Schneller als erwartet – die Hilfe kam aus der Burgerbibliothek in Bern!

Lesezeit: 3 Min.

Die 23 Fassadenbilder aus der unteren Altstadt in Bern konnten dank eines praktisch identischen Albums, das die Burgerbibliothek in Bern besitzt, bereits am Tag nach dem Aufruf erschlossen werden!

Philipp Stämpfli, verantwortlich für Grafik und Topografie an der Burgerbibliothek, erkannte glücklicherweise das Album und reagierte prompt! Vielen Dank! Das Burgerbibliotheks-Exemplar ist ebenfalls online, alle 23 Bilder können hier aufgerufen werden. Wir konnten die Metadaten weitestgehend übernehmen.

Zwei fast identische Fotoalben

Bei der Prüfung der Metadaten auf Einzelbildebene fiel auf, dass es sich nicht um das exakt identische Album handelt:

  • Unser Exemplar ist deutsch betitelt: „Architektonisches Album der Stadt Bern“. Das Berner Exemplar heisst hingegen: „Maisons de Berne“.
  • Beide Alben beinhalten je 23 Ansichten. Jedoch unterscheiden sie sich in zwei Ansichten (siehe die Bilder in diesem Post). Die Reihenfolge der Bilder ist ebenfalls nicht identisch.
  • Dank des Berner Exemplars konnten wir auch das Fotoatelier identifizieren: Wolff & Nicola in Bern. Diese Fotografen haben in der Zeit von 1864 bis 1881 gewirkt. Somit konnten wir unsere geschätzte Datierung von 1890 auf den Schaffenszeitraum des Ateliers festlegen. Eine gute Quelle für biographische Informationen zu Schweizer Fotografinnen und Fotografen ist das Online-Lexikon fotoCH.

Jetzt fragen sich die Nicht-Archivare und -Archivarinnen vielleicht, warum wir nicht selber auf das Berner Album gestossen sind? Bei echten Fotografien handelt es sich um Unikate, selten ist eine Fotografie in mehreren Archiven vorhanden. Deshalb machen wir keine Recherchen in anderen Bilddatenbanken. Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel. Fotografien und Alben von Profifotografen und Fotoateliers wurden zu kommerziellen Zwecken oft in mehreren Exemplaren abgezogen. Im vorliegenden Falle hätten wir das Album in der Burgerbibliothek allerdings auch nicht gefunden, die Metadaten waren zu unpräzise als dass sie einen Treffer ergeben hätten.

Digitalisierungsanforderungen des Bildarchivs

Die ideale Digitalisierung eines Fotoalbums, und dies ist oft auch ein Desiderat von vielen (Foto-)historikerinnen und -historikern, wäre, dass wir zusätzlich zu den Einzelbildern auch den Albumeinband und die ganzen Albenseiten abfotografieren. Ein solches Vorgehen bei besonders wertvollen Alben wie solchen mit Daguerreotypien berichten Volker Janke und Thomas Helms (Freilichtmuseum für Volkskunde in Schwerin-Muess) im aktuellen „Rundbrief Fotografie“ (Vol. 23, No. 2, S. 33-42). Die ETH-Bibliothek hat bei der Konzipierung ihrer Bilddatenbank im Jahr 2005 einen anderen Weg eingeschlagen und entschieden, dass der Inhalt des einzelnen Bildes im Vordergrund steht und aus Effizienzgründen auf eine Digitalisierung des Kontextes verzichtet wird. Die Kontextinformationen werden in die formalen Metadaten eingetragen und sind also nicht verloren. Das Original kann für Forschungszwecke in unserem Lesesaal Sammlungen und Archive nach Anmeldung eingesehen werden.

Wir digitalisieren deshalb auch in den seltensten Fällen die Rückseiten von Abzügen. Eine Ausnahme hier: die Postkartensammlung von Adolf Feller mit rund 54’000 Postkarten aus den Jahren 1890 bis 1930. Dort erhielten wir nebst den Originalpostkarten auch gleich die Digitalisate, und zwar sowohl die Vorder- als auch die Rückseite. Zudem wurden die Grusstexte transkribiert, die in die Bilddatenbank ebenfalls eingegangen sind.

Bern, untere Altstadt, Marktgasse 40

Dieses wie auch das Titelbild sind im Berner Exemplar nicht vorhanden: Wolff & Nicola (Bern): Bern, untere Altstadt, Marktgasse 40, in: Architektonisches Album der Stadt Bern, ca. 1864-1881. Album mit 23 Bildern (Ans_03053-016-AL-FL, http://doi.org/10.3932/ethz-a-000018410)

Apropos Crowdsourcing: auch die Burgerbibliothek hat noch ein paar Knacknüsse auf Lager. Interessierte Bernkennerinnen und -kenner können hier rätseln.

Vollständige Bildinformationen

Wolff & Nicola (Bern): Bern, untere Altstadt, Münsterplatz, Münstergasse 24-26, in: Architektonisches Album der Stadt Bern, ca. 1864-1881. Album mit 23 Bildern (Ans_03053-019-AL-FL, http://doi.org/10.3932/ethz-a-000018419)

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