Meteorologie vor 250 Jahren: Johann Caspar Hirzels Tag-Buch der Witterungs-Beobachtungen

Heute geht der 17. Kongress der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) in Genf zu Ende. Als Sonderorganisation der Vereinten Nationen (UNO) koordiniert sie „die internationale Kooperation für Wetter, Klima, Hydrologie und Wasserressourcen„. Bei der Eröffnung des Kongresses wurde betont, dass verlässliche meteorologische Informationen und die internationale Zusammenarbeit angesichts der Klimaveränderungen für die heutige Gesellschaft sehr wichtig sind.

Umfangreichere meteorologische Daten wurden in Zürich bereits um die Mitte des 18. Jahrhunderts gesammelt. Um diese Zeit intensivierten Gelehrte durch die Gründung von wissenschaftlichen Gesellschaften und das Verfassen von gedruckten Abhandlungen den Austausch untereinander, um nützliche Erkenntnisse für die Gesellschaft zu gewinnen. Im Bestand der ETH-Bibliothek befindet sich das Tag-Buch, der Witterungs-Beobachtungen durch das Jahr MDCCLXI von Stadtarzt Johann Caspar Hirzel (1725-1803). Als Mitglied der Physikalischen Gesellschaft erfasste er im Jahr 1761 täglich zu verschiedenen Zeitpunkten den Luftdruck, die Temperatur, Windrichtung, Witterung und Höhe der Limmat in Zürich, so auch am 12.06.1761.

blogbildimtext

Witterungstabelle für den Monat Juni, aus: Johann Caspar Hirzel: Tag-Buch, der Witterungs-Beobachtungen durch das Jahr MDCCLXI, S. 25

Neben den täglichen tabellarischen Aufzeichnungen gab Hirzel in jedem Monat einen Überblick darüber, wie sich die Pflanzen- und Tierwelt und die landwirtschaftliche Produktion entwickelte, welche Krankheiten in der Stadt auftraten und welche aussergewöhnlichen Wetterereignisse sich in der Gegend abspielten (Hirzel 1762, S. 28). Er griff damit Themen auf, mit denen man sich üblicherweise bei Wetterbeobachtungen befasste (Gierl 2012, S. 267). Allerdings zeigte die Art und Weise, wie er die Wetterbeobachtungen dokumentierte, eine neue Tendenz, die sich ab der Mitte des 18. Jahrhunderts abzeichnete. Wetterbeobachtungen wurden zunehmend nicht mehr als das direkte Eingreifen Gottes bzw. als Reaktion Gottes auf bestimmte Verhaltensweisen der Menschen dargestellt, sondern als Ansammlung „isolierter Einzelphänomene“. Es war die nachträgliche Aufgabe der Naturwissenschaftler, die registrierten Beobachtungen in einen Erklärungszusammenhang zu stellen und in ihnen die Naturgesetze zu erkennen (Körber 2010, S. 32-34).

Literatur:

Gierl, Martin (2012): Geschichte als präzisierte Wissenschaft. Johann Christoph Gatterer und die Historiographie des 18. Jahrhunderts im ganzen Umfang. Stuttgart. Frommann-Holzboog.

Körber, Esther-Beate (2010): Das Zeitalter der Trennungen. Veränderungen des Denkens im europäischen 17. Jahrhundert. In: Nitschke, Peter (Hg.): Kulturwissenschaften der Moderne. Band 1. Das 18. Jahrhundert. Frankfurt am Main. Peter Lang. S. 21-44.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.