Poly-Studenten haben es gut!

Lesezeit: 5 Min.

Poly-Studenten haben es gut! Sie machen Exkursionen, Feldübungen und studieren und feiern zusammen. In unserer Ansichtensammlung befindet sich ein privates Album eines ehemaligen ETH-Studenten, der in den Jahren 1918 bis 1922 am Poly, wie es damals noch genannt wurde, studierte. Zu seiner Person ist leider nicht mehr bekannt.

Das Album enthält 109 Bilder, die alle digitalisiert sind und mit dem Bildcode-String Ans_05306 aufgerufen werden können. Bei der Beschriftung haperte es jedoch. Entweder fehlten die Titel ganz oder waren zu unpräzise und konnten von unseren Experten ergänzt und verbessert werden.

Mehrere Freiwillige haben unabhängig voneinander bereits am Album gearbeitet. Die Hälfte der Bilder wurde unterdessen verbessert.

Walter Aeberli ist sozusagen in einen Flow mit dem Album geraten und ist hintereinander unzählige Bilder durchgegangen. Nach gut zwei Stunden und 31 verbesserten Bildern weiter entfährt es ihm in einem PS: „Es ist es eigentlich sagenhaft, was diese Ingenieurstudenten in den frühen Zwanzigerjahren alles an tollen Ingenieurleistungen zu sehen bekamen: Wasserkraftwerke und Brücken in rauen Mengen!“ Deshalb stellen wir einige dieser privaten Fotoerinnerungen hier nun vor.

Wasserkraftwerke und Brücken in rauen Mengen

Alleine zur Eisenbahnbrücke und zum Wasserkraftwerk in Eglisau gibt es 25 Bilder in diesem Album. Der Bau des Wasserkraftwerks war zwischen 1916 und 1920. Hier ist das Turbinenlaufrad vor dem Einbau abgelichtet. Die drei Studienkameraden, die leider unbekannt sind, sind quasi als Vergleichsgrössen zum Laufrad gestellt worden.

Wasserkraftwerk Eglisau, Turbinenlaufrad

Unbekannt: Wasserkraftwerk Eglisau, Turbinenlaufrad, ca. 1918-1920 (Ans_05306-050-AL, http://doi.org/10.3932/ethz-a-000091493)

Exkursion nach Mühleberg, Lötschberg, Simplon

Auf der Exkursion nach Mühleberg, Lötschberg, Simplon am 22. und 23. Juli 1921 entstand dieses Bild, das Walter Aeberli technisch zwar beschreiben konnte, doch leider bleibt unbekannt, welcher Kanal hier ausgehoben wird. Der Kommentar von Walter Aeberli: „Bei dieser Foto bin ich ratlos [N.G. sic!]. Im Vordergrund ist die Eimerkette eines Baggers zu sehen, mit dem man offenbar einen Kanal ausgehoben hat – aber welcher? Der Unterwasserkanal des Kraftwerks Kallnach kann es nicht gewesen sein, denn dieser war schon 1909 fertig. Und der Hagneckkanal kann es auch nicht gewesen sein, den sich diese Ingenieurstudenten damals ’so nebenbei auch noch‘ ansahen. Aber die Legende ‚Schützen gezogen‘ gehört nicht hierher. Vielleicht bin ich selbst an dieser Legende schuld – aber stimmen tut sie jedenfalls nicht. Vorschlag: ‚Schwimmbagger mit Eimerkette in einem Kanal'“.

Schwimmbagger mit Eimerkette in einem Kanal

Unbekannt: Schwimmbagger mit Eimerkette in einem Kanal, 22.-23.7.1921 (Ans_05306-095-AL, http://doi.org/10.3932/ethz-a-000091538)

Exkursion nach Luzern, Freiburg und Broc

Auf der Exkursion nach Luzern, Freiburg und Broc, die zwischen 16. und 18. März 1921 stattgefunden hat, wurde die Eisenbahnbrücke bei Werthenstein (LU) besichtigt, man sieht die vielen angehenden Ingenieure auf dem Bauwerk rumkraxeln. Walter Troxler konnte diese Brücke anhand des Geländes identifizieren.

Eisenbahnbrücke bei Werthenstein, alte Brücke auf Pfahljoche sei

Unbekannt: Eisenbahnbrücke bei Werthenstein, alte Brücke auf Pfahljoche seitwärs verschoben, 16.-18.3.1921 (Ans_05306-053-AL, http://doi.org/10.3932/ethz-a-000091496)

Folgende weiteren Bauwerke schweizerischer Ingenieurskunst wurden auf dieser Exkursion besichtigt: Fluhmühlebrücke bei Luzern, Drehbrücke bei Stansstad, die Freiburger Pont du Gottéron und Pont de Pérolles, das Wasserkraftwerk Freiburg-Maigrauge, die Staumauer in Montasalvens sowie das Wasserkraftwerk Broc. Arthur Rohn, Professor für Baustatik und Brückenbau, mit dem Assistenten Jenny sowie Eugen Meyer-Peter, Professor für Wasserbau, waren mit von Partie.

