Highlights aus meiner Diasammlung

Meine Diasammlung enthält rund 10‘000 Bilder von Insekten und Spinnen, von denen etwa die Hälfte digitalisiert ist. Bei meiner fotografischen Tätigkeit ist es mir vor allem darum gegangen, Lebensweise und Verhalten meiner Darsteller zu dokumentieren. Nebenbei sind auch die Schönheit und die zum Teil speziellen „Baupläne“ abgebildet. Besonders fasziniert haben mich die parasitischen Wespen, weshalb ihre Bilder rund einen Drittel der Sammlung einnehmen. Darunter hat es einige Bilder, die erstmals das Parasitierungsverhalten von Wespen zeigen. Einen weiteren Schwerpunkt bilden landwirtschaftliche Schädlinge und deren Feinde, die Nützlinge. Bei den Bildern von Platygastriden sind möglicherweise Arten abgebildet, die bisher in der Schweiz noch nicht nachgewiesen worden sind. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Dokumentation des Insektenlebens in bestimmten Habitaten wie Totholz, Disteln, Brennnesseln oder Schilf. Ebenso nehmen potentielle Schadinsekten eine grössere Rolle ein.

Bei meinen fotografischen Streifzügen bin ich auch immer wieder auf Insekten gestossen, die an einer Krankheit gestorben sind. Dabei sind unter anderem Bilder von bisher unbekannten insektenpathogenen Pilzen entstanden. Die Aufnahmen entstanden zwischen 1970 und 2005. Die Bilder sind im E-Pics-Katalog Tiere, Pflanzen und Biotope unter Bildcode Dia_339 verfüg- und frei downloadbar.

Blattlauswespen

Die meisten der rund 400 Arten von Aphidiinae, einer Unterfamilie der Braconidae (Brackwespen) weisen eine sehr ähnliche Lebensweise auf. Wie der Name „Blattlauswespe“ verrät, leben sie alle als Parasiten von Blattläusen, wobei sich die einzelnen Arten auf verschiedene Blattlausarten spezialisiert haben. Die abgebildete Art, Aphidius ervi, bevorzugt Erbsenblattläuse (Acyrthosiphon pisi) und mit ihr verwandte Arten. Sie zeigt die typische Art der Eiablage der Blattlauswespen: Das Abdomen wird zwischen den Beinen nach vorn gestreckt. Die Eiablage dauert je nach Art zwischen einer knappen Sekunde und einigen wenigen Sekunden. Aus dem Ei schlüpft nach wenigen Tagen die Wespenlarve, die das Innere der Blattlaus ausfrisst und sich anschliessend im entstandenen Hohlraum verpuppt, wobei die sogenannte Blattlausmumie entsteht. Die fertig entwickelte Wespe schneidet mit den Mandibeln ein rundes Loch in den Mumienrücken und gelangt so ins Freie. Verschiedene Arten von Blattlauswespen werden zur Bekämpfung von Blattläusen eingesetzt.

Die Blattlauswespe Aphidius ervi bei der Eiablage in eine Erbsenblattlaus (Dia_339-00045)

Hyperparasitismus bei Blattläusen

Der Feind meines Feindes ist mein Freund – könnte die juvenile Brennnesselblattlaus denken, sofern sie dazu in der Lage ist. Von der Freundschaft allerdings kann sie nicht mehr profitieren. In ihrem Körper wächst die Larve einer parasitischen Blattauswespe heran, die das Innere der Blattlaus frisst und ihren Tod zur Folge hat. Die kleine, ebenfalls parasitische Gallwespe Alloxysta sp., die auf der Blattlaus sitzt, hat die Brackwespenlarve im Innern der Blattlaus aufgespürt und ist nun daran, ein Ei in die Wespenlarve abzulegen. Die Alloxysta-Larve macht dann das gleiche mit der Blattlauswespenlarve, wie diese mit der Blattlaus: sie frisst sie. Ein typisches Beispiel von Hyperparasitismus.

