Mein Freund der Baum ist tot

Pinus silvestris L. starb für die Wissenschaft. Hinter diesem wissenschaftlichen Namen versteckt sich die Waldkiefer. Sie gehört zu der Familie der Pinaceae, der Kieferngewächse, der auch die Pinie (Mittelmeerkiefer) zugeordnet ist.

Solange der Baum lebt und im Ganzen bleibt, können Waldspaziergänger und Mittelmeerreisende diese beiden Arten vermutlich anhand ihres Standorts, Ihrer Gestalt und ihres Wuchses, der Borke, der Form ihrer Nadeln und ihrer Zapfen gut unterscheiden.

Die Zuordnung von verarbeitetem Holz ist da schon schwieriger. Anhand der Gewebeverteilung und –struktur können Fachexperten charakteristische Merkmale für eine Gattung erkennen. Für Ihre Arbeit greifen sie auch auf Vergleichsmaterial zurück, das von Xylotheken gesammelt und aufbereitet wird. Insbesondere das Stammholz ist für die Analyse geeignet, Zweig- und Wurzelholz weisen bei den typischen Strukturen zu grosse Variabilität auf, um eindeutig zugeordnet werden zu können.

Die Ursprünge der Holzanatomie gehen auf die Zeit zurück, in der Robert Hook (1635-1703) das Mikroskop erfand. Nehemiah Grew (1628-1711) und Marcello Malpighi (1628-1694) waren die Ersten, die sich daran machten aus pflanzlichem Gewebe neue Erkenntnisse zu gewinnen. Fortschritte machte die Wissenschaft danach vor allem, durch die Erfindung neuer optischer und technischer Geräte, wie beispielsweise der Schneidemaschine für Gehölze von John Hill (1770).

Die Analyse der Holzanatomie von Holzproben findet heutzutage in vielen verschiedenen Bereichen Anwendung. Einige Hölzer stehen unter Artenschutz (Washingtoner Artenschutzabkommen (Convention on International Trade in Endangered Species = CITES) und unterliegen strengen Einfuhr- und Handelsbestimmungen. Art- und Herkunftsnachweise von Holz und Holzprodukten werden deshalb in diesem Zusammenhang vom Holzhandel, dem Zoll, im Baugewerbe, in der Möbel- und Musikinstrumentenherstellung benötigt, um Zertifizierungen und Handelsverbote durch- und umzusetzen. In der Kunst, dem Kunsthandwerk und der Restaurierung sind unter anderem die Materialeigenschaften von Interesse, die sich aus der Holzart ableiten lassen. Im Rahmen der Forschung von Archäologie, Paläobotanik, sowie der Dendrochronologie erlauben Holzanalysen, Rückschlüsse auf die Beziehungen der Menschen zum Rohstoff Holz und die ehemaligen Umweltverhältnisse zu ziehen.

In der Xylothek am Institut für Baustoffe der ETH Zürich läuft zurzeit ein Projekt zur Digitalisierung von mikroskopischen Präparaten von Holzarten und der Beschreibung ihrer holzanatomischen Merkmale. Es werden Dünnschnitte verschiedener Schnittrichtungen des Holzes angefertigt und unter dem Lichtmikroskop abfotografiert. Dies ist eine aufwendige Prozedur, von der auch andere Forscher profitieren können. Weitere mikroskopische Aufnahmen zu Holzarten aus der Xylothek der ETH Zürich finden Sie hier.

Literatur

Bariska, Mihàly, Eidgenössische Technische Hochschule (Zürich), Professur Holzwissenschaften (Hrsg.): Einführung in die Holzartenkunde. 2000 (DOI: https://doi.org/10.3929/ethz-a-004532545)

Baum, Sebastian, u. a., Eidgenössische Technische Hochschule (Zürich), Professur Holzwissenschaften (Hrsg.): Holzkunde II. 2003 (DOI: https://doi.org/10.3929/ethz-a-004536640)

Bosshard, Hans Heinrich. Mikroskopie und Makroskopie des Holzes (Vol. 18, Lehrbücher und Monographien aus dem Gebiete der exakten Wissenschaften. Reihe der experimentellen Biologie). (1982). http://www.library.ethz.ch/DADS:default_scope:ebi01_prod000308442

Schweingruber, Fritz Hans, Lenz, Oscar, & Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft. (1990). Mikroskopische Holzanatomie : Formenspektren mitteleuropäischer Stamm- und Zweighölzer zur Bestimmung von rezentem und subfossilem Material = Anatomie microscopique du bois = Microscopic wood anatomy (3. Aufl. ed.). Birmensdorf: Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft. http://www.library.ethz.ch/DADS:default_scope:ebi01_prod000566747

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