Einband aus Notenblättern mit gotischen Initialen

Der Sammelband vereinigt zwei verschiedene Werke des frühen 17. Jahrhunderts. Im ersten Teil enthält er eine Sammlung perspektivischer Tafeln zum praktischen Gebrauch für Künstler und Handwerker, den zweiten Teil bilden Die fünf Ordnungen der Architektur.

Die Abbildung zeigt den querrechteckigen Band auf dem Rücken stehend;  das Pergamentblatt wurde zum Überziehen des vorderen Buchdeckels um 90 Grad nach rechts gedreht.

Wie bei den frühen Drucken üblich, nimmt der Einband keinerlei Bezug auf den Inhalt des Buches. Hier besteht er aus zwei dekorativ wirkenden grossformatigen (> 29×35 cm) Notenblättern aus einem (?) Antiphonar.

Die Melodie ist in einem System von vier roten Notenlinien und Quadratnoten festgehalten, in der die meisten Choralhandschriften des 13. und 14. Jahrhunderts geschrieben sind. Unter der Notation steht der zu singende Text, strukturiert durch Zierinitialen unterschiedlicher Grösse.

Als erstes fallen zwei mit filigranen Federzeichnungen ausgefüllte B-Majuskeln ins Auge: Ihre Buchstabenkörper sind in Blau und Rot gehalten, im Zentrum der grösseren sitzt eine blaue Rosette. Fleuronnée-Muster füllen die Binnengründe sowie die quadratischen Hintergrundfolien in der jeweiligen Kontrastfarbe und ziehen sich über die gesamte Höhe des Textblockes. Diese Zierbuchstaben heben Versanfänge heraus: Benedicat nos deus… und Benedictus dominus deus… aus einem gesungenen Abendgebet, in welchem die klösterliche Gemeinschaft Gott um Segen und Schutz während der Nacht bittet. Zwei kleinere Initialen vom Lombard-Typus kennzeichnen nomini sacrae: „Deus (misereatur nostri… )“ und die Anrede „Te (semper idem esse vivere et intelligere profitemur)“.

Diese Art des Buchschmuckes ist typisch für die gotische Buchmalerei der Zeit um 1300. Nicht nur Handschriften mit klösterlichen Gesängen, selbst die Textseiten eines so prominenten Werkes wie der sogenannten „Manessischen Handschrift“ sind mit ähnlichen Zierinitialen ausgestattet.

Link: Buchmalerei

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