Die parasitische Gallwespe Alloxysta sp. parasitiert eine Blattlauswespenlarve im Innern der Brennnesselblattlaus (Dia_339-00269)

Vermehrungskünstler

Spezielle Vermehrungsstrategien sind bei Insekten nicht aussergewöhnlich. Jene von Copidosoma truncatellum, einer knapp zwei Millimeter messenden Erzwespe, jedoch sprengt die üblichen Dimensionen. Das Weibchen legt ein Ei in das Ei eines Eulenfalters. Die Raupe des Eulenfalters schlüpft ganz normal aus dem Ei und beginnt sich zu entwickeln. Parallel dazu entwickelt sich in ihrem Körper der Parasit. Bei ihm ist es aber nicht so, dass aus dem Ei direkt eine Larve wird. Nein; ein Ei und seine Tochtereier teilen sich mehrmals nach dem Prinzip von eineiigen Zwillingen. Aus einem einzigen Ei des Parasiten können sich durch diese sogenannte Polyembryonie bis zu 2000 Nachkommen in einer einzigen Wirtsraupe entwickeln. Wichtig für den Parasiten ist dabei, dass die tödliche Attacke auf den Wirt erst erfolgt, wenn die Raupe ausgewachsen ist. So kann das Nahrungspotential von den Wespenlarven maximal ausgenützt werden.

Die Erzwespe Copidosoma truncatellum bei der Eiablage in die Eier eines Eulenfalters (Dia_339-00810)

Panzerknacker

Marienkäfer sind gut geschützt, einerseits durch eine derbe Kutikula auf der Bauchseite und andererseits durch die versteiften Vorderflügel, die schildförmig die Rückenpartie bedecken. Die Schwachstellen liegen an den Übergängen zwischen Vorderflügel und Bauchseite. Dies scheint die auf Marienkäfer spezialisierte Schlupfwespe Dinocampus coccinellae zu „wissen“. Das Bild zeigt, wie sie einen Zweipunktmarienkäfer (Adalia bipunctata) an dieser Nahtstelle mit ihrem Ovipositor ansticht und ein Ei ins Körperinnere legt. Die Wespenlarve entwickelt sich im Innern des Opfers und verpuppt sich anschliessen geschützt zwischen Bauchseite des getöteten Marienkäfers und der Pflanze darunter.

Die Marienkäfer-Brackwespe Dinocampus coccinellae parasitiert einen Zweipunkt-Marienkäfer (Dia_339-01124)

Scheinbares Teamwork

In den Internodien von Schilfpflanzen entwickeln sich die Larven von drei Gallmückenarten. Eine davon ist Microlasioptera flexuosa. Sie legt ihr Eipaket im Mai in den hohlen Stängel, indem sie mit ihrem Ovipositor die Blattschichten durchbohrt. Da Schilf in dieser Zeit sehr rasch wächst, kann es passieren, dass der Ovipositor in den sich gegeneinander verschiebenden Blättern verklemmt und die Gallmücke fixiert, was ihren sicheren Tod bedeutet. Ob die Mücke im Todeskampf noch bestimmte Substanzen abgibt ist unbekannt. Jedenfalls ist auffallend, dass sich um derart ums Leben gekommene Gallmücken oft mehrere Prosactogaster erdosi ansammeln. Als spezialisierte Gallmückenparasitoide sind sie in der Lage, mit ihrem verlängerten, schlanken Abdomen ihre Eier durch das bestehende Bohrloch in die Eier der Gallmücke abzulegen. Prosactogaster erdosi Ist auf der Schweizer Artenliste (noch) nicht aufgeführt. Auch das spezielle Eilegeverhalten in Gegenwart des noch lebenden oder auch toten Wirtes wurde noch nie dokumentiert.

Drei Weibchen von Prosactogaster erdosi versuchen. ihre Eier in die Eier der Schilfstängelgallmücke Microlasioptera flexuosa abzulegen (Dia_339-01849)

Ernährungspyramide

Vier trophische Ebenen auf einem Bild vereint: Das Brennnesselblatt, an dem die Grosse Brennnesselblattlaus Microlophium carnosum gesaugt hat und die blattlausfressende Gallmückenlarve Aphidoletes aphidimyza, die Haemolymphe aus der gelähmten Blattlaus saugt. Dabei wird die Gallmückenlarve von der parasitischen Erzwespe Gastrancistrus sp. mit einem Ei belegt. Gastrancistrus sp. war der Wissenschaft schon seit längerem bekannt, nicht aber ihre Lebensweise, die mit dieser Aufnahme erstmals dokumentiert werden konnte.

