Vom beliebtesten Spielwarenladen zur Pizzeria – Wandel in Oerlikon

Lesezeit: 4 Min.

„Ihr Wissen ist gefragt“ titelte der Tagesanzeiger am Samstag, 4. Juni 2016 und berichtete über unser Crowdsourcing-Projekt. Die Leserinnen und Leser des Tagis wurden aufgerufen, bei den gerade neu aufgeschalteten Oerlikon-Bildern (siehe Post vom 23. Mai 2016) aus dem Comet-Bestand mitzuhelfen. Am Montagmorgen befanden sich 159 E-Mails in unserer Feedback-E-Mail-Inbox! Am Mittwoch waren dann bereits alle 61 Oerlikon-Bilder identifiziert!

Weitere Bilder jeden Monat im Fotoblog Zoom

Der Artikel von Nicola Brusa ist zugleich der Auftakt der Zusammenarbeit mit dem Tagesanzeiger. Wir erhoffen uns dadurch natürlich, wiederum neue Freiwillige für unser Crowdsourcing zu finden. Historische Bilder sind derzeit bei der Leserschaft von Zeitungen oder Newsplattformen offenbar sehr beliebt. Künftig werden wir also jeden Monat auf dem Fotoblog Zoom des Tagesanzeigers neue Bilder publizieren.

„Pfister Kari“ – eine Oerlikoner Institution

32 Mails (!) alleine erhielt das Bild des damals bekannten Spielwarengeschäfts „Pfister Kari“ an der Nansenstrasse 9 im Zentrum von Oerlikon.

Eugen Rippstein konnte es als erster verorten. Im Parterre befindet sich heute die Pizzeria „Mamma Mia“. Im Hintergrund sieht man den Marktplatz und das Gebäude an der Nansenstrasse 21, wo im Moment eine Filiale von Ex Libris ist.

Mario Gherra ist sich fast sicher über den exakten Aufnahmestandort des Bildes: „Dieses Bild wurde vermutlich anfangs der 60er-Jahre ungefähr vor dem Hauseingang des Hauses Nansenstr. 16, 8050 Zürich aufgenommen und zeigt den Blick Richtung der Hausecke Edison-/Nansenstrasse […] und in Richtung Marktplatz, wo damals noch parkiert werden durfte.“ Dass der Marktplatz damals noch ein Autoparkplatz war, wird von weiteren Kommentatoren bestätigt.

Zum „Pfister Kari“ schreibt etwa Willi von Dach: „Dort holten wir Ersatzteile für unsere Märklinlokomotiven. Kari hatte ein grosses Sortiment und half uns auch bei Problemen mit der Modelleisenbahn.“

Auch Peter Willimann berichtet von Bubenträumen: „Pfister Kari war im Quartier legendär. Neben Velo-Handel und -Reparaturen zeigt er seit den 1950er-Jahren die schönsten Bubenträume: Märklin-Züge, Löckeli, Wagen, Signalanlagen usw. Er verstarb hoch betagt in den 1980er-Jahren. Sehr schönes Schild.“

Ein anonymer Kommentator kennt noch weitere Details: „Denn dort gab’s nicht nur gewöhnliche und pädagogisch wertvolles Spielzeug zu kaufen, sondern auch Schwärmer, Luftheuler, Frauenfürze und Knallerbsen.“

Die Kommentare enthalten noch weitere Überraschungen für uns! Urs Pfister schreibt erfreut: „Da ist ja das Spielwaren- und Velogeschäft meines Grossvaters Karl (Kari) Pfister abgebildet! […] Ich weiss von Erzählungen meiner Grosseltern und Eltern, dass das Geschäft anfänglich an einem anderen Ort war, als schlussendlich an der Nansenstrasse. Meines Grossvaters Geschäft (bald einmal hatte er „nur“ noch Spielwaren) war an der Nansenstrasse. Auf dem Foto meine ich, dass man in Richtung Marktplatz mit dem heutigen Ex Libris und den Halbbogen-Fenstern sieht. Als mein Grossvater pensioniert wurde (ca. 1980?), wurde der Laden aufgegeben und für die heutige Pizzeria Mamma Mia erweitert.“

Und schliesslich schreibt Hartmuth Attenhofer: „Pfister Kari war für uns Kinder das Synonym für Spielwarenladen und -kauf. ‚Pfister Kari hat‘ oder ‚Man geht zu Pfister Kari‘, sagte man. Und alle wussten sofort, was gemeint ist. Pfister Kari war ein hagerer grosser Mann mit weisser oder beiger Scheube (Mantelschürze). Er hatte alles, was Bubenherzen bewegte. Pfister Kari war eine Institution.“

