Spezialsammlungen vorgestern

Bereits im 17. Jahrhundert, also lange vor der Zeit der ETH-Bibliothek, konnte sich der interessierte Leser und Forscher unter der Aufsicht eines schlüsselgewaltigen Herren Bibliothecarij in den Spezialsammlungen der damaligen Burgerlichen Bibliothek umsehen.

Beschreibung der Wasserkirche und der Stadtbibliothek auf den Seiten 23 (unten) bis 26 (oben)

Zu entnehmen ist diese Information einem 1692 in Zürich gedruckten Reiseführer, der gleich in zwei Exemplaren  bei den Alten Drucken in der ETH-Bibliothek erhalten ist. Der 1682 mit vierunddreissig Jahren verstorbene  Maler Hans Erhard Escher beschreibt darin nicht nur landschaftliche und bauliche Merkmale oder die Fauna um den Zürichsee. Neben besonderen Vorkommnissen in der Gegend oder extremen Witterungsverhältnissen aus der jüngsten  Vergangenheit widmet er einen längeren Abschnitt  der Stadtbibliothek. Diese befand sich seit 1628 im Untergeschoss der Ende des 15. Jahrhunderts neu errichteten Wasserkirche. Escher lobt den Bau an zentraler Lage ebenso wie die übersichtliche Aufstellung der Buchbestände. Sie seye eine von den schönsten (Bibliotheken) so weit und breit gesehen wird/… nicht nur allein wegen ihrer fürtrefflichen Situation, und kommlicher Gelegenheit/sondern auch vonwegen der grossen menge … Bücheren/welche in einer schönen Ordnung beschlossen. Ausleihbar waren diese zu offenbar nicht für jedermann erschwinglichen Preisen: ein habender Burger (hat) die Freyheit/ein Buch … in sein Haus zu beschicken. Zu den Rara zählten Handschriften und alte Drucke:  allerhand kostlicher und rarer/theils getrukter/theils auch von hand geschriebner Bücheren, darunter eine alte Bibel mit kostlich illuminierten Figuren, eine von Hand geschribne Hebraische Bibel/so sauber/als wäre sie getruckt, oder gar zwei chinesische Bücher. Im Obergeschoss befanden sich die eigentlichen Spezialsammlungen: ein umfangreiches Tierkabinett samt vielen Antiquiteten – sprich archäologische Funde – inklusive Münzen, eine Portraitsammlung, mathematische und astronomische Instrumente sowie Karten, darunter  Hans Conrad Gygers detaillierte Karte des (heutigen) Kanton Zürich.

Leider handelt sich bei oben beschriebener Bibliothek nicht um einen direkten Vorfahren der Spezialsammlungen der ETH-Bibliothek! Das Naturalienkabinett ging wahrscheinlich an die 1746 gegründete Naturforschende Gesellschaft, die Münzen sind heute im Landesmuseum aufbewahrt, und der Bücherbestand befindet sich in der Zentralbibliothek, welche im kommenden Jahr ihr 100-jähriges Jubiläum feiert.

Link: Das vorgestellte Buch ist bei GOOGLE digitalisiert.

Beschreibung des Zürich Sees : wie auch von Erbauung, Zunemmen, Stand und Wesen loblicher Statt Zürich, von der Lust- und Nutzbarkeit des Sees, von vielen Thieren, so sich in und um denselbigen befinden…, von den Stätten… so an und um disen See gelegen, von Gelehrten… so um disen See gewohnet…

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