Die Erzwespe Gastrancistrus sp. bei der Eiablage in die die blattlausfressende Gallmückenlarve Aphidoletes aphidimyza (Dia_339-02033)

Die falsche Ameise

Was aussieht wie eine rote Rasenameise ist die flügellose Schlupfwespe Gelis melanocephalus. Sie legt ein bis etwa vier Eier in die Eicocons von Streckerspinnen (Tetragnathidae). Die ausschlüpfenden Larven saugen einen Teil der Spinneneier aus. Streng genommen ist diese Schlupfwespe also gar kein Parasitoid, sondern ein Räuber. Die ausgewachsenen Schlupfwespenlarven verpuppen sich im Schutze des Eicocons. Es ist unklar wie die Art es schafft, zu Fuss die in der dichten Vegetation verstreuten Spinnengelege zu finden, um für den zur Arterhaltung nötigen Nachwuchs zu sorgen.

Die flügellose Schlupfwespe Gelis melanocephalus parasitiert den Eicocon einer Streckerspinne (Dia_339-02051)

Eindringlinge und Untermieter

Die meisten der einheimischen Gallwespen leben auf Eichen. Die bekanntesten verursachen die kugeligen oder linsenförmigen Gallen an Blattunterseiten. Nun gibt es aber auch Gallwespen, die die Fähigkeit zur Gallenbildung verloren haben. Die meisten gehören zur Gattung Synergus. Wie das Bild zeigt, besteht Ihre Strategie darin, Eier in bestehende Gallen abzulegen. Die Folgen für den Gallenerzeuger hängen davon ab, von welcher Synergus-Art er attackiert wird. Oft endet die Attacke mit dem Tod des Gallenerzeugers. Selten kommt es vor, dass beide Arten eine friedliche Koexistenz eingehen. Häufig aber entwickelt sich der Eindringling durch eine Membran vom Gallenerzeuger getrennt oder gar in einer eigenen, kleinen Galle in der Gallenwand.

Eine Synergus-Gallwespe bei der Eiablage in die Galle einer Eichengallwespe (Dia_339-02449)

Eichengallwespen

Die meisten einheimischen Gallwespen leben auf Eichen, wo sie verschiedene Organe befallen und arttypische Strukturen verursachen, die sogenannten Gallen. Am auffallendsten sind die kugel- oder linsenförmigen Gallen an den Blattunterseiten. Viele einheimische Gallwespen entwickeln zwei Generationen jährlich. Ihre Angehörigen wie auch die von ihnen verursachten Gallen unterscheiden sich aber deutlich, so dass sie wie zwei verschiedene Arten aussehen. Einige Arten erscheinen schon im Spätwinter und legen ihre Eier in Eichenknospen. Dabei werden viele von Vögeln gefressen, wie es der abgebildeten Wespe (Andricus sp.) passiert ist. Der Legeapparat steckt noch in der Knospe, in der sich bereits die Larven entwickeln. Eine der Gallen ist geöffnet und zeigt die Larve, die andere Galle ist unberührt. Die sich in diesen Gallen entwickelnden Wespen werden die Eier in Blätter ablegen und dort eine andere Gallenform und anders aussehende Wespen produzieren.

Zwei Gallen von Andricus sp. in einer Eichenknospe. Der Legeapparat des Muttertieres steckt noch in der Knospe, der Rest des Insekts ist wahrscheinlich von einem Vogel gefressen worden (Dia_339-02702)

Die grösste Erzwespe

Leucospis gigas gilt als die grösste Erzwespe und kommt in Mittel- und vor allem in Südeuropa vor. Sie parasitiert in Nestern von Wildbienen, vor allem von Mörtelbienen. Mit ihrem körperlangen Ovipositor, der in Ruhelage über den Rücken gelegt ist, vermag sie selbst die harte Hülle der Brutzellen von Mörtelbienen zu durchstechen. Zur Eiablage werden Zellen mit schon weit entwickelten Wirtslarven bevorzugt. Die Leucospis-Larve saugt ihren Wirt aus, überwintert in der Brutzelle ihres Wirtes, verpuppt sich im kommenden Frühling und verlässt darauf die Wirtszelle.

