Das Haus am Waldrand

Lesezeit: 5 Min.

Mit dem Bild am Anfang dieses Blogs und einem Post in unserem Forum, den Eugen Rippstein verfasste, geht es los. Sein sehr ausführliches Original ist hier zu lesen.

Wie man sieht, hat er alles analysiert, was auf dem Bild sichtbar ist. Die Lage, die Antennen, die kaum erkennbare Fahne, usw.

Mit diesen Informationen und viel Enthusiasmus mache ich mich auf die Suche. Aus dem Rippstein-Post entnehme ich, dass das Haus wahrscheinlich in erhöhter Lage irgendwo im Aargau stehen muss. Aus eigenen Überlegungen füge ich hinzu, dass das Haus wahrscheinlich am Flugweg zwischen Bremgarten (AG) und dem Birrfeld oder dem Flughafen Kloten liegen müsste.
Die Variante Birrfeld ist schnell abgehakt, da passt einfach nichts so richtig. Also konzentriere ich mich auf Kloten. Auf map.geo.admin.ch zeichne ich eine Linie von Bremgarten nach Kloten und schaue mir dann alle Südhänge in der unmittelbaren Umgebung an. Aber trotz meiner Bemühungen bleibt die Suche vorläufig erfolglos. Das Haus ist weder auf Landkarten noch aktuellen Luftbildern zu finden.

Verflixt! Wo liegt der Fehler? Vielleicht doch am Türlersee? Ist ja auch nicht weit vom Aargau entfernt… Aber auch im Raum Türlersee bleibe ich erfolglos.

Zurück im Raum Bremgarten/Zürich schaue ich mir die aktuellen Luftbilder von map.geo.admin.ch noch einmal an. Waldrand, Südlage, hoch gelegen, kann ja nicht so schwer sein, oder? Doch das Haus am Waldrand will sich noch immer nicht präsentieren. Geduld ist gefragt und die Nachtruhe ist in Gefahr. Dann, nach einer weiteren Stunde virtueller Fliegerei, der Fund! Zumindest auf den ersten Blick scheine ich das Problem gelöst zu haben. In Oberwil-Lieli steht ein Haus am Waldrand mit Schwimmbecken, Flachdach und viel Umschwung. Die Ähnlichkeit ist offensichtlich, aber nach fünf Minuten muss ich mir eingestehen, dass zu viele Details ganz und gar nicht passen.
Die Enttäuschung ist gross, aber dann kommt der rettende Gedanke. Wenn es hier ein Haus gibt, das architektonisch sehr ähnlich ist und auch von der Lage her passt, könnte es ja in der Nähe noch ein anderes Haus geben (oder gegeben haben) das auf die Beschreibung passt!

Also gehe ich zurück in unser Bildarchiv und suche Luftbilder von Oberwil-Lieli aus den sechziger Jahren. Schon nach kurzer Zeit werde ich fündig. LBS_H1-024340 zeigt das Haus am oberen Bildrand! Aber irgendwie ist da immer noch etwas schief. Alles scheint ein bisschen falsch und ich frage mich schon, ob ich wohl wieder daneben liege? Aber das kann nicht sein, ich kann sogar die drei Fahnenmasten sehen oder zumindest erahnen. Hmm, ob das Originalbild wohl spiegelverkehrt ist?

Ein paar weitere Minuten vergehen, ich schaue, vergleiche, spiegle Bilder in meinem Kopf und dann auch auf meinem Computer. Schliesslich steht fest, ich habe das Haus gefunden, und das Originalbild ist tatsächlich spiegelverkehrt archiviert worden.

Hoch erfreut schreibe ich einen Post im Forum um Eugen Rippstein zu verständigen. Dann geniesse ich für ein paar Minuten das Erfolgserlebnis. Dann ist endlich Zeit fürs Bett.

Am nächsten Morgen schaue ich mir alles noch einmal an und suche mehr Bilder in unserem Archiv, die das Haus am Weisserlenweg 21 zeigen. Bald wird klar, dass unser Bildarchiv die ganze Biographie dieses Hauses enthält.

Friedli, Werner: Oberwil-Lieli, 22.5.1964 (LBS_H1-024340, http://doi.org/10.3932/ethz-a-000355712) und auf sMapshot: https://smapshot.heig-vd.ch/contribute/18075

Dieses Bild von 1950 zeigt Oberwil (vorne) und Lieli (hinten) bevor der grosse Bauboom losging. Von unserem Haus ist noch nichts zu sehen, der Waldrand ist noch unberührt.

1959 ändert sich das. Unser Haus taucht auf!

Friedli, Werner: Oberwil-Lieli, 8.9.1959 (LBS_H1-022134, http://doi.org/10.3932/ethz-a-000363454) und auf sMapshot: https://smapshot.heig-vd.ch/contribute/19160

So weit man das sehen kann, war das Haus damals ganz neu. Interessanterweise fehlt auch der Ostflügel noch und es ist keinerlei Bepflanzung im Garten auszumachen.

Im nächsten Bild von 1964 ist dann das ganze Haus mit Garten zu erkennen.

