Der Ausbruch des Ätna nahe Randazzo von 1981

Der Ätna ist momentan sehr aktiv. Zum Glück explodiert er nicht wie andere Vulkane, sondern lässt sporadisch Druck ab. Auch das kann aber für die Anwohner*innen bedrohlich werden, wie die Eruption von Randazzo im Jahr 1981 zeigt.

Comet Photo AG: Randazzo, März 1981 (Com_LC1900-001-001)

Vor ungefähr vierzig Jahren am 17. März 1981 bedrohte ein heftiger Ausbruch den Ort Randazzo am Nordhang des Ätna auf Sizilien. Ein Fotograf der Comet Photo AG war vor Ort und dokumentierte das Geschehen.

Der Ausbruch ereignete sich kurz nach 13:30 Uhr am 17. März, als sich Dutzende von kleinen Schloten entlang einer Reihe von kurzen Rissen hoch oben an der Nordflanke des Berges öffneten. In den nächsten 26 bis 28 Stunden breitete sich dieses Spaltsystem über eine Gesamtlänge von 8 km aus und durchquerte die Flanke des Ätnas nordwestlich. Die Abfolge der Ereignisse verlief mit überwältigender Schnelligkeit und Gewalt, wie sie am Ätna, der allgemein als „freundlicher Vulkan“ gilt, selten zu sehen war.

Comet Photo AG: Ätna, März 1981 (Com_LC1900-001-003)

 

Comet Photo AG: Randazzo, März 1981 (Com_LC1900-001-002)

Eine gewaltige Lavaflut stürzte sich die Flanke hinunter und verzehrte Kastanien-, Pappel-, Eichen- und Buchenwälder, dann Ackerland, einschliesslich ausgedehnter Weinberge. Das Dorf Montelaguardia wurde hastig evakuiert; einige ältere Menschen mussten aus isolierten Landhäusern gerettet werden, nur wenige Minuten bevor sie durch den aussergewöhnlich schnell fliessenden Lavastrom erreicht worden wären. Während der Nacht durchtrennte die Lava eine Reihe wichtiger Lebensadern: Strassen, die Circumetnea-Bahn und die Strom- und Telefonleitungen zur nahegelegenen Stadt Randazzo.

Während der riesige Lavastrom seine Zerstörung fortsetzte, öffneten sich neue eruptive Schlote, wobei kleine Lavaströme freigesetzt wurden, die in Richtung Randazzo flossen, einer friedlichen Stadt mit einem schönen historischen Zentrum mit mittelalterlichen Kirchen und anderen Denkmälern. Viele der Bewohner von Randazzo erkannten erst jetzt, dass am Ätna die Hölle ausgebrochen war. Einige eilten zu ihren Landhäusern, die aber bereits verschwunden waren. Andere packten ein paar Sachen und verliessen das Dorf. Wieder andere versammelten sich in einer Prozession und baten den Schutzpatron San Giuseppe, dessen Fest am 19. März stattfinden sollte, um den Schutz ihrer Stadt.

Am Abend des 18. März sah es aus, als ob Randazzo den Ausbruch nicht überstehen würde. Auf nur 1235-1115 m Höhe brach eine neue Spalte auf, und kleine Lavaströme begannen in Richtung Stadt zu fliessen. Einige Stunden lang lebten Tausende von Menschen in Angst und Schrecken, da der gesamte Hang des Vulkans über der Stadt zu brennen schien. Der Hauptlavastrom, der nur 1 km östlich von Randazzo verlaufen war, näherte sich dem Bett des Flusses Alcantara, der vor einigen tausend Jahren zuletzt durch Lavaströme aus dem Ätna blockiert worden war.

In der Frühe des 19. März schien sich die Lage etwas zu beruhigen, Der Hauptlavastrom hatte seinen Vormarsch deutlich verlangsamt, und viele der höheren eruptiven Schlote schlossen sich, während die auf dem untersten Spaltensegment eine relativ geringe Aktivität aufwiesen und ihre Lavaströme in einem niedrigen Tempo austraten und langsam in den südlichen Rand von Randazzo übergingen. Im Laufe des Tages entspannte sich die Situation weiter.

Comet Photo AG: Bei Randazzo, März 1981 (Com_LC1900-001-004)

Comet Photo AG: Gottesdienst in Randazzo, März 1981 (Com_LC1900-001-005)

Am Abend des 23. März war der Ausbruch vorbei. Es wurde geschätzt, dass zwischen 18 und 30 Millionen Kubikmeter Lava ausgestossen wurden, fast das gesamte Volumen während der ersten 40 Stunden des Ausbruchs. Auf dem Höhepunkt der Eruption schwankte das Volumen des Lavaausstosses zwischen 300 und 600 Kubikmetern pro Sekunde, was für den Ätna aussergewöhnlich hoch ist. Dennoch gab es keine Todesfälle. Hingegen starben grosse Mengen an Vieh einen schrecklichen Tod.

Quellen:

Behncke, Boris: 30 years ago: inferno near Randazzo (Bildbeschrieb auf flickr, zuletzt besucht am 2.3.2021)

Behnke, Boris: The 1981 NNW flank eruption (zuletzt besucht am 2.3.2021)

Gratzl, Karl. (2012). Der Ätna: Der höchste aktive Vulkan Europas. Gnas: Weishaupt.

Wikipedia: Eruzione dell’Etna del 1981 (zuletzt besucht am 2.3.2021)

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