John Gerard: The Herball (London, 1597)

John Gerard (1545-1612) gilt als einer der bekanntesten Kräuterkenner Grossbritanniens. Sein “Herball or General Historie of Plantes” erschien erstmals 1597. Wie viele Kräuterbücher der Zeit besteht es aus einer Mischung von Alt und Neu, in diesem Fall einer Adaption einer Übersetzung von Rembert Dodoens‘s Stirpium historiae pemptades sex (1583), die Gerard von Dr Robert Priest übernommen hatte. Das Buch enthält etwa 1800 Holzschnitte, von denen nur wenige neu sind. Eine dieser neuen Abbildungen zeigt eine Kartoffel und ist vermutlich das erste je publizierte Bild dieser Pflanze.

 

Holzschnitt Seite 781: Potatoes of Virginia

Trotz Neuerungen war Gerard nicht davor gefeit, Aberglaube weiter zu verbreiten. So hielt er zum Beispiel hartnäckig an der Vorstellung des „Gänsebaums“ fest. Dieser Baum komme im nördlichen Schottland vor und trage an seinen Ästen eine Art Muscheln, aus denen Nonnengänse ausschlüpfen.

 

Holzschnitt Seite 1391: The Breede of Barnakles (“Gänsebaum”)

Obwohl die alte Legende des Gänsebaums bereits im 13. Jahrhundert durch Albertus Magnus widerlegt worden war, indem dieser feststellte, dass Nonnengänse wie andere Vögel aus Eiern ausschlüpften, lebte der Gänsebaum in den Köpfen vieler späterer Autoren von Kräuterbüchern weiter. In posthumen Versionen von Gerards Herball wurde der Gänsebaum verworfen um dann allerdings bei späteren Autoren wie in Adam Lonicers Kraeuterbuch (Ausgabe 1783) wieder aufzutauchen. Es ist durchaus möglich, dass der Begriff „Canard“ für eine „Zeitungsente“ (Irrtum oder Falschmeldung) auf der Legende des Gänsebaums fusst. Hierzu gibt es aber unzählige weitere Theorien.

Veranstaltungshinweis:

Das Herball von Gerard wird an der Abendführung der Sammlung Alte Drucke vom 6. September 2011 gezeigt. Unter dem Titel Die Magie der Pflanzen figurieren rund 10 weitere Pflanzenbücher von Hieronimus Bock bis zu Johann Künzle. Treffpunkt: ETH-Bibliothek, H-Stock beim Ausleihschalter um 18.15 Uhr. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen.

Links:

The Herball ist auf einer privaten Website online: http://caliban.mpiz-koeln.mpg.de/gerarde/index.html

Das Herball im Bibliothekskatalog (Ausgabe von 1597)

Die verbesserte Ausgabe von Thomas Johnson (1636) online auf e-rara.ch

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