Volume 18 und Struktur 28 – Kunst von Gottfried Honegger an der ETH Zürich

Mit einem Artikel über zwei seiner Plastiken aus dem Kunstinventar der ETH Zürich möchten wir unseren Beitrag zum Gedenken an Gottfried Honeggers Leben und Werk leisten.

1917 geboren und am vergangenen Sonntag 17. Januar im Alter von 98 Jahren verstorben, hat Gottfried Honegger ein umfangreiches Lebenswerk hinterlassen. Seine 2012 zum 95. Geburtstag erschienene Autobiografie zählte bis dahin 34699 gelebte Tage (Honegger 2012).

Seine roten Reliefs und seine Tableau-Reliefs, seine Kompositionen, seine gegossenen, fraktalen oder Stein-Skulpturen, seine Bilder und Metallbilder, seine Pliagen und Bildobjekte sind weltberühmt und beleben öffentliche und private (Stadt-) Räume in der ganzen Welt. Unter den vielen Werken, die sich in Zürich befinden, sind zwei seiner gegossenen Skulpturen im öffentlichen Raum der ETH Zürich jederzeit für alle zugänglich.

Die Plastik Volume 18, eine Schenkung von Michael Hilti im Jahr 2008, steht vor der Nordfassade des Hauptgebäudes. Der erste grosse Auftrag des Künstlers für den öffentlichen Raum war 1968 für den Pausenplatz des von den Architekten Ueli Flück und Robi Vock neu gebauten Schulhauses Hof in Villmergen (Kanton Aargau) entstanden. Heute begrüsst sie, in ihrer ursprünglichen Gestalt vom Künstler selbst verändert, jeden, der durch den Eingang an der Tannenstrasse das Hauptgebäude betritt.

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Gottfried Honegger, Volume 18, 1968, weisser Polyester (schwarz gefasst), 300 x 150 x 150 cm, ETH Zentrum, HG, Aussen, vor der Nordfassade, Ansicht von Nordosten (Kunstinventar der ETH Zürich, Ki-00165)

Bei der zweiten Skulptur von Gottfried Honegger aus dem Kunstinventar der ETH Zürich handelt es sich um eine Chromstahlplastik mit dem Titel Struktur 28 aus dem Jahr 1970. Das Objekt entstand nicht als Kunst am Bau, wurde aber zu einem, nachdem sie im Feuerweiher vor dem Physikrestaurant der ETH Hönggerberg auf einem Granitsockel ihren Platz fand. Hier wird einem die gesuchte Verbindung zwischen der Natur und der technisierten Welt vor Augen geführt, in der Vorfabrikation und Serienherstellung eine wichtige Rolle spielen (vgl. dazu Gnehm 2007, S. 138).

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Gottfried Honegger, Struktur 28, 1970, Chromstahl, 60 x 160 x 60 cm, ETH Hönggerberg, HPZ, Südseite Aussen, Ansicht von Süden (Kunstinventar der ETH-Zürich, Ki-00196)

Das Thema Kunst am Bau und Kunst im öffentlichen Raum hat Gottfried Honegger ein Leben lang begleitet, sowie die Suche nach den „unendlich scheinenden Spielarten der Mathematik und Geometrie“ (Magnaguagno, NZZ 17.01.2016).

„die Form an sich, die „Heilige Mathematik“, [kann] einen kulturpolitischen Einfluss haben […] Nur sie, die „Heilige Geometrie“, die Schönheit als Wahrheit, kann uns Menschen auch geistig läutern.“ (Honnegger 2006, S. 56)

Die beiden Skulpturen aus dem Kunstinventar der ETH Zürich verkörpern diese beiden Themen und bleiben für die Zukunft wichtige Zeugen des Glaubens Gottfried Honeggers an die Kraft der reinen Schönheit.

„VI.

Meine Skulpturen sind die Erweiterung

meiner Bild-Reliefs

in den offenen Raum.

Die Auseinandersetzung mit dem Aussen-Raum –

die Aufträge – haben meine soziale Phantasie

erweitert – von mir neue Ausdrucksformen –

Formen mit Bezug zur Architektur – gefordert.

Im Gegensatz zur Kunst in den Museen

wird die Kunst im öffentlichen Raum Teil

des Alltags – ein Mittel der Identifikation

mit dem Ort – mit dem Lebens-Raum.

Kunst als gesellschaftlicher Beitrag

zur Ökologie des Schönen.“

(Honegger 1991, S. 116)

 

Literatur:

Honegger, Gottfried: 34699 Tage gelebt. Eine autobiografische Skizze, Zürich: Limmat Verlag, 2012

Honegger, Gottfried: Kunst als Bekenntnis. Werkübersicht 1939-2006, Zürich: Benteli Verlag AG, 2006

Honegger, Gottfried: Zu meinen Arbeiten, in: Widerstand aus Verantwortung. Texte zu Städtebau, Kunst und Politik, Zürich: Limmat Verlag Genossenschaft, 1991

Gnehm, Michael: Kunst am Bau: Debatten um den öffentlichen Raum, in: Gottfried Honegger. Arbeiten im öffentlichen Raum, hrsg. Von Michael Gnehm, Zürich: gta Verlag, ETH Zürich, 2007

Magnaguagno, Guido: Ein solidarischer Solitär. Nachruf auf Gottfried Honegger, in: NZZ, 17.1.2016

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