Als in Zürich und Lausanne noch Wildnis herrschte… zwei Bilder aus „die Urwelt der Schweiz“ von Oswald Heer

Wilde Tiere in der Stadt? Der Widerstand gegen die sich ungehindert ausdehnenden Grossstädte war eine der Haupttriebfedern des Naturschutzes, der sich anfangs 20. Jahrhunderts zum Erhalt der Natur formierte.

Heute erobern Fuchs und Dachs die Städte zurück, Wölfe ziehen ihre Kreise um Chur oder Bellinzona und der Bär trottet zwar noch nicht durch die Zürcher Bahnhofstrasse, aber im Engadin taucht er doch hin und wieder auf.

Abb. 1: “Zürich zur Gletscherzeit”

„Der erste Bär tauchte gegen Frühjahr auf. Er lief durch die Bahnhofunterführung…“ schrieb 1982 der Schweizer Schriftsteller Franz Hohler in seinem Buch „Die Rückeroberung“.

 

Vielleicht nähern wir uns ja wieder Verhältnissen prähistorischer Zeiten, als in Zürich, nach Vorstellung der beiden Illustratoren Buri und Jeker, murmeltierartige Wesen umhertollten und Mammuts ihr Unwesen trieben. Ob das eiskalte Gletscherwasser wohl tatsächlich als Hirschtränke diente und ob die Felsmassive im Hintergrund bereits die uns heute so vertraute Form der Glarner Alpen aufwiesen?  Vielleicht entspringen diese Vorstellungen doch eher der romantisierenden Phantasie zweier Illustratoren aus dem 19. Jahrhundert?

In ganz anderem „Kleid“ präsentiert sich Lausanne zur „Miocenen-Zeit“. Am lauen Genfersee inmitten einer üppigen Pflanzenwelt voller Farne und subtropischer Gewächse. Statt Hirsche und Murmeltiere sehen wir Saurierwesen, welche mit ihren langen Rüsseln ein wenig an Ameisenbären erinnern.

Oswald Heer (1809-1883) zeigte bereits früh Interesse für die Tier- und Pflanzenwelt und studierte dennoch zunächst Theologie. Später wurde er Privatdozent für Botanik und Entomologie an der Universität Zürich sowie Direktor des Botanischen Gartens. Seit 1855 war er Professor für spezielle Botanik am neuen Polytechnikum. 1865 erschien das mehrfach neu aufgelegte Werk „Die Urwelt der Schweiz“, in dem Heer die geologische Vergangenheit der Schweiz allgemein verständlich darlegt. Heer hatte Kontakt zum britischen Naturforscher Charles Darwin und spätestens seit dessen Überlegungen zur Evolution wissen wir, dass Leben Veränderung bedeutet. Heer war sich aber mit Darwin uneinig, wie diese Veränderungen von statten gingen, verwarf er doch dessen Abstammungstheorie. Der studierte Theologe glaubte an eine Umprägung der Arten durch eine Art „Schöpfer“. Etwas von jenem schöpferischen Geist durchdringt auch ein wenig diese beiden Stiche.

 

Abb. 2: “Lausanne zur Miocenen-Zeit”

http://www.e-rara.ch/doi/10.3931/e-rara-11638

http://de.wikipedia.org/wiki/Oswald_Heer

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