Die Exkursionsgruppe ist hier unterwegs auf dem Motorschiff „Neptun“ in Stansstad. Der Schiffsexperte Jürg Meister weiss mehr zur MS Neptun: „Motorschiff ‚Neptun‘ der DGV/SGV in Luzern um 1950. Erbaut als Schraubendampfer ‚Obersee‘ für den Oberen Zürichsee. 1910 von der DGV in Luzern erworben und zum Motorschiff umgebaut. Im Dienst  bis 1983. Dazwischen diverse Umbauten.“

Exkursion nach Luzern, Freiburg, Broc

Unbekannt: In Stansstaad auf dem Motorschiff „Neptun“, 16.-18.3.1921 (Ans_05306-062-AL, http://doi.org/10.3932/ethz-a-000091505)

Und weiter mit einem Spaziergang in Fribourg über den Pont du Gotteron. Louis Aebischer und Walter Aeberli konnten diese Fussgängerpasserelle eindeutig identifizieren.

Hängebrücke übers Galterntal = Pont du Gotteron

Unbekannt: Hängebrücke übers Galterntal = Pont du Gottéron, 16.-18.3.1921 (Ans_05306-066-AL, http://doi.org/10.3932/ethz-a-000091509)

Mehrere Abende Detektivarbeit unter Zuhilfenahme anderer Bilder aus dem Bildarchiv

Auf derselben Exkursion entstand noch folgendes Bild, an dem Walter Aeberli mehrere Abende einmal mehr über den Ort rätselte und gleichzeitig den Titel Reissboden spezifizierte: „Tja, wenn man nun noch wüsste, wo die edlen Gebäude im Hintergrund damals standen oder heute noch stehen… Dann könnte man die Foto noch lokalisieren. Aber man könnte immerhin den Begriff des ‚Reissbodens‘ verdeutlichen: Ein Reissboden wurde seinerzeit benutzt, um die einzelnen Bogen (Binder) eines Brücken-Lehrgerüsts auf einer ebenen Fläche (dem Reissboden) auszulegen, bevor sie schliesslich über dem Fluss in derselben Länge und Konfiguration nochmals zusammengefügt wurden. Beispielsweise war dafür beim Bau der Gmündertobelbrücke eine grössere Fläche auf dem Ostufer der Sitter vorbereitet.

Etwas später kommt die frohe Botschaft von Walter Aeberli: „Inzwischen habe ich das Gebäude im Hintergrund lokalisiert: Es stand damals (und steht vielleicht heute noch) am Boulevard de Pérolles. Also darf man diese Foto getrost dem Bau der Brücke Pont de Pérolles zuordnen.“

Tagsdarauf kommt folgende Präzisierung mit einem Mittelholzer-Vergleich: „Was ich im untenstehenden E-Mail von gestern Abend noch zu schreiben vergass: Das Gebäude und das Areal, auf dem die Foto des Reissbodens aufgenommen wurde, sind auf der Mittelholzer-Foto LBS_MH01-000716 (http://doi.org/10.3932/ethz-a-000341460) in der Bildmitte zu sehen. Walter Mittelholzer machte diese Foto im Jahr 1919, d. h. praktisch im selben Jahr, in dem auch diese Ingenieur-Studenten ihre Reise nach Luzern, Fribourg und Broc absolvierten. Das grosse Gebäude, welches auf der Mittelholzer-Foto rechts neben dem edlen, mit drei Türmchen versehenen (Instituts-? Universitäts-?) Gebäude zu sehen ist, ist auf der Siegfried-Karte von 1920 noch angeschrieben mit ‚Sägerei‘ – und das passt ja eigentlich genau auf die Idee, auf dem grossen Lagerplatz der Sägerei den Reissboden für die Lehrgerüste der Pérolles-Brücke anzulegen. Daher bleibe ich gerne bei den beiden Vorschlägen im untenstehenden E-Mail.“

Reissboden für die Lehrgerüste des Pont de Pérolles

Unbekannt: Reissboden für die Lehrgerüste des Pont de Pérolles, 16.-18.3.1921 (Ans_05306-080-AL, http://doi.org/10.3932/ethz-a-000091523)

Vermessungsübungen sind ebenso Teil des Ingenieurstudiums. Hier eine kleine Impression. So wurde vor der Fotokamera oft etwas herumgealbert… Die Übung fand beim Geodäsie-Professor C. F. Baeschlin auf der Allmend in Wollishofen statt.

Andere Bilder im Album „Aus meiner Studienzeit am Poly“ zeigen auch die Diplomandenkneipe, Wanderungen oder ein Trachtenfest in Appenzell.

Vermessungsübung bei Bäschlin auf der Allmend Wollishofen

Unbekannt: Vermessungsübung bei Bäschlin auf der Allmend Wollishofen, 6/1920 (Ans_05306-007-AL, http://doi.org/10.3932/ethz-a-000091450)

Vollständige Bildinformationen

Unbekannt: Studienkameraden vor der Eisenbahnbrücke Eglisau. Von links nach rechts: Simon Tscharner, Karl Tschupp (beide Stud. Bauingenieur ETH), Karl Herzog, Jakob Wintsch (beide Stud. Kulturingenieur ETH), 1918-1922. Aus meiner Studienzeit am Poly [ETH Zürich], 1918-1922. Album mit 109 Bildern (alle digitalisiert) (Ans_05306-038-AL, http://doi.org/10.3932/ethz-a-000091481)

Neue Beiträge

Neue Kommentare

Archive

Meta

Schreibe den ersten Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.