Das Prüfauto des Instituts für Strassenbau der ETH Zürich

Lesezeit: 3 Min.

Neu: Bilder für die ETH Alumni – jeden ersten Montag in ungeraden Monaten

Sie wussten mehr! Vielen Dank! Beide Bilder wurden bis 12. Januar 2017 identifiziert. 🙂 Zur Auflösung geht es hier.

In unserer Montagsrubrik „Wissen Sie mehr?“ wenden wir uns künftig gezielt an die ETH Alumni, also an diejenigen, die an der ETH Zürich studiert haben. Die Alumni-Posts werden am ersten Montag in ungeraden Monaten veröffentlicht. Sie sind sowohl hier im Blog als auch in der Bilddatenbank ETH E-Pics mit der Kategorie ETH Alumni versehen.

Wir haben in unseren Bestände viele Bilder mit ETH-Bezug. Sei es aus den Laboren, von Vorlesungen, Büros oder Exkursionen oder Forschungsreisen. Die Bilder sind aber nicht immer befriedigend beschriftet. Solche Bilder werden wir hier präsentieren, in der Hoffnung, dass uns jemand mit mehr Informationen weiter helfen kann.

Was machen die Forschenden mit diesem Auto?

Den ersten ETH-Alumni-Post beginnen wir mit einem Fahrzeug, das offenbar am Institut für Strassenbau der ETH im Jahr 1971 verwendet wurde. Mehr Informationen steht auf der Karteikarte des Photographischen Instituts, dem Hersteller dieser Bilder nicht. Die Bilder wurden vom Institut für Strassenbau in Auftrag gegeben. Ein Fotograf des Photographischen Instituts der ETH Zürich hat das Auto mit dem Anhänger irgendwo in Zürich, auf einer Nebenstrasse abgelichtet. Wir möchten nun gerne wissen, was war die Funktion des Autos, wozu diente der Anhänger, was ist im Auto drin usw.?

Eine erste Webrecherche zum Institut für Strassenbau bringt zwei Artikel aus der Schweizerischen Bauzeitung aus den Jahren 1943 und 1985 zum 50-Jahr-Jubiläum. Primäre Forschungsfragen befassten sich 1943 mit der Beziehung zwischen Rad und Fahrbahn. Weiter führt Professor E. Thomann aus: „Schon die Promotionsarbeit von Dipl. Ing. A. Schindler, betitelt: ‚Die statische und dynamische Fahrbahnreibung und die Mittel zu deren Bestimmung‘ ist als erster Schritt und Vorläufer zu den heutigen Untersuchungen des Instituts aufzufassen. Das von Dr. Schindler geschaffene Messaggregat ist vom Institut übernommen und durch einen eigenen Zugwagen mit zweckentsprechender Innenausstattung ergänzt worden.“

Ist dies also ein Messaggregat mit eigenem Zugwagen?

Der Belagbau steht im Zentrum der Aufmerksamkeit und zudem hat sich „das Institut von Anbeginn […] an auf den Standpunkt gestellt, dass Laboratoriumsversuche allein nicht zu einwandfreien Ergebnissen führen könnten, sondern dass einzig auf der Strasse durchgeführte Versuche, allenfalls kontrolliert durch die ersterwähnten, Ergebnisse zeitigen könnten, die auch praktisch verwendbar wären, und auch dann nur, wenn den Bremsmessungen unmittelbar Untersuchungen der Bremsspuren folgen würden, die in der Folge stets auch photographisch festgehalten worden sind. Dieses kombinierte Vorgehen hat sich als äusserst nützlich erwiesen, konnte doch festgestellt werden, dass bei den meisten Gleitbremsungen Substanzveränderungen und auch Substanzverluste entstehen, die bald das gummibereifte Rad ergreifen, bald die Fahrbahnoberfläche, und dass gerade in diesem Umstand eine starke Beeinflussung des Gleitreibungsbeiwertes zu erblicken ist. Diese Erkenntnis ist insofern von Bedeutung, als eine Substanzveränderung an der Fahrbahnoberfläche zu einer merklichen Abnahme der Gleitsicherheit führt (Rutschbeläge!) und zu einem unnützen Materialverschleiss. Bleibt aber die Fahrbahnoberfläche intakt, so erleidet der Gummireifen die Substanzveränderung und mit ihr einen Substanzverlust, alsoeinen starken Verschleiss. Der anzustrebende Idealzustand wird derjenige sein, bei dem weder Belag noch Gummireifen bei der Gleitbremsung weder Substanzveränderungen noch Substanzverluste erleiden.“

Werden damit Bremsmessungen für den „perfekten“ Strassenbelag gemacht?

Wird dieses Auto mit dem Anhänger folglich für Bremsmessungen verwendet? Interessant wären natürlich nun auch diese Fotografien zu sehen, die diese Messungen dokumentieren, und die von Professor Thomann beschrieben werden. Solche sind leider nicht in unseren Beständen erhalten bzw. bisher noch nicht entdeckt worden.

Lassen wir Professor Thomann nochmals zu Wort kommen: „Die wissenschaftlichen Forschungen des Instituts haben zum Endziel, nicht nur diese Wechselwirkungen möglichst weitgehend abzuklären, sondern womöglich auch Richtlinien für den zukünftigen Belagbau aufzustellen, die es ermöglichen sollen, sich diesem Idealzustand mehr und mehr zu nähern.“

Das Ende des Instituts zeichnet sich im April 1985 ab, als der damalige Professor Hans Grob in den Ruhestand trat und der Schulrat im Zeichen der rigorosen Sparmassnahmen beschlossen hat, das Institut nicht mehr weiterzuführen und Grobs Stelle nicht wieder zu besetzen. Professor Grob war seit 1964 ordentlicher Professor für Strassen-, Eisenbahn und Untertagebau.

Prüfauto des Instituts für Strassenbau ETH

Prüfauto des Instituts für Strassenbau ETH (PI_71-PF-0264, http://doi.org/10.3932/ethz-a-000489497)

Wie können Sie mitmachen?

Sind Sie zum ersten Mal auf diesem Blog und möchten Ihr Wissen gerne mit uns teilen, Sie wissen aber nicht wie? Dann lesen Sie die ersten Punkte in der Rubrik Mitmachen. Oder klicken Sie auf den DOI-Link in der Bildlegende, wenn Sie ein bestimmtes Bild vom Blogbeitrag direkt auf E-Pics ergänzen möchten. Sie können uns viel Handarbeit ersparen, wenn Sie Ihre E-Mails folgendermassen schreiben: Hans Muster: Fraumünster in Zürich.

Vollständige Bildinformationen

Photographisches Institut der ETH Zürich: Prüfauto des Instituts für Strassenbau ETH. Besteller: ETH-Institut für Strassenbau, 14.4.1971 (PI_71-PF-0263, http://doi.org/10.3932/ethz-a-000489496)

Neue Beiträge

Neue Kommentare

Archive

Meta

Schreibe den ersten Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.