«Schwundgeld»: Negativzins-Propaganda in den 1930er Jahren

«Ein Gespenst geht um in Europa» und auch darüber hinaus – aber nicht mehr «das Gespenst des Kommunismus» wie bei Marx und Engels, sondern der wie ein Damoklesschwert allgegenwärtig drohende Negativzins.

Silvio Gesell – Erfinder des «Schwundgeldes»

Nur Wenigen dürfte dabei bewusst sein, dass der Negativzins keine Erfindung unserer Tage ist, sondern als Idee erstmals schon vor 100 Jahren durch den deutschen Wirtschaftstheoretiker Silvio Gesell, den Vater der Freiwirtschaftslehre, lanciert wurde. Damals war zwar nicht von Negativzins, sondern von «Freigeld» oder «Schwundgeld» die Rede. Durch einen kontinuierlichen Wertschwund sollte eine Hortung des Geldes verhindert und stattdessen eine Art «Umlaufzwang» geschaffen werden. Dadurch erhoffte Gesell, die Wirtschaft dauerhaft in Schwung halten zu können.

Die Ideen der Freiwirtschaftslehre stiessen zeitweise auch in der Schweiz auf fruchtbaren Boden, besonders als die Rezepte der etablierten Parteien in den Jahren der Weltwirtschaftskrise offensichtlich versagten.

HKS_Wer-ist-der-Mann_Actualis-angepasstHans K. Sonderegger – eine polarisierende Figur (AfZ, Biogr. Sammlung)

Sonderegger – steiler Aufstieg und tiefer Fall

Einer der prominentesten, erfolgreichsten und zugleich umstrittensten Freiwirtschafter in der Schweiz war Hans Konrad Sonderegger, ursprünglich Pfarrer, dann Redaktor und Anwalt aus dem Appenzellerland. Ein steiler politischer Aufstieg in den 1930er Jahren katapultierte ihn als ersten Freiwirtschafter überhaupt ins eidgenössische Parlament. Während des Zweiten Weltkriegs beging er jedoch einen folgenschweren Fehler, der seine politische Karriere abrupt beenden sollte.

Veranstaltungshinweis: Hans Konrad Sonderegger – populistischer Volkstribun und Führer der Freiwirtschaftsbewegung

Abendführung im Archiv für Zeitgeschichte vom 31. Oktober 2017, 18.15-19.15 Uhr

Erfahren Sie mehr über diese ebenso faszinierende wie schillernde Figur auf dem schweizerischen Politparkett der dreissiger und vierziger Jahre – besuchen Sie die Abendführung im Archiv für Zeitgeschichte vom 31. Oktober 2017! Beginn: 18.15 Uhr. Dauer: ca. 1 Stunde. Anmeldung nicht erforderlich.

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