Die Erzwespe Leucospis gigas bei der Eiablage in ein Wildbienennest (Dia_339-03690)

Gichtwespen

Die Gichtwespe Gasteruption erythrostomum und ihre Verwandten sind Parasiten vorwiegend von holzbewohnenden Wildbienen. In langsamem Flug suchen sie nach ihren Brutröhren. Haben sie eine entdeckt, schlüpfen sie rückwärts in die Röhre und legen ein Ei ab. Von dieser Tätigkeit lassen sie sich auch von anwesenden Bienen nicht abhalten, nötigenfalls zerren sie die Biene auch aus ihrer Brutröhre.  Die Aufnahme zeigt G. erythrostomum, wie sie das Nest von Hylaeus sp. prüft, während die Biene mit dem Verschliessen der Brutröhre beschäftigt ist. Im nächsten Moment wird die Gichtwespe landen, ihren schlanken Legebohrer durch die bestehende Lücke ins Bienennest stossen und ein Ei ablegen. Bemerkenswert ist, dass die Biene kein Abwehrverhalten zeigt.

Die Gichtwespe Gasteruption erythrostomum prüft das Nest einer holzbewohnenden Wildbiene (Dia_339-03782)

Buchengallmücken

Im Frühling bei Vegetationsbeginn haben viele Gallmücken Hochsaison, besonders jene, die sich auf Bäumen und Büschen entwickeln. Zu dieser Zeit können die Eier problemlos zwischen die sich entfaltenden Blätter geschoben werden. Auf Buchenblättern entwickeln sich zwei Gallmückenarten mit einer sehr ähnlichen Lebensweise. Die bekanntere ist die abgebildete Mikiola fagi (Buchenblattgallmücke). Ihre bauchig-konischen Gallen finden sich oft in Gruppen auf der Blattoberseite. Sie sind glattwandig und unterscheiden sich dadurch von den behaarten Gallen von Hartigiola annulipes (Kleine Buchenblattgallmücke). Die Gallen mit den ausgewachsenen Larven fallen im Herbst zu Boden. Im Frühling verpuppen sich die Larven und kurze Zeit später schlüpfen die ausgewachsenen Gallmücken.

Die Buchenblattgallmücke Mikiola fagi bei der Eiablage in eine Buchenknospe (Dia_339-04529)

Blattlauslöwe

Bekannte räuberische Insekten werden gerne mit Namen von Grossraubtieren versehen. So ist es auch der Larve der Florfliege Chrysoperla carnea ergangen. Sie verfügt in der Tat über zwei kräftige, zangenförmige Mandibeln, mit denen sie ihre Beute packt und aussaugt. Der Name „Blattlauslöwe“ weist auf die Lieblingsnahrung hin, er ist aber im Grunde genommen eher ein Opportunist und frisst, was er erwischt. Ausgewachsen sind die Tiere als Florfliege oder Goldauge bekannt. Florfliege weist auf das reichhaltige, zarte Flügelgeäder hin und Goldauge selbstredend auf die goldig schimmernden Augen. Als ausgewachsenes Insekt ernährt es sich von Pollen. Eigenartig sind auch ihre Eier, die sich am Ende eines etwa 10 Millimeter langen Stiels befinden und so vor Fressfeinden recht gut geschützt sind.

Die Larve der Florfliege Chrysoperla carnea saugt eine Erbsenblattlaus aus (Dia_339-05686)

Das Alarmsystem der Blattläuse

Die Überlebensstrategie der Blattläuse ist ihre ausserordentlich rasche Vermehrungsfähigkeit, dies dank Viviparie und Parthenogenese. Weil sie sehr weichhäutig und praktisch wehrlos sind, werden sie zur Beute zahlreicher Insektenfresser. Ganz wehrlos sind sie aber nicht. Werden sie angegriffen, so stossen sie aus ihren zwei Rückenröhren, den Siphonen, ein Sekret aus. Mit der Klebrigkeit können sie damit schon mal eine kleine Schlupfwespe ausser Gefecht setzen. Wichtiger aber ist, dass das Sekret ein Alarmpheromon enthält, das die Blattlauskolonie in Aufregung versetzt. Agile Blattläuse lassen sich fallen, andere ziehen sich vom Tatort zurück. Abgebildet ist eine Sichelwanze (Nabidae), die eine Blattlaus attackiert. Als Reaktion ist zu sehen, wie ein Sekrettropfen eine Rückenröhre verlässt, während der Sekrettropfen der anderen Rückenröhre gegen die angreifende Wanze fliegt.

