00fcglich wirklich handliche Resultate lieferte, gebe ich diese gerne auch hier wieder: Open-Source-Projekte sind erfolgreich, wenn sie den beteiligten erstens eine Projektvision bieten k\u00f6nnen. Die Beteiligten m\u00fcssen wissen, welcher Nutzen die fertige Anwendung bringen wird. Zweitens muss das Projekt den Beteiligten die richtigen Herausforderungen bieten. Wenn der Programmierer weder \u00fcber- noch unterfordert ist, engagiert er sich langfristig am Projekt und hat dabei viel Spass bei seiner Arbeit.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Benno Luthiger, Community Head &#8222;Software-Entwicklung&#8220;<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Besuch und Einblick in die Python-Entwickler-Szene in Kampala, der ugandischen Metropole.<\/p>\n","protected":false},"author":558,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[25,1181,1177,898],"tags":[257882,257883,2172],"class_list":["post-11190","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-news","category-passwort-applikationen","category-software-arbeitsplatze","category-support","tag-europython-konferenz","tag-kampala","tag-python"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.ethz.ch\/id\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11190","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.ethz.ch\/id\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.ethz.ch\/id\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.ethz.ch\/id\/wp-json\/wp\/v2\/users\/558"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.ethz.ch\/id\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11190"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blogs.ethz.ch\/id\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11190\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.ethz.ch\/id\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11190"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.ethz.ch\/id\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11190"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.ethz.ch\/id\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11190"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}