Viel Licht für grosse Leinwände – Der Eidophor

Anlässlich des „Jahr des Lichts 2015“ erinnern wir uns an ein Projektionsgerät aus der Anfangszeit des Fernsehzeitalters, den von ETH-Professor Fritz Fischer (1898-1947) entwickelten Eidophor (gr. „Bildbringer“).

Zürich, ETH Zürich, Abteilung für industrielle Forschung, Ers

Wies noch viele Mängel auf: Erster Prototyp des Eidophor-Projektors, 1943 (ETH-Bibliothek, Bildarchiv, PI_42-G-0049)

Fischer war Vorsteher des Instituts für technische Physik und Vorstand der Abteilung für industrielle Forschung AFIF. Er galt als äusserst ideenreich und kreativ. Eine seiner frühen Ideen war die Machbarkeitsstudie für die grossflächige Projektion von Fernsehbildern. Darin kam er zum Schluss, dass Kathodenstrahlröhren für die Projektion von Bildern auf Grossleinwand zu wenig hell und deshalb ungeeignet sind. Sein 1939 patentierter Eidophor arbeitete folglich mit der zusätzlichen Lichtquelle einer Bogenlampe.

Zweiter Prototyp des Eidophor-Fernsehgrossprojektors

Zu sperrig: Zweiter Prototyp des Eidophor-Fernsehgrossprojektors, 1948 (ETH-Bibliothek, Bildarchiv, Ans_04405)

Nach einer Entwicklungszeit von etwa vier Jahren nahmen Fritz Fischer und sein Team am 31. Dezember 1943 den erste Prototyp des Projektors in Betrieb. Dieser lieferte aber noch keine einwandfreien Bilder. Ein zweiter Prototyp nahm zwei Stockwerke im alten Physikgebäude ein, und wurde infolge des frühen Todes von Fritz Fischer im Dezember 1947 unter der Leitung des neuen Institutsvorstehers Ernst Baumann fertiggestellt. Die weitere Entwicklung erfolgte durch die Industrie, nämlich durch Fischers Freund Edgar Gretener und seine Firma Gretag, die den Projektor gegen das Konkurrenzmedium Television zu vermarkten suchte. Zu diesem Zweck musste das sperrige Gerät zuerst verkleinert werden. Tatsächlich zeigte die amerikanische Filmindustrie, darunter insbesondere 20th Century Fox, Interesse an den Geräten, das aber mit der Entwicklung von Cinemascope und Widescreen schnell wieder verblasste. Im Kino konnte sich der Projektor längerfristig nicht behaupten.

The five-foot-high Eidophor projector [...]

In Serienproduktion hergestellt: Der Eidophor Typ ep 2, 1959 (ETH-Bibliothek, Bildarchiv, Ans_04408-001)

Nach dem Tod von Edgar Gretener übernahm 1958 die CIBA in Basel die Weiterentwicklung des Eidophor, der nun vorwiegend in der Medizintechnik und im universitären Bereich Verwendung fand. So konnte beispielsweise 1959 in München eine Operation am offenen Herzen von Rudolf Zenker live an einer internationalen medizinischen Kongress übertragen werden (Johannes, S. 35). In den USA gehörten schliesslich das Pentagon, die Armee, die NASA und verschiedene Sportstadien zu Eidophor-Abnehmern. Die Projektoren waren in der Regel langlebig und zuverlässig. Ende der 90er-Jahre wurden „… fix installierte und jahrzehntelang im Einsatz stehende Eidophor-Geräte durch DLP- oder LCD-Technologien einer neuen Generation abgelöst … (Meyer, S. 347).“

Eidophor

Jack Metzger: Eidophor, Mai 1959 (ETH-Bibliothek, Bildarchiv, Com_L08-0070-0313)

Literatur:

Johannes, Heinrich: The history of the EIDOPHOR large screen television projector. Regensdorf und Zürich: Gretag, 1989.

Meyer, Caroline:  Der Eidophor: Ein Grossbildprojektionssystem zwischen Kino und Fernsehen 1939-1999. (Interferenzen – Studien zur Kulturgeschichte der Technik, 15). Zürich: Chronos-Verlag, 2009.

Im Bildarchiv der ETH-Bibliothek ist ein Film zum Eidophor vorhanden: Regie: Max Haufler; Kamera: Otto Ritter; Trickzeichnung: Erwin Rösler; Produktion: Gloriafilm AG Zürich; Zürich: ca. 1944; (17:20 Min.), Signatur FILM A 31:1.

 

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