Die angegriffene Blattlaus schleudert Sekrettropfen aus ihren Rückenröhren gegen die angreifende Sichelwanze (Dia_339-08329)

Brautwerbung bei Raubspinnen

Spinnenmännchen leben gefährlich. Oft endet ihr Leben bei der Paarung. Um diesem Schicksal  zu entkommen, haben die Männchen verschiedener Arten raffinierte Strategien entwickelt. Die Männchen der Listspinne Pisaura mirabilis versuchen es mit einem Brautgeschenk. Bei diesem handelt es sich um ein in Spinnenseide eingewickeltes Beutetier, das sie mit ihren Cheliceren vor sich her tragen und einem Weibchen präsentieren. Ist dieses an einem Verhältnis interessiert, übernimmt es das Geschenk. Damit sind seine Giftklauen anderweitig beschäftigt und die Paarung kann für das Männchen gefahrlos stattfinden.

Das Listspinnenmännchen (rechts) wirbt mit einem Beutetier um die Gunst des Weibchens (Dia_339-09817)

Erynia tumefacta

Erynia tumefacta ist ein Pilz aus der Familie der Entomophthoraceen. Alle der zurzeit rund 250 bekannten Arten der Familie sind Pathogene von Insekten, nur wenige befallen Milben und andere Spinnentiere. Alle Arten sind sehr spezialisiert, befallen nur eine einzige Wirtsart oder eng verwandte Wirte. Eine weitere Eigenschaft dieser Pilze ist die rasche Vermehrung und damit zusammenhängend die Tendenz, unter ihren Wirten Seuchen auszulösen. Erynia tumefacta, ein Pathogen  der Fliege Polietes lardaria, wurde an zwei Voralpenbächen in der Ostschweiz entdeckt und als neue Art beschrieben. In einem Fall trat sie seuchenhaft auf; auf einer Distanz von rund 50 Metern konnten knapp 100 verpilzte Fliegen gesammelt werden. Im anderen Fall waren nur vereinzelte verpilzte Fliegen vorhanden.

Vom Pilz Erynia tumefacta getötete Fliege (Dia_339-10234)

Technische Notiz

Für die Aufnahmen verwendete ich Spiegelreflexkameras der Marke Pentax, hauptsächlich Pentax ME und Pentax MZ-M. Als Objektive dienten zwei Novoflex-Objektivköpfe mit den Brennweiten 105 mm und 60 mm, die auf ein Novoflex-Balgengerät, später auf einem Pentax-Balgengerät montiert waren. Kleinstinsekten von ca. 1-4 mm Länge fotografierte ich mit einem Zeiss Luminar-Lupenobjektiv, das mit einem eigens angefertigten Adapter ebenfalls auf die Balgengeräte geschraubt werden konnte. Der Filmtransport erfolgte anfänglich manuell, später automatisch mittels eines Elektromotors. Für die Beleuchtung verwendete ich anfänglich ein normales Blitzgerät, wegen der störenden Schlagschatten stellte ich aber bald auf einen Ringblitz um. Als Standardfilm diente der Kodachrome 21. Speziell für Kleininsekten verwendete ich wegen der höheren Empfindlichkeit gelegentlich Ektachrome-Filme. Dazwischen experimentierte ich auch mit anderem Filmmaterial. Praktisch alle Aufnahmen entstanden im Freiland ohne Stativ oder anderes störendes Zubehör. Ausnahmsweise sammelte ich parasitische Wespen und ihre Wirte ein, um sie zu Hause in einer umgebungsgerechten Arena beim Parasitierungsvorgang fotografieren zu können.

