Die Cometen: Jules Vogt

Ein weiteres Kurzporträt aus unserer Reihe zu den Comet-Fotografen ist Jules Vogt gewidmet. Er wurde am 9. Dezember 1928 in Zürich geboren, wo er von 1944 bis 1946 eine Fotografenlehre bei Foto Saager absolvierte und Kurse an der Kunstgewerbeschule bei Hans Finsler belegte. Danach war er für die Agenturen von Otto Pfister, die Illustrations- und Photopress AG (1961-1974) und Comet (1963-1996) tätig. Nach seiner Zeit bei Comet war Vogt vermehrt in der Werbung anzutreffen und fotografierte regelmässig für die Züspa, den Autosalon Genf und verschiedene Industrieunternehmen. Vogt war zudem ein namhafter Flugfotograf. Jules Vogt verstarb am 30. Juli 2006 in Ascona.

Hans Krebs: Jules Vogt am Bildfunk, August 1973 (Com_L22-0833-0001-0003)

Soziale Intelligenz

Laut dem mit Jules Vogt befreundeten Fotografen Walo Kuhn war Vogt ein farbiger Erzähler, der zuweilen auch laut werden konnte. Mit Menschen konnte er sehr gut umgehen, was ihm in seinen zahlreichen Reportagen, etwa über Pfarrer Sieber und seinen “Bunker” am Helvetiaplatz sichtlich zugutekam.

Jules Vogt: Pfarrer Ernst Sieber mit Gitarre in der Räuberhöhle, 12.02.1965 (Com_L14-0080-0001-0002)

Jules Vogt: Pfarrer Ernst Sieber in der Räuberhöhle, 12.02.1965 (Com_L14-0080-0002-0013)

Neue Sachlichkeit

In manchen Bildern von Jules Vogt ist der Einfluss seines Lehrers Hans Finsler erkennbar, der zu den bedeutendsten Repräsentanten der Neuen Sachlichkeit in der Fotografie zählte. Vogt setzt sein Sujet oft klar in die ungefähre Mitte, so dass dessen Struktur, Form und Stofflichkeit voll zur Geltung kommt. Deutlich wird dies in der Aufnahme eines geschlachteten Schweins.

Jules Vogt: Stör-Metzger, Schweineschlachter Herrr Bösiger an einer Bauernmetzgerei, November 1968 (Com_L17-0655-0009-0001)

Die beiden Metzger fokussieren auf den offenen Bauch des Schweins und die austretenden Organe und Gedärme. Was sie in kürze kochen, verarbeiten und zum Teil wohl auch verschlingen werden, kommt so unmittelbar in den Fokus des Betrachters. Der Schweinekadaver mit seiner schrumpeligen Haut ist äusserst plastisch, real und präsent.

 

Jules Vogt: Finnland, Helsinki, Finnish Design Center, Juni 1972 (Com_L21-0522-0018-0001)

Jules Vogt: Finnland, Helsinki, Finlandia-Halle von Alvar Aalto, Juni 1972 (Com_L21-0522-0006-0005)

Mit ruhiger Hand in die Luft

Auch in vielen Luftbildern gelingt es Jules Vogt, konzentriert das Wesentliche herauszuschälen. Dies ist laut Walo Kuhn alles andere als selbstverständlich, denn im Gegensatz zu ihren fliegenden Kollegen von der Swissair waren die Cometen selbst beim Fliegen stets unter Druck. Nach ihren Einsätzen in der Luft wartete am Boden oftmals schon der Chef Björn Eric Lindroos mit einem nächsten Auftrag.

Jules Vogt: Zug, Inwil, Wohnblöcke, Firma Peikert-Bau, August 1969 (Com_FC23-6300-016)

 Jules Vogt: Zürich, Dolder, Trigon-Siedlung, August 1969 (Com_FC24-8000-0063)

 Jules Vogt: Zurzach, Schloss Bad Zurzach, September 1982 (Com_FC01-5330-044)

Quellen:

Dieser Text beruht unter anderem auf einem Gespräch mit dem Fotografen Walo Kuhn am 21.11.2019. Walo Kuhn machte von 1980-87 Luftaufnahmen für die Swissair und flog teilweise mit denselben Piloten und Flugzeugen wie Jules Vogt.

Eintrag zu Jules Vogt auf foto.ch

Weitere Beiträge in der Reihe die Cometen:

Die Cometen: Björn Erik Lindroos

Die Cometen: Zum 100. Geburtstag von Jack Metzger

Die Cometen: Hans Gerber

Die Cometen: Heinz Baumann

Die Cometen: Walter Schmid

Die Cometen: Werner Catrina

Die Cometen: Christoph Sonderegger

Die Cometen: Beat Albrecht

Die Cometen: Doris Gaus

Geplant sind: Hans Krebs, Hansruedi Bramaz, Christian Lanz und weitere.

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