Friedli, Werner: Oberwil-Lieli, 22.5.1964 (LBS_H1-024340, http://doi.org/10.3932/ethz-a-000365591) und auf sMapshot: https://smapshot.heig-vd.ch/contribute/24769

Der Zustand des Hauses und des Gartens scheint sehr ähnlich wie im Ausgangsbild, das undatiert im Archiv steht. Meine Schätzung wäre 1963-1965.

Für die 1970-er Jahre fehlen brauchbare Bilder, aber in den 1980-ern erscheint das Haus wieder, oder auch nicht. Es hat sich fast vollständig in seinen eigenen Wald zurückgezogen.

Swissair Photo AG: Oberwil-Lieli, 24.7.1985 (LBS_L1-857458, http://doi.org/10.3932/ethz-a-000322098) und aus sMapshot: https://smapshot.heig-vd.ch/contribute/152676

Dann passiert das Unglaubliche, unser Haus verschwindet. Auf diesem Bild von 1998 sind nur noch die Fahnenmasten zu sehen, der Rest ist verschwunden.

Swissair Photo AG: Oberwil-Lieli, 24.6.1998 (LBS_L1-985036, http://doi.org/10.3932/ethz-a-000337238) und auf sMapshot: https://smapshot.heig-vd.ch/contribute/164378

Nach ungefähr 40 Jahren musste dieses Haus, das sicher als Luxusvilla gebaut wurde, also weichen um der weiteren Entwicklung von Lieli nicht im Weg zu stehen.

Im Jahr 2003 sehen wir dann, was weiter passierte. Es tauchen zwei identische Einfamilienhäuser auf, die sich die südliche Hälfte des ursprünglichen Grundstücks teilen. Die nördliche Hälfte bleibt im Moment ungenutzt.

Im Jahr 2008 wird dort dann ein neues Haus im Landhausstil gebaut, das auch heute noch dort steht, und das man auf map.geo.admin.ch im Luftbild betrachten kann.

Swissair Photo AG: Oberwil-Lieli, 4.8.2003 (LBS_L2-035139, http://doi.org/10.3932/ethz-a-000339354) und auf sMapshot: https://smapshot.heig-vd.ch/contribute/156582

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Vorläufig wird es keine neue sMapshot Kampagne geben, wir haben unsere Luftbild-Vorräte aufgebraucht. 🙂 Aber die Digitalisierung ist schon im Gange (Com_F) und wir melden uns bald mit terrestrischen Aufnahmen.

Vollständige Bildinformationen

Comet Photo AG: Oberwil-Lieli, Weisserlenweg 21, 1965 [seitenverkehrte Version] (Com_F65-05289, http://doi.org/10.3932/ethz-a-000412397) und auf sMapshot: https://smapshot.heig-vd.ch/contribute/171844

DOI Link: https://doi.org/10.35016/ethz-cs-15805-en

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3 Comments

  1. Koni Kreis
    Friday May 7th, 2021
    Reply

    Bravo! Ihr seid zwei Genies (oder Hx Hexenmeister)!
    Antennen ausrichten… Das tue ich nur noch bei meinem alten Radiowecker, damit er nicht rauscht.
    Wieder ein Beispiel, wie die Kommunikation übers Forum Sinn macht.
    Weiter so.
    Gruss Koni Kreis

  2. Thomas Pfister
    Friday May 7th, 2021
    Reply

    Danke für die Blumen, Koni.
    Ich teile deine Meinung, dass Kooperation oft schöne Früchte trägt.
    Das Diskussionsforum wird leider immer noch nur wenig besucht. Schade um den Aufwand und die vergeudeten Chancen.
    Aber, es gibt dort seit zwei Minuten eine neue Knobelaufgabe für Leute mit Energie und Ausdauer. Wer probiert’s?
    https://blogs.ethz.ch/crowdsourcing/en/forums/topic/ans_14926-119-al-ff/

  3. Eugen Rippstein
    Monday May 10th, 2021
    Reply

    Die mir fehlende Idee war, Das Bild ist seitenverkehrt!!!!, wie auch aktuell das Titelbild des Pogs
    Irgendwie wollten die Antennenrichtungen nicht so ganz passen
    Jetzt wo die Antennen stimmig sind zeigt sich, dass die VHF-Antenne NICHT zum Feldberg gerichtet ist! ( Die etwas breitere 3. von unten) sondern nach Raichberg bei bei Albstadt. Welche erhöhte Lage im Suchgebiet mit fast Rundumempfang hat denn keine (Fast)Sichtverbindung zum Feldberg! Eben genau dieses Gebiet in Lieli
    Die Antennen zeigen beginnend mit der kleinen ganz unten und dann weiter im Uhrzeigersinn:
    1.Bantigen SRF1, (Uetliberg machte wohl Reflektionen, Hang hinter dem Haus)
    2.Hochrhein bei Bad-Säckingen ZDF( zweitunterst)
    3.Raichberg bei Albstadt ARD, Feldberg durch den Heitersberg abgedeckt!.(breitere Antenne)
    4. Ravensburg (Bairischer Rundfunk) (zweitoberst, ohne das Ding auf der Spitze!
    5.Pfänder bei Bregenz (zuoberst)
    Mit diesen 5 Antennen-Richtungen hätte ich das Haus ja fast orten können!
    Nochmals Danke für die Hilfe

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