Wie der Diabestand ins Bildarchiv kam

Die Medienberichterstattung über unsere Crowdsourcing-Aktivitäten Anfang 2016 hat Siegfried Keller auf das Bildarchiv der ETH-Bibliothek aufmerksam gemacht. Nach über 40 Jahren beruflicher Tätigkeit als Entomologe suchte er einen langfristigen Platz für seine umfangreiche Kleinbilddiasammlung. In seiner Freizeit betätigte sich Sigi Keller nämlich als ausdauernder Tierfotograf. Schädlinge und Nützlinge sowie räuberische und parasitische Insekten „in action“ sind das Merkmal seiner qualitativ hochwertigen Bilder, die auch die Biologie der Tiere sehr gut abbilden, so die Einschätzung eines unabhängigen Entomologen. Der Bildbestand passt in das Sammlungsprofil der ETH-Bibliothek (vgl. Neubauer 2012).

Die Aufbereitung von Sammlungen dieses Umfangs ist immer sehr ressourcenintensiv. Für Nicht-ETH-Angehörige wollen und können wir dies nicht ohne zusätzliche Hilfe machen, sei dies in Form einer finanziellen Unterstützung oder Unterstützung in „Mann“-Stunden. Zumal die Sammlungsanbietenden meist auch implizit die Erwartung hegen, dass ihre Bilder relativ zeitnah auf online verfügbar sein sollten.

Bei Sigi Keller haben wir deshalb erstmals das folgende „Geschäftsmodell“ erprobt. Es hat sich aus mehreren Gründen sehr gut bewährt.

Inventarisierung und Signierung durch den Sammlungsanbieter

Der Sammlungsanbieter, also Sigi Keller, übernimmt die Inventarisierung auf Excellisten, die Signierung jedes einzelnen Bildes sowie die Umverpackung in Archivschachteln gemäss Vorgaben des Bildarchivs.

Die Sammlung umfasste ursprünglich über 20‘000 Dias. In einer ersten Sichtung eliminierte Sigi Keller etwa die Hälfte der Dias, weil sie entweder nicht die gewünschte Schärfe hatten oder mehrfach vorhanden waren. Die verbliebenen über 10‘000 Dias teilte er in die zwei Kategorien „scannen“ und „nicht-scannen“ ein. Die besten Bilder bezüglich Schärfe oder Dokumentation art-typischer Lebens-und Verhaltensweisen sind in der ersten Kategorie enthalten.

Dass dieser erste arbeitsintensive Schritt durch den Fotografen selber ausgeführt wurde, ist geradezu ein Glücksfall. Denn der Fotograf kann am besten entscheiden, welche Bilder tatsächlich für die Nachwelt aufbewahrungswürdig sind. Er kann eine inhaltliche Selektion treffen, die uns Laien in der Form nicht möglich wäre. Eine Selektion ist bei den meisten modernen Beständen sinnvoll, da erfahrungsgemäss viele redundante oder doch sehr ähnliche Bilder vorhanden sind. Der Fotograf weiss am besten, welches Bild seine Bildabsichten am besten getroffen hat und welches nicht. Wenn der Fotograf dann auch noch die Inventarisierung selber machen kann, also das Erstellen der Listen mit den wichtigsten Bildinformationen (Titel, Beschreibung, Datum), ist eine hohe Metadatenqualität gewährleistet

Wir haben Sigi Keller die Archivschachteln geliefert und er hat die Dias nach unserem Schema signiert: Dia_339-00001ff sowie umverpackt.

Von der Digitalisierung bis zur Archivierung durch die ETH-Bibliothek

Sigi Keller schickte uns jeweils mehrere Archivschachteln für die Digitalisierung. Kleinbilddias lassen wir im bibliothekseigenen DigiCenter auf dem Nikon Coolscan scannen. Die Scans werden im Bildarchiv einer Qualitätskontrolle unterzogen, bevor sie ins Bilddatenbanksystem eingepflegt werden. Dort werden die TIFs aufgrund des Bildcodes mit den Metadaten aus den von Sigi Keller nach unseren Vorgaben erstellten Excellisten gematcht. Die Metadaten der nicht-digitalisierten Bilder sind ebenfalls in der Bilddatenbank eingepflegt, von aussen leider nicht abrufbar.

Aus inhaltlichen Überlegungen ist die Diasammlung von Sigi Keller nicht im E-Pics Bildarchiv Online, sondern im E-Pics-Katalog Tiere, Pflanzen und Biotope online gestellt. Eine ausführliche Bestandsbeschreibung findet sich ebenfalls dort unter Bildcode Dia_339-00000.

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