Albert Heim: An die Zeit (1880-1882)

Ein früh erwachtes Interesse an der Bergwelt hatte Albert Heim (1849 – 1937), Professor für technische und allgemeine Geologie am Eidgenössischen Polytechnikum in Zürich, in die Naturforschung geführt. Dabei kam ihm seine künstlerische Mehrfachbegabung zugute, das ausgeprägte zeichnerische Talent der graphischen Darstellung seiner Erkenntnisse, das bildnerische Können und handwerkliche Geschick der plastischen Veranschaulichung in Landschaftsreliefs. Über nüchterne Wissenschaftsprosa hinaus gestaltete er als Lyriker sein persönliches Empfinden in Gedichten.

Albert Heim, An die Zeit, undatiert (ETH-Bibliothek, Archive und Nachlässe, Hs 401:730)

In den nachgelassenen Schriften haben sich auf verschiedenen Notizzetteln, Visiten- und Grusskarten vier Fassungen des Textes An die Zeit aus den Jahren 1880 bis 1882 erhalten. Darin fügt Heim den modernen Wissensstand über Kosmos und Erdgeschichte bis hin zur Evolution des Lebens mit der ihm eigenen Naturverbundenheit zum Welbild eines Freidenkers. Die Abbildung zeigt die undatierte Version des Gedichtes:

An die Zeit

 

Was ist und ward und werden wird,

Dein Werk ist’s, Zeit! –

Krystalle klein in dunklem Fels,

Wie Welten weit.

 

Du schaffst Gesterne, thürmest Berge,

So hoch und heer,

Der Strom er furcht dir seine Thäler,

Es nagt das Meer.

 

Auf einer ersten Zell als Keime

Hast du gebaut,

Bis zum Gedanken, der dich heute

Begeistert schaut.

 

In deinen Händen ist geworden

Die weite Welt,

Und Stern um Stern in deine Hände

Erloschen fällt.

 

Du Zeit bist ewig strömend Leben,

Und bist die Ruh,

Und zwischen gleichen Ewigkeiten

Da wandelst du!

Links:

Biographisches Porträt von Albert Heim

Nachlassverzeichnis Albert Heim

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