Ein Künstler ordnet die Welt – Matt Mullican in der Graphischen Sammlung ETH Zürich

Seit über zwanzig Jahren sammelt die Graphische Sammlung ETH Zürich Werke des amerikanischen Künstlers Matt Mullican. 1951 in Kalifornien geboren, ist der Konzeptkünstler heute in Berlin und New York zu Hause. In der am 3. Februar 2015 eröffneten Ausstellung werden die von der Graphischen Sammlung erworbenen Werke erstmals in ihrer Gesamtheit gezeigt. Als Höhepunkt der Ausstellung darf der 1993 erworbene Holzkasten mit 16 Kassetten gelten, die 554 Ölkreide-Frottagen, sogenannte Rubbings, enthalten. Diese von Brooke Alexander, New York, 1991 herausgegebene umfangreiche Edition gibt Abbildungen der „Edinburgh Encyclopædia“ (zwischen 1808 und 1830 erschienen) wieder.

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Matt Mullican (*1951), Hrsg. Brooke Alexander Editions, New York, Untitled. 1990-1991,Holzkasten mit 554 Abreibungen auf Rives, in 16 Original-Kassetten, 66.50 x 48.50 cm (Blattgrösse) 144.10 x 77.50 x 55.90 cm (Kastengrösse)

Mullican bedient sich der Gattung der Enzyklopädie, um sein von ihm entwickeltes Ordnungssystem zu demonstrieren, das in fünf Kategorien eingeteilt wird: Die in der Hierarchie unten stehende Kategorie, Physical Elements, umfasst alles, was der Mensch vorfindet, aber nicht selber gestaltet und bearbeitet hat; World Unframed steht für die vom Menschen eingerichtete Welt; World Framed bezeichnet die Künste, die künstlerischen Aktivitäten in jeglicher Form; Language ist die Sprache, die Bild- und Schriftzeichen; Subjective Meaning, als höchste Kategorie seines Ordnungssystems, erfasst das Subjektive, die geistige Aktivität des Menschen, die Philosophie. Mullican ordnet jedem Enzyklopädie-Auszug eine oder mehrere Kategorien seines Ordnungssystem zu: Eine bestimmte botanische Darstellung, eine Pflanze, kann sowohl vom Menschen vorgefunden (Physical Elements), als auch vom Menschen als Nutzpflanze gehalten werden (World Unframed).

Ausgewählte Zeichnungen und ein von Mullican für die Edition Cestio 2014 geschaffenes Blatt mit dem Titel „Untitled (Cosmology, Subject, Model)“ bereichern die Ausstellungen, die noch bis zum 29. März 2015 in der Graphischen Sammlung ETH Zürich zu sehen ist.

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