Was das Pferdefuhrwerk macht, dazu weiss Ruedi Faes bescheid: „Es sammelt die Essens- und Rüstabfälle der Restaurantbetriebe ein.“

Aber auch das Tram hat seine Spuren dort hinterlassen. Benno Wild erklärt: „Eine Besonderheit sind die Tramgeleise in der Nansenstrasse. Die Nansenstrasse war ein Teil der Wendeschlaufe der Endstation des Siebners und des Fünfzehners. Die Geleise verzweigen sich gegen den Marktplatz zu zwei langen Abstellgeleisen. Immer vor der Stosszeit brachte ein spezielles Zugfahrzeug aus dem Depot an der Tramstrasse die alten zweiachsigen Anhängerwagen auf diese Abstellgeleise in einem langen Tramzug. Die Siebner, welche damals aus einem Triebwagen und einem Anhängerwagen bestanden, nahmen je einen zusätzlichen Zweiachser aus den früheren Baujahren auf und so wurde die Kapazität der Tramzüge für die Stosszeiten erweitert. Nach den Stosszeiten wurden diese Wagen bei der Wendeschlaufe wieder abgehängt und vom Spezialzugwagen wieder ins Depot gefahren. So wurde damals unspektakulär Energie gespart, indem man nur zu Stosszeiten mit langen Tramzügen unterwegs war. Weil ich selber an der Nansenstrasse wohnte, konnte ich diese Rangiermanöver werktäglich beobachten. Diese gingen mit einer grossen Routine und recht zügig vonstatten. Die Abstellgeleise mussten dann dem Hotel International weichen.“

Weitere Oerlikoner Impressionen

Weitere Beispiele aus der Oerlikoner Serie werden hier kurz vorgestellt. Alle neu beschrifteten Bilder können mit dem Bildcode-String Com_L12-0072 aufgerufen werden.

Sind hier etwa Pfister-Kari-Kunden unterwegs an die Nansenstrasse 9? Eugen Rippstein weiss mehr zum Bild: „Das Bild ist an der Oleanderstr. 10 aufgenommen worden, Blick in Richtung Nordosten zur Affolternstrasse. Am Ende der Häuserfront links im Bild, sieht man die Glas-Giebelfenster auf dem Dach einer Fabrikhalle der Maschinenfabrik Oerlikon, diese ist abgebrochen worden.“

Zürich-Oerlikon, Oleanderstrasse

Zürich-Oerlikon, Oleanderstrasse, Blickrichtung: Nordosten zur Affolternstrasse (Com_L12-0072-0009-0027, http://doi.org/10.3932/ethz-a-000897080)

Bei einer Reihe von vier Bildern betätigten sich diese drei jungen Burschen als Parkwächter. Auf diesem Bild posieren sie schön vor Autos wie Simca „Aronde“ oder Renault „Dauphine“, im Hintergrund die moderne Fassade des heutigen Ochsner-Sport-Geschäfts.

Zürich-Oerlikon, Marktplatz

Zürich-Oerlikon, Marktplatz, Blick Richtung Marktplatz 17 (Com_M12-0146-0002-0004, http://doi.org/10.3932/ethz-a-000661526)

Im folgenden Bild ist die Schaufensterfront des Tury im „Tektonhof“ zu sehen. Im Hintergrund befindet sich die Bankfiliale der ehemaligen Schweizerischen Bankgesellschaft (SBG, heute UBS) an der Schaffhauserstrasse.

Bruno Roost schaut genauer hin und entdeckt: „Als Spiegelung im Schaufenster ist das Hotel Sternen sichtbar und weiter hinten die Franklinstrasse mit dem Kino Sternen.“

Zürich-Oerlikon, Schwamendingerstrasse, Schaffhauserstrasse

Zürich-Oerlikon, Schwamendingerstrasse, Schaffhauserstrasse (Com_L12-0072-0010-0006, http://doi.org/10.3932/ethz-a-000897083)

 

Vollständige Bildinformationen

Zürich-Oerlikon, Nansenstrasse, Pferdefuhrwerk vor Velo- und Spielwarengeschäft „Pfister Kari“ (Com_L12-0072-0003-0027, http://doi.org/10.3932/ethz-a-000897050)

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