Eine lange Reise zum K2 und zurück (1/2)

Lesezeit: 6 Min.

Eine berühmte Expedition

Im Jahr 1902 reist der Schweizer Arzt Jules Jacot-Guillarmod nach Kaschmir in Britisch-Indien – mit dem Ziel, als Teil einer internationalen Expedition unter der Leitung des Briten Oscar Eckenstein den K2, Berg Nummer 2 im Karakorum-Gebirge, aber auch zweithöchster Berg der Erde, zu besteigen.

Etat-major de l’expédition (Ans_05533-209-AL, http://doi.org/10.3932/ethz-a-000106398) .
In Askole, von links nach rechts: Dr. V. Wessely, O. Eckenstein, Dr. J. Jacot-Guillarmod, A.E. Crowley, Dr. H. Pfannl, G. Knowles.

Als ich im ETH-Bildarchiv auf die Bilder von Jacot-Guillarmod stiess, war ich begeistert. Ich dachte, ich sei da auf einen unbekannten Schatz gestossen.

Im Lauf der Nachforschungen wurde mir dann aber klar, dass diese Expedition und die zugehörigen Bilder durchaus schon bekannt sind. Ich stellte auch fest, dass Trekking-Expeditionen in jene Gegend heutzutage völliger (gehobener) Standard sind und es demzufolge im Internet auch gefühlte Tonnen von Bildern gibt, welche die Gegend abbilden.

Das war für meine Abklärungen sowohl Fluch als auch Segen. Der Fluch bezieht sich auf die Tatsache, dass es zumeist nur Stimmungsbilder ohne Bildtitel oder genaue Verortung sind. Der Segen besteht darin, dass da zahlreiche Farbbilder vorhanden sind, die die alten Schwarzweiss-Aufnahmen angenehm ergänzen und als Abbilder der Realität bestätigen.

Es ging mir in der Folge nicht mehr darum, die Expedition noch einmal zu interpretieren, sondern bloss darum, die vielen Bilder von Jacot-Guillarmod, die noch nicht verortet waren, möglichst genau zu beschreiben, damit die abgebildeten Orte einfach wiedergefunden werden könnten. Gelegentlich habe ich beim Kommentar auch einfach die Koordinaten des gefundenen Ortes angegeben, wenn mir ein präziser Ortsname fehlte.

Es war mir ein Anliegen, bei möglichst vielen Bildern den Standardtitel «Six mois dans l’Himalaya, le Karakorum et l’Hindu-Kush» durch aussagekräftigere Titel zu ersetzen. Von 607 Bildern tragen nun aktuell nur noch etwa 62 schwierig verortbare Aufnahmen diesen Standardtitel.

Leider kann ich im Folgenden nicht alle diese 607 Bilder vorstellen…

Von Venedig nach Indien

Jules Jacot-Guillarmod (von mir im Text ein paarmal als JJG verkürzt) verlässt Genève am 25. Februar 1902. Auf dem Weg nach Indien besucht er Mailand und Venedig und reist von Triest per Schiff durch den Suezkanal nach Bombay. Die Briten Eckenstein und Knowles sind ab Venedig dabei, die Österreicher Pfannl und Wessely ab Port Said.

Rovigno [Rovinj] (Ans_05533-026-AL, http://doi.org/10.3932/ethz-a-000106215)
Aden (Ans_05533-039-AL, http://doi.org/10.3932/ethz-a-000106228)

Nach Kaschmir

Jacot-Guillarmod reist mit dem Expeditionsteam von Bombay nach Delhi, wo der Brite Crowley dazustösst, und weiter nach Rawalpindi. Sie folgen der Kashmir Road nach Nordosten und ab Kohala dem River Jhelum bis Srinagar.

Pont à Domel [Domail], Brücke über den River Jhelum (Ans_05533-062-AL, http://doi.org/10.3932/ethz-a-000106251)
Srinagar, Shah-Hamadan-Moschee, am River Jhelum, Blick nach Nordnordosten (NNE) (Ans_05533-077-AL, http://doi.org/10.3932/ethz-a-000106266)

Von Srinagar verläuft die Reiseroute zunächst dem Sind River entlang nach Nordosten.

A Rezam [Rezan]: coolies en marche, Blick nach Südwesten (SW) (Ans_05533-100-AL, http://doi.org/10.3932/ethz-a-000106289)

Auf obigem Bild erkennt man die enorme Grösse der Trägerkolonne.

Über den Zoji La (La heisst Pass) erreicht die Karawane das Tal des Dras und schliesslich den Oberlauf des Indus.

