William Scott-Elliot: Atlantis auf seinem Höhepunkt

Seit Wochen tauchen Berichte darüber auf und sorgen bei Einzelnen für Besorgnis. Nein die Rede ist nicht von den Corona-Plänen des Bundes, sondern von einem mysteriösen Metall-Monolith, der in unterschiedlichen Teilen der Welt auftaucht und wieder verschwindet. Ob gut durchdachte Kunstaktion oder ob uns im Corona-Jahr auch noch eine extraterrestrische Invasion bevorsteht, ist zurzeit nicht bekannt. Doch Unbekanntes wurde schon immer mit einem gewissen Hang zum Obskuren erklärt.

So bildeten sich im 19. Jahrhundert unteranderem die Logen der Theosophischen Gesellschaft. Diese okkulte Organisation folgte dem grundlegenden Gedanken, dass alle Lebewesen als eine universale Bruderschaft miteinander verbunden sind. Für diesen Grundsatz wurden philosophische, religions- und naturwissenschaftliche Ansätze miteinander verbunden, um Antworten auf Mysterien und Zusammenhänge in der Welt zu finden.

Darunter auch von Amateur-Anthropologe William Scott-Elliot (1849-1919), der mit Hilfe der astral-hellseherischen Entdeckungen des Theosophisten Charles Webster Leadbeater und Platons Berichten wissenschaftlich Nachforschungen zu Atlantis und Lemurien unternahm. Seine Erkenntnisse fasste er im Buch «The Story of Atlantis», welches 1896 erschien, und «The Lost Lemuria» von 1904 mit insgesamt sechs Karten zusammen.

Darin schildert er, wie die Welt vor einer Million Jahren ausgesehen hat. Nach seinen Erkenntnissen bildeten die Landmassen Lemurien und Atlantis die damalige Welt, wie in der vorgestellten Karte dargestellt wird.

Abb. 1: Karte «Atlantis at Its Prime» von 1896 (K 350025)

Das atlantische Reich erstreckte sich nach Scott-Elliot über den Grossteil der Welt, von Island bis nach Mexiko und Brasilien. Damit versuchte er Antworten auf die Rätsel zu geben, warum die gleichen oder ähnlichen Sprachen, Ethnien und Pflanzen auf getrennten Kontinenten zu finden sind. So führt er z. B. die baskische Sprache, welche keine Gemeinsamkeiten zu einer europäischen besitzt, dafür aber zur Sprache der Ureinwohner Lateinamerikas, auf die Atlanter zurück.

Regiert wurde das Weltreich von der «City of Golden Gates» aus, welche knapp über dem Äquator zwischen dem heutigen Afrika und Südamerika lag. Die Stadt, die auf einem Hügel errichtet wurde, unterteilte sich mittels Kanälen, welche die Stadt mit Wasser versorgte. Die atlantischen Bauwerke sollen gigantisch und reich verziert gewesen und weder von Römern, noch von Griechen übertroffen worden sein.

Abb. 2: Ausschnitt «City of Golden Gates»

Durch innere Unruhen zerbrach schliesslich das Weltreich. Nicht nur wurde der Herrscher von den Anhängern der «schwarzen Kunst» vertrieben, auch gegen den Prunk und die Selbstverherrlichung in den atlantischen Tempel wurde aufbegehrt. Nach Scott-Elliot steht Stonehenge als Protestbau gegen diese Extravaganz errichtet.

Auch die ursprünglichen Landmassen wurden durch vulkanische Katastrophen immer mehr vom Meer verschlungen. An ihre Stellen traten nach Jahrtausenden schlussendlich unsere bekannten Kontinente.

Sicherlich hätte Scott-Elliot auch den Metall-Monolithen mit den Atlantern in Verbindung bringen können. Einziges Rätsel bleibt, warum die Kartensammlung nur Eine, der sechs Karten besitzt bzw. warum nur diese genau nachgezeichnet wurde…

Weiterführende Literatur:

Scott-Elliot, W. (1896). The story of Atlantis : a geographical, historical, and ethnological sketch : illustrated by four maps of the world’s configuration at different periods. Theosophical Publishing House.

AutorInnen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.