„Dokumentierte Landschaft“: neuer Bildband zu Biodiversität

Lesezeit: 5 Min.

Um 1880 begann Carl Schröter (1855–1939), Professor für Botanik an der ETH Zürich, Pflanzen in ihrer Umgebung zu fotografieren. Schröter war ein Pionier des Arten- und Landschaftsschutzes. Er und sein Schüler Eduard Rübel (1876–1960), der 1918 das Geobotanische Institut Rübel gründete, wollten alle Einflussfaktoren der Artenvielfalt erforschen. So dokumentierten sie mit der Alpenflora auch die Landschaften, Siedlungen, die landwirtschaftliche Nutzung und die Menschen. Dieser breite Fokus ist höchst aktuell. 

Rübel und Schröter setzten die Fotografie zur wissenschaftlichen Dokumentation wie auch zur Verbreitung ihrer Forschung und zur Popularisierung des Umweltschutzes ein. Die Bilder zeugen von einer untergegangenen Welt und haben dennoch einen überaus starken Aktualitätsbezug. Die Bilder, darunter einige der ältesten Farbfotografien von Schweizer Landschaften, entführen in eine entrückt wirkende und zugleich höchst reale, da naturwissenschaftlich exakt dokumentierte Landschaft.

Der neue Bildband „Dokumentierte Landschaft“ der ETH-Bibliothek führt in die Pionierzeit der Ökosystemforschung ein. Ruedi Weidmann, Sozial- und Wirtschaftshistoriker, hat die Nachlässe sowie Bildbestände von Carl Schröter und Eduard Rübel gesichtet und einen ausführlichen Einführungsessay verfasst sowie zusammen mit dem Grafikbüro Hi in Zürich den Bildessay erstellt. Das Buch umfasst 196 Seiten mit 107 farbigen und 14 Schwarzweiss-Abbildungen. 

„Dokumentierte Landschaft“ ist der siebte Band aus der Reihe Bilderwelten. Fotografien aus dem Bildarchiv der ETH-Bibliothek. 

Das Buch kann im Lesesaal Sammlungen und Archive der ETH-Bibliothek, in Buchhandlungen oder beim Verlag Scheidegger & Spiess erworben werden.

In E-Pics Bildarchiv Online finden Sie die Bestände von Schröter wie auch des Geobotanischen Instituts.

Save the dates

Am kommenden Dienstagabend von 18.15 Uhr bis 19.15 Uhr finde die jährliche Abendführung des Bildarchivs „Pioniere der Artenvielfalt“ statt. Ruedi Weidmann wird in die Bildbestände einführen. Treffpunkt: ETH-Bibliothek, Hauptgebäude H-Stock, Ausleihe, Rämistrasse 101, 8092 Zürich. Ohne Anmeldung.

Die Buchvernissage mit Grusswort von Dr. Rafael Ball und Einführung von Ruedi Weidmann findet am 3. Dezember 2019 um 18.30 Uhr in der Buchhandlung Never Stop Reading an der Spiegelgasse 18/Untere Zäune, 8001 Zürich statt. Ohne Anmeldung.

Bildauswahl

Unbekannt: Berninagebiet, Wasserhahnenfuss (Ranunculus flaccidus), 1910 (Dia_282-0256, http://doi.org/10.3932/ethz-a-000073250)

Methoden der Geobotanik: Untersuchungsquadrat S33e in einer von Schneeheide (Erica carnea) dominierten Pflanzengesellschaft auf Plan de la Posa am Ofenpass bei Zernez, im Schweizerischen Nationalpark

Stüssi, B.: Nationalpark, Plan da Possa, S 33 e, Mugeto-Ericetum nudum, 1 qm, 08/1939 (Dia_282-1636, http://doi.org/10.3932/ethz-a-000074453)

Auf dem Grat vor dem Oberberghorn bei der Schynigenplatte ob Wilderswil, Bern liest Volkmar Vareschi die Daten einer mikroklimatischen Messtation ab. Im Gebiet liegt die „Lüdiweide“, auf der Werner Lüdi Langzeitbeobachtungen durchführte.

Lüdi, Werner: Mikroklimatische Messtation auf der Windecke, Dr. Volkmar Vareschi, 08/1932 (Dia_282-1724, http://doi.org/10.3932/ethz-a-000074490)

Photometer schief und waagrecht.

