Spieglein, Spieglein: Das Längsprofil des Zürichsee-Thales

Auf den ersten Blick wirkt das vorliegende Werk wie die Skizze eines Panoramas, welches die Albiskette und die nördlichen Ausläufer der Schwyzer Alpen umfasst, und deren Profile als Spiegelung auf der Wasseroberfläche des Zürichsees zurückgeworfen wird. Bei genauerem Hinsehen fallen dann aber doch einige Ungereimtheiten auf.

Irgendwie passen die Profile der Gebirgsketten nicht so ganz zueinander, für ein Panorama sind etwas gar viele technische Details angemerkt, und überhaupt: Der Blatttitel lautet ja Längsprofil des Zürichsee-Thales, womit wir geklärt hätten was wir nun eigentlich vor uns haben.

längsprofil_zürichseetal_1
Abb. 1: Längsprofil entlang des rechten und linken Zürichseeufers und der Limmat 

Die schon fast optische Täuschung entsteht dadurch, dass August Aeppli (1859 – 1938) Längsprofile des linken und rechten Zürichseeufers gegenüberstellt. Das Profil, welches im Rahmen der Dissertation von Aeppli zum Thema Erosionsterrassen und Glazialschotter in ihrer Beziehung zur Entstehung des Zürichsees 1893 an der Universität Zürich hergestellt wurde, diente dazu aufzuzeigen, wo die verschiedenen markanten Terrassen des Zürichsee-Tals verlaufen (siehe Abb. 2) und im Rahmen der Dissertation deren Entstehung zu ergründen.

längsprofil_zürichseetal_2

Abb. 2: Die durch Aeppli unterschiedenen zehn Terrassen / Talbodensysteme 

Ein weiteres Längsprofil des Zürichseetals (vorwiegend entlang des linken Seeufers) entstand in Zusammenarbeit mit Prof. Albert Heim, dessen Schüler Aeppli während seiner Studienzeit am Polytechnikum 1881 – 1894 war. Heim war es auch, welcher den ursprünglich als Lehrer ausgebildeten Aeppli 1894 als Schriftführer der Geologischen Kommission der Schweizerischen Naturforschenden Gesellschaft einsetzte. Als Mitglied in diversen weiteren Kommissionen trug Aeppli viel zur Verbesserung kartographischer Lehrmittel in der Schweiz bei, insbesondere hinsichtlich der Erarbeitung des Atlas für Schweizerische Mittelschulen (später: Schweizerischer Mittelschulatlas), als dessen eigentlichen „Vater“ Eduard Imhof August Aeppli bezeichnet. Weitere kartografische Produkte blieben leider aus, womit wir uns mit dem optisch ansprechenden Längsprofil begnügen müssen – zu finden auf e-rara.ch und ETHorama.

 

Literatur:

  • Aeppli, August (1894): Erosionsterrassen und Glazialschotter in ihrer Beziehung zur Entstehung des Zürichsees. Bern: Schmid, Francke (Beiträge zur geologischen Karte der Schweiz. Neue Folge, Lfg. 4 = Lfg. 34).
  • Imhof, Eduard (1938): Prof. Dr. August Aeppli (1859—1938), in: Mitteilungen der Geographisch-Ethnographischen Gesellschaft Zürich, 38 (1937-1938), S. 3-7.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.