Die Cometen: Hans Gerber

Der dritte Fotograf in unserer Serie über die Fotografen der Comet Foto AG ist Hans Gerber (1917-2009). Gerber absolvierte von 1933 bis 1935 eine Fotografenlehre und besuchte danach die „Deutsche Schule für Phototechnik“ in Berlin. Von 1941 bis 1952 arbeitete er als Pressefotograf für die Agentur Photopress. 1952 war er Gründungsmitglied der Bildagentur Comet Photo AG. Um das Jahr 1971 verliess er Comet und arbeitete als freischaffender Fotograf.

Die Augen der Welt = Photoreporter

Hans Gerber: Selbstporträt, 1952 (Com_M01-1238-0034)

Athen, Akropolis

Comet Photo AG: Hans Gerber auf der Akropolis, 1955 (Com_L04-0310-0001)

Comet Photo AG: Hans Gerber und Jack Metzger bei der Arbeit am Leuchtpult,1960 (Com_L10-0354-0007)  

Testaufnahmen mit Panon-Widelux

Hans Gerber: Testaufnahme mit Panon-Widelux, 1962 (Com_L11-0084-0001-0005)

1955 war Hans Gerber beteiligt an der zweiten Ausstellung des Kollegiums Schweizerischer Photographen im Helmhaus Zürich mit dem Titel „Photographie als Ausdruck“. Wie die Bildseite aus der NZZ zeigt, befand er sich dabei in der illustren Gesellschaft von Kurt Blum, Robert Frank, Rob Gnant, René Groebli, Gotthard Schuh, Christian Staub und Jakob Tuggener. Die Haltung, welche diesen Fotografen gemeinsam war, ist laut Nanni Baltzer die höhere Gewichtung von subjektivem Eindruck und subjektivem Blick gegenüber der „Objektivität“: „Die atmosphärische Dichte steht über dem Reportagegehalt der Bilder…“ und Fotografie wird als eigene Kunstform verstanden (vgl. Balzer, S. 27).

Baltzer_26

„Photographie als Ausdruck“, Aufnahmen von links oben im Uhrzeigersinn: Robert Frank, Hans Gerber, Kurt Blum, Rob Gnant, Christian Staub, NZZ, 12. März 1955 (Baltzer, S. 26).

Fragt man Beatrix Lindroos, die Tochter von Björn Eric Lindroos, war Gerber der sensibelste Fotograf bei Comet. Er besass eine besondere Fähigkeit, den Blick auf die lokalen und sozialen Gegebenheiten zu richten, und gleichzeitig das Gesehene mit seinem ästhetischen Bewusstsein zu verbinden. Diese Verbindung wird auch in den zahlreichen Reportagen im Ausland deutlich, die er für die Agentur machte. Die Reisen führten ihn unter anderem nach Algerien (1955), Griechenland (1955), Jordanien (1956), Alaska (1958), in den Orient (1958), Österreich (1960), Skandinavien (1961), Libanon (1966), Moskau (1966), Italien (1967), Japan (1970) und Rumänien (1970).

Gaswerk Zürich

Hans Gerber: Arbeiter, Gaswerk Zürich, 1957 (Com_C06-076-007)

El Oued, Meharisten

Hans Gerber: El Oued, Meharisten, 1955 (Com_L04-0126-0002)

Griechenlandreise, Europahilfe

Hans Gerber: Griechenlandreise, 1955 (Com_L04-0301-0003)

Hans Gerber: Die Griechin zwischen Gestern und Morgen, Schweizer Illustrierte Zeitung, 28. November 1955

Orient-Reise

Hans Gerber: Orient-Reise, 1958 (Com_L07-0137-0013-0008)

Rumänien, Kinderheim der UNICEF im Überschwemmungsgebiet

Hans Gerber: Rumänien, Kinderheim der UNICEF im Überschwemmungsgebiet, 1970 (Com_L19-0380-0003-0001) 

Angesprochen auf die Sensibilität Gerbers, hegt sein langjähriger Kollege Heinz Baumann Zweifel. Gerber habe in seiner späteren Zeit gerne mit Motor fotografiert und nach getaner Arbeit eine ganze Tasche belichteter Filme auf das Pult von Björn Eric Lindroos ausgeleert. Auf den Filmen sei ein und dieselbe Statue aus demselben Blickwinkel in grosser Zahl abgebildet gewesen. Diese etwas pointierte Aussage relativiert sich sogleich, wenn man bedenkt, dass die Comet-Fotografen Rivalen waren. Ihre individuellen künstlerischen Ansprüche und Haltungen mögen die alltäglichen Rivalitäten durchaus noch verstärkt haben.

Zitierte Literatur:

Nanni Baltzer: „Reproduzierte Fotografie. Gotthard Schuh als NZZ-Bildredaktor“ in: Rundbrief Fotografie, Juni 2017, Vol. 24, No. 2, S. 20-34.

Link:

Eintrag über Hans Gerber im Fotografenverzeichnis von fotoCH

Weitere Beiträge in der Reihe „Die Cometen“:

Björn Eric Lindroos

Die Cometen: Zum 100. Geburtstag von Jack Metzger

Die Cometen: Heinz Baumann

Die Cometen: Walter Schmid

geplant sind:

Werner Catrina, Beat Albrecht, Christoph Sonderegger, Hans Krebs und weitere.

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