Dak-bungalow de Dras et nos coolies (Ans_05533-132-AL, http://doi.org/10.3932/ethz-a-000106321)

Ein Dak-Bungalow ist in Britisch-Indien ein Gästehaus, das als Poststation und als Übernachtungsmöglichkeit für Verwaltungsbeamte, Offiziere und sonstige Reisende dient. Die Expedition macht regen Gebrauch von diesen Einrichtungen.

Première apparition de l’Indus, Blick nach Osten (E) (Ans_05533-145-AL, http://doi.org/10.3932/ethz-a-000106334)
Dak-bungalow de Tolti (Ans_05533-154-AL, http://doi.org/10.3932/ethz-a-000106343)

Skardu am Indus ist der letzte grosse Zwischenhalt vor dem Aufstieg in die Berge. (Die heutigen Bergsteiger fliegen mit dem Flugzeug direkt hierher.)

Skardu, Industal nach Osten (E) (Ans_05533-169-AL, http://doi.org/10.3932/ethz-a-000106358)

Hinauf zum Baltoro-Gletscher

Für den weiteren Weg hinauf zum Baltoro-Gletscher und zum K2 muss wieder eine grosse Equipe von Trägern organisiert werden.

Palabre avec le „wazir“ d’Alchori (Ans_05533-182-AL, http://doi.org/10.3932/ethz-a-000106371)

Askole ist (auch heute noch) das letzte Dorf vor dem Baltoro-Gletscher:

Askole, am Braldu River, Blick nach Westen (W) (Ans_05533-211-AL, http://doi.org/10.3932/ethz-a-000106400)
Baltoro-Gletscher, Gletschertor (Ans_05533-242-AL, http://doi.org/10.3932/ethz-a-000106431)

Höher hinauf an den Fuss des K2

Die Expedition benutzt nun den Baltoro-Gletscher, der meist dick mit Schutt bedeckt ist, als Passage, zunächst den südlichen, später den nördlichen Rand des Gletschers.

Der Weg ist im Prinzip einfach: nach Osten den Gletscher hoch, dann bei der Verzweigung Concordia (kennen wir ja vom Aletschgletscher) links den Godwin-Austen-Gletscher hinauf, und bald kann man links am Fuss des K2 parkieren. Spass beiseite: Vom Gletscherende bis zum K2 werden neun Camps benutzt oder neu angelegt, das entspricht 9 Tagesetappen, bei denen man Schutthügel und Eisblöcke überwinden und Spalten und Gletscherseen ausweichen muss. (Diese Lagerstellen sind zum Teil heute noch in Gebrauch.)

Nördlich wie südlich und östlich des Baltoro-Gletschers sind markante Berge aufgereiht, die oft wohllautende Namen tragen: Choricho, Masherbrum, Mitre Peak, Chogolisa, Baltoro Kangri, Gasherbrum, Broad Peak… (Durch die Aufzählung dieser Namen wird die Auffindbarkeit dieses Blogbeitrags im Internet optimiert. Noch ein kleiner Scherz, pardon.)

Pics sans noms [Trango Peaks], de Liligua [Liligo] (Ans_05533-605-AL, http://doi.org/10.3932/ethz-a-000106791)

Der Berggipfel rechts oben, im Original-Bildtitel noch unbenannt, ist die Thunmo Cathedral:

Sommets sans nom, en face de Rhobutse [Khoburtse], Blick nach Nordnordosten (NNE) (Ans_05533-252-AL, http://doi.org/10.3932/ethz-a-000106441)
Muztagh Tower, 7276, über dem Biange-Gletscher, Blick vom Baltoro-Gletscher nach Nordwesten (NW) (Ans_05533-431-AL, http://doi.org/10.3932/ethz-a-000106620)

Hinweis: Unbenannte Berge im Himalaya, vor allem die niedrigen Gipfel, werden manchmal einfach mit ihrer Höhe in Metern bezeichnet. Das wäre oben beim Muztagh Tower, P 7276, natürlich nicht nötig.

Am 19. Juni 1902 erreicht die Expedition endlich den K2, der zu der Zeit auch als Chogori bezeichnet wird.

Le Chogori (8611 m), à 8 h. du matin (Ans_05533-292-AL, http://doi.org/10.3932/ethz-a-000106481)

Der zweite Teil der Reise folgt nächsten Freitag, 9. Oktober.

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Vollständige Bildinformationen

Jules Jacot-Guillarmod: Palabre avec le „wazir“ d’Alchori, 1902 (Ans_05533-182-AL, http://doi.org/10.3932/ethz-a-000106371)

DOI Link: https://doi.org/10.35016/ethz-cs-13256-de

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Ein Kommentar

  1. Thomas Pfister
    Friday, der 2. October 2020
    Antworten

    Tolle Arbeit Koni! Ich freue mich schon auf Teil zwei der Erzählung.

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