Insel mit literarischem Potential

Die kleine Insel Isla Robinson Crusoe oder früher Mas a Tierra oder Juan Fernandez liegt im Pazifischen Ozean, rund 600 km westlich des chilenischen Festlandes. Sie ist Teil eines 1574 vom spanischen Seefahrer Juan Fernandez entdeckten Archipels, der später nach ihm benannt wurde. Früher war sie wegen ihrer Abgelegenheit ein beliebtes Versteck für Piraten. Von 1704 bis 1709 lebte der schottische Seemann Alexander Selkirk als Deserteur allein auf Mas a Tierra. Angeblich diente seine Geschichte Daniel Defoe als Grundlage für den Roman Robinson Crusoe (1719). Erst 1966 wurde die Insel dann nach ihrem berühmten fiktiven Bewohner umbenannt.

George Anson,Voyage autour du Monde, Tafel 10: Isla Robinson Crusoe

George Anson,Voyage autour du Monde, Tafel 9: Isla Robinson Crusoe

1740 weilte der britische Admiral George Anson auf Mas a Tierra. Die Engländer erholten und stärkten sich hier von der strapaziösen Reise um das Kap Horn:

The excellence of the climate and the looseness of the soil render this place extremely proper for all kinds of vegetation; for if the ground be anywhere accidentally turned up, it is immediately overgrown with turnips and Sicilian radishes; and therefore, Mr. Anson having with him garden seeds of all kinds, and stones of different sorts of fruits, he, for the better accommodation of his countrymen who should hereafter touch here, sowed both lettuces, carrots, and other garden plants, and set in the woods a great variety of plum, apricot, and peach stones (Sutcliffe, S. 67).

Wie bereits Selkirk fanden Anson und seine Gefährten reiche Nahrung und frisches Trinkwasser. Es gab keine gefährlichen oder giftigen Tiere und – anders als bei Robinson – keine Kannibalen und keinen „Freitag“. Nach kurzer Zeit waren die Engländer wieder soweit gestärkt, dass sie sich auf Scharmützel mit der spanischen Flotte einlassen konnten.

Robinsons Insel hat bis in die heutige Zeit ihre Faszination nicht verloren. 2005 teilte eine chilenische Sicherheitsfirma mit, dass sie auf der Insel mit Hilfe von Metalldetektoren mehrere Tonnen Juwelen und Gold im Wert von rund zehn Billionen Dollar aufgespürt habe. Ähnlich wie im Roman Treasure Island (1883) von Robert Louis Stevenson soll der Schatz ursprünglich 1715 von einem Seefahrer vergraben worden sein. Angeblich hat ihn später ein britischer Matrose gehoben, und an einer anderen Stelle erneut vergraben.

Literatur:

George Anson: Voyage autour du Monde, Amsterdam 1749 (online in e-rara.ch)

 Alexander Ermel: Eine Reise nach der Robinson-Crusoe-Insel (Hamburg, 1889)

Thomas Sutcliffe: Crusoniana; or, Truth versus Fiction, elucidated in a history of the Islands of Juan Fernandez (Manchester, 1843)

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