„Das ist doch bubieinfach!“

Lesezeit: 3 Min.

Als das Bildarchiv mit dem Crowdsourcing Anfang dieses Jahr in vielen Medien präsent war, hat mich ein Bekannter darauf angesprochen. Er hätte sich die in der NZZ vom 18. Januar 2016 gesuchten Bilder auch angeschaut. „Das ist doch bubieinfach“, meinte er. Das Schloss in Wädenswil kenne man doch!

Der persönliche Ortsbezug ist wichtig!

Das ist in der Tat so! Jemand, der das Schloss schon einmal gesehen hat, in der Realität oder auf Bildern, der kennt es bestimmt auf Anhieb. Wir haben das Bild ohne Titel in den Bestand übernommen. Wir, das sind sechs Personen, die im Bildarchiv arbeiten. Wenn nun aber keiner von uns dieses Schloss kennt, dann ist es beinahe unmöglich, ein Bild ohne jegliche Hinweise zu identifizieren. Darum ist der Schwarm, die Crowd umso wichtiger für uns! Jemand „da draussen“ wird das Schloss bestimmt erkennen! Jeder hat einen Ortsbezug: sei es zu seinem Wohnort, zu seinem Ort der Kindheit, zu seinem Arbeitsort oder einfach zu seinem Lieblingsort.

Wir erhielten innerhalb von zwei Tagen neun Rückmeldungen auf dieses Luftbild von Walter Mittelholzer. Christian Bachmann hat die wesentlichen Informationen zu diesem Bild geliefert: „Es handelt sich hier um das Schloss auf der Halbinsel Au/ZH im Besitz des Kantons Zürich. Das Bild zeigt nicht die Frontseite des Schlosses, sondern man sieht die Westseite, links der Zürichsee. Der Park ist heute öffentlich zugänglich, das Schloss wurde damals gekauft, um als kantonale Ausbildungsstätte zu dienen, kann aber für private Anlässe gemietet werden.“

Wädenswil, Schloss Au auf der Halbinsel Au, Westseite

Mittelholzer, Walter: Wädenswil, Schloss Au auf der Halbinsel Au, Westseite, 1918-1937 (LBS_MH03-1090, http://doi.org/10.3932/ethz-a-000491298)

Der Blick aus dem eigenen Fenster

Beim nächsten Bild, das die NZZ am 18. Januar 2016 ebenfalls online publizierte, gingen gar 15 eindeutige Kommentare ein. Zudem meldete sich der Architekt Kurt Schwaighofer aus Opfikon bei der NZZ, er könne dieses Gebäude von seinem Fenster aus sehen. Die Überraschung war perfekt! Denn es handelte sich nicht – wie man hätte meinen können – um einen Florentiner Palazzo im Süden, sondern um das Gut Hohenbühl in Opfikon. Die NZZ schickte einen Fotografen nach Opfikon und berichtete am 20. Januar 2016 mit einem Vorher-Nachher-Vergleich darüber.

Opfikon, Gut Hohenbühl, Hohenbühlstrasse 18

Mittelholzer, Walter: Opfikon, Gut Hohenbühl, Hohenbühlstrasse 18, 1918-1937 (LBS_MH03-1109, http://doi.org/10.3932/ethz-a-000491728)

Persönliche Geschichten gebunden an einen Ort

Ein weiteres Beispiel illustriert den Ortsbezug mit einer persönlichen Geschichte, und zwar mit der Geschichte von Erich Brüngger: „Durch Zufall habe ich von Ihrem Aufruf gehört und habe mir die zehn Bilder von der NZZ angeschaut, dabei ist mir das zweite Bild ‚Hotel mit Garten_MH03-1397‘ gleich ins Auge gestochen. Dabei handelt es sich meiner Ansicht nach um die heutige Zürcher Höhenklinik in Wald. Die habe ich, vor ein oder zwei Jahren bei einer Wanderung mit einem Kollegen genauer angeschaut, da seine Frau mal in jungen Jahren da angestellt war. Die Landschaft sieht heute noch fast genau so aus, der Weg nach hinten führt zum Weiler Chrinnen, von dem noch ein Haus im Hintergrund zu sehen ist und danach auf den Farner. Am oberen Wiesenbort ist wahrscheinlich ein Wasser-Reservoir zu sehen, nach einem Blick in die Landkarte hat sich das auch bestätigt. Nun hoffe ich, dass diese Angaben für sie von Nutzen sind und freue mich, wenn sich wieder ein Fall aufgeklärt hat.“

Der Fall wurde innerhalb von 36 Stunden aufgeklärt: fünf weitere Kommentare haben die Klinik eindeutig als solche identifiziert.

Wald (ZH), Zürcher Höhenklinik

Mittelholzer, Walter: Wald (ZH), Zürcher Höhenklinik, 1918-1937 (LBS_MH03-1397, http://doi.org/10.3932/ethz-a-000492426)

Vollständige Bildinformationen

Mittelholzer, Walter: Wädenswil, Schloss Au auf der Halbinsel Au, Westseite, 1918-1937 (LBS_MH03-1090, http://doi.org/10.3932/ethz-a-000491298)

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2 Kommentare

  1. Tony Letter
    Mittwoch, der 1. Februar 2017
    Antworten

    Das Bild eines Schlosses im Artikel über Mittelholzer in der heutigen Schweizerfamilie könnte das Chateau de Bogis-Bossey sein; das Ziel vieler unserer Wanderungen, als wir noch in Commugny im Kanton Waadt wohnten.

    • Nicole Graf
      Donnerstag, der 2. Februar 2017
      Antworten

      Vielen Dank für Ihren Hinweis. Ein Vergleich mit Bildern hat ergeben, dass dies nicht das Schloss in Bossey ist. Unterdessen haben wir einen Hinweis bekommen, dass es das ehemals städtische Altersheim der Stadt Zürich „Lilienberg“ in Affoltern am Albis ist.

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