Zum ersten Mai

Gerade weil der erste Mai dieses Jahr auf einen Sonntag fällt und die arbeitende Bevölkerung einen arbeitsfreien Tag „verliert“, schenken wir ihm heuer unsere Aufmerksamkeit. In Zürich war der Tag der Arbeit über Jahre hinweg gekennzeichnet von wüsten Strassenschlachten und Gewalt auf der Strasse. Erst in den letzten zwei bis drei Jahren konnte der Anlass durch  eine Umleitung des Demonstrationszuges und kluges Taktieren der Polizei wieder einigermassen friedlich abgehalten werden. Hier ein historisches Bild aus noch früheren friedlichen Zeiten, als der erste Mai in Zürich noch kein arbeitsfreier Tag war. Dies ist nämlich erst seit dem 24.3.1971 der Fall.

1. Mai-Feier in Zürich

Candid Lang: 1. Mai-Feier in Zürich, 1955 (Com_M04-0111-0001)

Die Musikanten haben ihre Instrumente niedergelegt, um der 1.-Mai-Rede zuzuhören. Zur Bedeutung der Musik für den ersten Mai schreibt Derek Weber:

Der 1. Mai war immer ein Festtag mit Musik. Die Kindheitserinnerungen an diesen Tag sind verbunden mit dem Weckruf von Eisenbahnermusik- und Bergknappenkapellen. Historisch betrachtet hatten die Aufmärsche zum 1. Mai von Beginn an festlichen Charakter. Die Teilnehmer der Umzüge trugen Sonntagskleidung, waren herausgeputzt wie die Fenster der Häuser, in denen die Arbeiter wohnten. Mein Grossvater, ein Eisenbahner, hatte für den Maiumzug seine schönste Uniform an (S. 62).

Was früher nebst der guten Kleidung auch dazu gehörte, war der Ausflug ins Grüne am Nachmittag. Damit wurde der Feiertag erst Recht zum Freudentag. Hoffen wir, dass der diesjährige erste Mai friedlich und auch punkto Wetter nicht zu unfreundlich wird.

Literatur:

Urs Anderegg: Der 1. Mai in der Schweiz (1890-2005). Marburg, 2008.

Derek Weber: „Der 1. Mai in Musik, Gustav Mahler und Dimitri Schostakowitsch“ in: Wolfgang Maderthaner: Acht Stunden aber wollen wir Mensch sein: Der 1. Mai, Geschichte und Geschichten. Wien, 2010 (S. 62-74).

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