Dorés Comic: Eine Tourismussatire

Im Altbestand der ETH-Bibliothek befindet sich eines der ersten französischen Comics, nämlich die Bildergeschichte «Des-agréments d’un voyage d’agrément» von Gustave Doré. In diesem 1851 erschienenen Bildband machte sich der junge Zeichner Gustave Doré über die aufkommende Mode des Alpinismus lustig.

Selber in den Bergen aufgewachsen und mit der Natur vertraut, spottet er über die Touristen, die sich nur auf Bergführer und Resorts verlassen und sich allein in der Natur kaum zurechtfinden. Die Geschichte ist eine Satire auf den Alpintourismus, die Bourgeoisie und ihre Vorstellung von romantischen Abenteuern.

"Des-agréments d'un voyage d'agrément" von Gustave Doré

Abb. 1: Titelseite des Comics

In 25 Lithografien mit 174 Zeichnungen erzählt Doré die Geschichte von Monsieur und Madame Plumet, einem bürgerlichen Ehepaar aus Paris, das während einer Aufführung von Wilhelm Tell ganz ergriffen von den dunklen Wäldern der Alpen zu träumen beginnt. Die beiden plündern ihr Sparschwein und begeben sich auf eine Reise in die Schweizer Berge, wo sie allerhand Abenteuer und Unglücke erleben. Der Reiseweg des Ehepaars Plumet von Paris über Genf bis in die Alpen kann auf ETHorama auch auf einer Karte nachverfolgt werden.

"Des-agréments d'un voyage d'agrément" von Gustave Doré

Abb. 2: Das Ehepaar Plumet hat sich für die Reise ausstaffiert

Diese Geschichte der «Unannehmlichkeiten einer Vergnügungsreise» ist in der Ich-Form erzählt und wie ein privates Reisetagebuch des Monsieur Plumet gestaltet. Auch Gustave Doré selbst kommt in der Geschichte vor. In der Schweizer Bergen trifft Monsieur Plumet einen berühmten Maler an, der dort Landschaftsbilder malt und Herrn Plumet rät, sein Reisetagebuch später bei dem Verleger Aubert in Paris zu veröffentlichen. Dieser Auftritt ist einerseits ironisch, da Doré oft vor seinen Freunden prahlte, dass er nicht in der Natur zu sitzen brauche, da er alles aus dem Gedächtnis malen könne. Andererseits zeigt sich darin das grosse Selbstbewusstsein des erst 19 Jahre alten Künstlers, der sich selbst in der Geschichte als grosse Berühmtheit darstellt.

"Des-agréments d'un voyage d'agrément" von Gustave Doré

Abb. 3: Monsieur Plumet trifft auf den Landschaftsmaler Gustave Doré

Bereits als Kind zeigte der 1832 in Strassburg geborene Gustave Doré grosses künstlerisches Talent. Die Familie besuchte 1847 Paris, wo es dem 15-jährigen Jungen so gut gefiel, dass er bleiben wollte. Dafür fertigte er kurzerhand einige Zeichnungen an, marschierte ins Verlagshaus Aubert, fragte nach dem Verleger Charles Philipon und zeigte ihm seine Illustrationen. Obwohl er bis dahin keine künstlerische Ausbildung genossen hatte, beeindruckten seine Werke so sehr, dass er umgehend seinen ersten Vertrag als professioneller Künstler erhielt. Gustave Doré durfte in Paris bleiben und wurde bereits im Alter von 17 Jahren zum bestbezahlten Illustrator Frankreichs.

"Des-agréments d'un voyage d'agrément" von Gustave Doré: Darstellung des Berner Oberlands

Abb. 4: Das Berner Oberland in den Augen von Monsieur Plumet

Sein Lebenswerk umfasst tausende Holzschnitte, Lithografien und Zeichnungen, er malte aber auch Ölgemälde und schuf einige Skulpturen. Berühmt wurde er insbesondere mit seinen Illustrationen für verschiedene Werke von Lord Byron, Dantes Inferno, Cervantes Don Quijote sowie für die englische Bibel.

Quellen
Doré, Gustave (1851): Des-agréments d’un voyage d’agrément. Paris, Aubert & Cie.
Malan, Dan (1995): Gustave Doré. Adrift on dreams of splendor. St. Louis, Malan Classical Enterprises.
Farner Konrad (1963): Gustave Doré. Der industrialisierte Romantiker. Zürich, Limmat Verlag.

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