Lüdi, Werner: Mikroklimatische Messtation mit Luft- und Boden-Thermometer, Hygrometer und Photometer zur Messung der Lichtmenge im Hintern Empetretum bei Neuschnee, 10/1932 (Dia_282-1727, http://doi.org/10.3932/ethz-a-000074491)
Lüdi, Werner: Ruhe am Bachalpsee, Faulhorn, 18.08.1940 (Dia_282-5418-A, http://doi.org/10.3932/ethz-a-000074940)

Soldanellen gehören zu der von Eduard Rübel intensiv untersuchten Schneetälchen-Pflanzengesellschaft und treiben im Frühling schon unter der Schneedecke aus

Heller, Wilhelm: Alpen-Soldanellen (Soldanella alpina) auf ca. 2800 m ü. M. am Gornergrat in Zermatt, 1924 (Dia_283-136, http://doi.org/10.3932/ethz-a-000106904)

Carl Schröter (3. v.l.) mit Botanikern zwischen trocknenden Torfsoden im Moor bei Einsiedeln.

Unbekannt: Carl Schröter mit Botanikern zwischen trocknenden Torfsoden im Moor bei Einsiedeln, 1901-1908 (Hs_1360-0583-F, http://doi.org/10.3932/ethz-a-000068650)
Stumpf, A.: Alte Kastanie im Tessin, 2 Frauen mit Kind, 1910-1920 (Hs_1360-1108, http://doi.org/10.3932/ethz-a-000069313)

Hygrograph bei 21 m, Thermograph aus der Baumgrenze im Binntal

Bopp: Hygrograph bei 21 m, Thermograph aus der Baumgrenze im Binntal, ca. 1922 (Hs_1360-1487-003-FL, http://doi.org/10.3932/ethz-a-000069819)

Das wichtigste Arbeitsinstrument: Herbar mit Hunderten von gepressten Pflanzen in Papiermappen in Eduard Rübels Arbeitszimmer im Bernina-Hospiz bei Pontresina, wo er 1905-1906 die Grundlagen für seine „Pflanzengeographische Monographie des Berninagebietes“ sammelte. Auf dem Tisch liegt die Botanisierbüchse zum Sammeln der Pflanzen, am Boden steht ein von Eisengittern und Ketten zusammengepresstes Bündel Herbarmappen, auf dem Regal liegt der unverzichtbare Sonnenhut.

Rübel, Eduard August: Herbarium Berninense Rübelianura vom Berninagebiet, 22.09.1905 (Hs_1360-0375-003, http://doi.org/10.3932/ethz-a-000068371)

Vergnügte Exkursionsgesellschaft mit Carl Schröter (zweitoberster Mann) auf den beiden „Crot“ neben der Bergwirtschaft Sassal Mason oberhalb der Alp Grüm im Puschlav, Graubünden. Die trocken gemauerten Crot dienten als feuchte, kühle Lager für Milchprodukte. Die Botaniker kletterten gern und oft auf Hüttendächer zum Rasten oder für ein Foto. Die beiden Frauen vor dem Eingang dürften Kellnerinnen sein, bei der Frau in der weissen Bluse auf dem Dach handelt es sich vermutlich um Marie Jerosch.

Unbekannt: Auf den Hütten von Sassal Masone, 12.07.1904 (Hs_1360-0362, http://doi.org/10.3932/ethz-a-000068351)
Stumpp: Dame mit Mädchen in einer Kastanienselve bei Castasegna im Bergell, ca. 1907 (Dia_283-025, http://doi.org/10.3932/ethz-a-000106815)

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Jäger: Der Zürcher Landschaftsmaler Leonhard Steiner und ein Hirtenbub im Maderanertal, ca. 1911 (Hs_1360-0596, http://doi.org/10.3932/ethz-a-000068670)

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2 Kommentare

  1. Koni Kreis
    Sonntag, der 1. Dezember 2019
    Antworten

    Habe mir heute den Bildband im lokalen Buchladen gekauft. Ein grossartiges Werk. Die Bilder wirken im grossen Format, zum Teil sogar auf Doppelseiten, noch stärker. Sehr hübsch die zahlreichen sanft kolorierten Landschaftsaufnahmen, z.B. das Bild „Viehtränke im Bachalpsee bei Grindelwald“.
    Einmal ein anderes Buch über die Schweiz. Ideal als Weihnachtsgeschenk!
    Koni Kreis

    • Nicole Graf
      Montag, der 2. Dezember 2019
      Antworten

      Vielen Dank für die Blumen! Das freut uns sehr! Morgen abend ist Vernissage im Never Stop Reading in Zürich, ab 18.30. Der Autor wird in die Bestände einführen (vgl. sein Einführungstext im Buch).

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