Die Färber-Zeitung als historisches Zeugnis

Die Färber Zeitung ist  in den Beständen der Alten Drucke der ETH-Bibliothek vollständig von 1889/90 bis 1920 vorhanden. Der grosse  Aufschwung der Chemie im 19. Jahrhundert zeigt sich besonders auch auf dem Gebiete des Färbens. Farbstoffe, die Jahrhunderte lang aus Pflanzen gewonnen worden waren, konnten nun künstlich hergestellt werden. Zwei der bekanntesten Beispiele: Das Rot aus der Wurzel des Färberkrapps (Rubia tinctorum) wurde unter dem Namen Alizarin 1869 erstmals synthetisiert, und 1878 folgte das Indigoblau, für das man bis anhin auf die Pflanzen Färberwaid und Indigofera tinctoria angewiesen war. In der Folge entwickelten sich  im Bereiche der Textilindustrie neue Färbemethoden sowie Maschinen. Bis zum Ersten Weltkrieg war Deutschland führend auf diesem Gebiet, mit dem Versailler Vertrag trat eine grundlegende Änderung ein.

Die neue Strangfärbe- und Waschmaschine von Klauder & Brother in Philadelphia wurde auch in Deutschland patentiert. (Holzschnitt, Jg. 1889/90, Heft 3)

Was wir wollen! …  Die Färber-Zeitung wird vor allem bemüht sein, die Bedürfnisse des praktischen Färbers und Coloristen zu erkennen und ihnen gerecht zu werden. Sie wird auf alle neuen Errungenschaften auf dem Gesammtgebiete der Färberei-Industrie, soweit dieselben schon praktisch verwerthbar erscheinen, rechtzeitig aufmerksam zu machen. …  (Jg. 1889/90, Heft 1)

Die Zeitschrift veröffentlicht fachspezifische Aufsätze wie: Ueber Beizenfarbstoffe (1889/1-2), Die Entwicklung der Azofarben auf der Faser (1889/3), Carminfarben für Baumwolle (1889/5), Ersatz der Chlorbleiche durch Sauerstoffbleiche (1914/5), Die Aufgaben und Bedeutung des Wassers in der Baumwolltextilindustrie (1918/24) etc.

Zahlreiche Muster-Beilagen mit Erläuterungen, Patentlisten und Rezensionen zur Fachliteratur sind in der Färber-Zeitung enthalten. Auch ein Pressespiegel und der Briefkasten mit Leserfragen sowie der Reklamenteil fehlen nicht.

Muster-Beilage No. 4 mit gefärbten Textilien aus der … angesehenen Färberei oder Druckerei, in der königl. Färberei- und Appreturschule zu Crefeld oder dem eigenen gut eingerichteten Versuchslaboratorium der Redaktion … (Jg. 1889/90, Heft 1)

Der Erste Weltkrieg geht jedoch weder an der Farb- und Textilindustrie noch an der Färber-Zeitung spurlos vorüber. Symptomatisch für die Kriegsjahre tauchen immer neue Varianten, mitunter ganze Musterpaletten, der Farbe „Feldgrau“ auf. Wirtschaftlich-politische Fragen werden vermehrt diskutiert. Einige Beispiele: Ausländische Färbereien ohne deutsche Farbstoffzufuhr (1914/24), Krieg und Patentrecht (1914/24), Preiszuschläge bei Einkäufen der Kriegswirtschafts-Aktiengesellschaft (1918/7).

Und Ersatzstoffe für Fasern bleiben auch noch nach dem Krieg ein wichtiges Thema: Deutschland wird gezwungen bleiben, seine Ersatzwirtschaft soweit als möglich fortzusetzen (1919/15). Waldwolle als Spinnfaser wird … aus den Nadeln der Wald-,  Weymuts-, Schwarz-,  Zirbel- und Knieholzkiefer gewonnen; … (1919/18) oder Zur Kenntnis der Kartoffelfaser (1920/10).

Wird der Jahrgang 1914 noch mit Gratulationsschreiben zum 25-Jahrjubiläum eingeleitet, erscheint dann im Heft 17 (1914) folgender Aufruf an die Leser:

Die Verlagsbuchhandlung und der Herausgeber sind darauf bedacht, in dem Erscheinen der Zeitschrift keine Unterbrechung eintreten zu lassen. Dagegen wird der Umfang der einzelnen Hefte während der Dauer des Krieges verringert werden müssen. Die Mitarbeiter werden gebeten, für alle Mitteilungen sich einer möglichst knappen Fassung zu befleissigen.

Die Bände der nächsten Jahrgänge werden noch nicht wesentlich schlanker. Erst die letzten beiden Jahrgänge sind auffallend weniger umfangreich, und 1920 stellt die Zeitschrift schliesslich ihr Erscheinen ein.

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