Geologische Kartenskizze Schottlands

Das Geschenk eines Exemplars der ersten geologischen Kartenskizze Schottlands von 1861 zeigt den regen wissenschaftlichen Austausch zwischen den führenden Geologen ihrer Zeit. Aber der Besuch des Urhebers der Karte in der Schweiz hätte fast dazu geführt, dass sich die Theorie der sogenannten “Glarner Doppelfalte” nicht in der Geschichte der Entstehung der Alpen hätte etablieren können.

Geologische Karten waren zu Beginn des 19. Jahrhunderts noch eher wenig verbreitet, insbesondere wenn es sich um grossflächige Karten handelte. Mit William Smith, dem Begründer der britischen Geologie, und seinem Werk A delineation of the strata of England and Wales, with part of Scotland (1815) begann aber ein neues Zeitalter geologischer Kartografie.

Die Ursprünge der Geologie in Schottland

Auch in Schottland war man nicht untätig, und der 1815 von Smith publizierte «Part» von Schottland reichte bei weitem nicht, um den Ansprüchen der landeseigenen Experten gerecht zu werden. Der schottische Geologe James Hutton bemühte sich bereits Ende des 18. Jahrhunderts um eine wissenschaftliche Erklärung der geologischen Prozesse und Gegebenheiten, sein Werk «Theory of the Earth» von 1795 erhielt aber erst nach seinem Tod die gebührende Aufmerksamkeit mit weitreichenden Folgen.

Mit dem Aufkommen der geografischen und geologischen Gesellschaften in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts nahmen wissenschaftlicher Austausch und Fortschritt Fahrt auf. So auch die Erstellung geologischer Karten. Sir Roderick Impey Murchison, führender Geologe Schottlands, und Archibald Geikie veröffentlichten 1861 die First sketch of a new geological map of Scotland.

Abb. 1: First sketch of a new geological map of Scotland (1861)

Die Karte selbst bildete gemäss Geikie den Versuch, für Schottland erstmals kartografisch geologische Zusammenhänge aufzuzeigen, und nicht nur Orte zu markieren, an denen «minerals and rocks» gefunden werden konnten. In den Erläuterungen zur Karte schreiben die Autoren auch einleitend, dass sie die Karte als Weiterführung der Arbeit von James Hutton sehen. Dieses Vorhaben traf den damaligen Zeitgeist und steht in Verbindung zu ähnlichen Vorhaben in Grossbritannien, aber auch Frankreich und anderen Ländern wie der Schweiz. Gemeinsam sind den Karten die flächendeckenden Beschreibungen der verschiedenen Gesteinsschichten.

Abb. 2: Detailansicht der Region um Edinburgh und Perth

Murchisons Besuch in der Schweiz und die Glarner Überschiebung

Murchisons Werk oder Beitrag zum Fortschritt der geologischen Erkenntnisse war dann weniger über kartografische Werke begründet, als vielmehr über den intensiven Austausch mit anderen Wissenschaftlern in den verschiedenen Gesellschaften und auf seinen Reisen.

Eine dieser Reisen führte Murchison 1848 in die Schweiz, wo er zusammen mit Arnold Escher von der Linth die Glarner Alpen besuchte, genauer den Segnespass beim Martinsloch. Escher – einer der führenden Alpengeologen der Schweiz und ab 1856 Professor an der ETH Zürich – bat Murchison um eine Einschätzung der geologischen Eindrücke, welchen er wie zuvor sein Vater Hans Conrad Escher von der Linth seine Forschung widmete. Murchisons klarer Haltung einer einzigen grossen Überschiebung als Erklärung konnte Arnold Escher aber nicht viel abgewinnen: Seiner Vorstellung nach handelte es hier um eine Doppelfalte, und weitere Theorien und Nachweise von grossen Überschiebungen der Gebirge erfolgten erst später. Somit etablierte sich die Theorie der Glarner Doppelfalte, welche auch durch Albert Heim noch lange vertreten wurde, bis sie schliesslich aufgrund neuerer Erkenntnisse nicht mehr haltbar war. Man stelle sich vor, Escher hätte 1848 auf Murchison gehört und von der Doppelfalten-Theorie abgelassen, eine spannende Kontroverse wäre bei der Erforschung der Alpenentstehung verloren gegangen. Der heutige Stand der Erkenntnisse lässt aber auf eine komplexere Verbindung zwischen Faltungs- und Überschiebungsphasen schliessen.

Abb. 3: Handschriftliches Geschenkexlibris von Roderick Murchison

Der Besuch in der Schweiz von 1848 führte trotz unterschiedlicher Meinungen zu einer Briefkorrespondenz zwischen Escher und Murchison, und nach Veröffentlichung der ersten geologischen Kartenskizze Schottlands im Jahre 1861 sandte Murchison seinem Kollegen Escher ein signiertes Exemplar des Werkes als Geschenk zu. Dieses Exemplar findet sich heute im Bestand der ETH-Bibliothek und gibt einen kleinen Einblick in den angeregten Austausch führender Wissenschaftler des 19. Jahrhunderts.

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