{"id":1203,"date":"2021-04-09T11:16:50","date_gmt":"2021-04-09T09:16:50","guid":{"rendered":"https:\/\/wpethzprd.ethz.ch\/Science_and_Policy\/?p=1203"},"modified":"2022-06-10T15:38:04","modified_gmt":"2022-06-10T13:38:04","slug":"die-okologischen-und-okonomischen-konsequenzen-des-klimawandels-in-den-alpen-und-den-schweizer-skigebieten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.ethz.ch\/Science_and_Policy\/2021\/04\/09\/die-okologischen-und-okonomischen-konsequenzen-des-klimawandels-in-den-alpen-und-den-schweizer-skigebieten\/","title":{"rendered":"Die \u00f6kologischen und \u00f6konomischen Konsequenzen des Klimawandels in den Alpen"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Maria Vorkauf, Universit\u00e4t Basel<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Oberhalb der nat\u00fcrlichen Baumgrenze schreitet der Klimawandel besonders schnell voran. Wie schnell zeigen die Ergebnisse meiner Forschungsarbeit: Zwischen den Jahren 1985 und 2019 r\u00fcckte das Datum der Schneeschmelze mit 2.8 Tagen pro Jahrzehnt vor und mit ungebremsten Treibhausgasemissionen wird sich dieser Prozess beschleunigen. Bis zum Ende des 21. Jahrhunderts wird die Vegetationsperiode f\u00fcr alpine Pflanzen rund einen Monat fr\u00fcher beginnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Welche \u00f6konomischen Folgen hat der Klimawandel?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aufgrund der Klimaszenarien f\u00fcr die Schweiz habe ich f\u00fcr das Skigebiet \u252c\u00bdAndermatt+Sedrun+Disentis\u252c\u2557 analysiert, wie sich die Verf\u00fcgbarkeit von Schnee w\u00e4hrend des 21. Jahrhunderts ver\u00e4ndern wird. Ein besonderer Fokus lag auf der Menge an Wasser, die das Skigebiet in Zukunft aufwenden muss, um rentabel zu bleiben.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Erh\u00f6hte Temperaturen bedrohen die Grundlage jedes Skigebiets \u2013 den Schnee. Bereits heute wird vielerorts k\u00fcnstlicher Schnee produziert, um eine rentable Skisaison zu erm\u00f6glichen. Erh\u00f6hte Temperaturen steigern den Wasserverbrauch betr\u00e4chtlich oder verunm\u00f6glichen die Produktion von Schnee. In Zusammenarbeit mit dem Skigebiet \u252c\u00bdAndermatt+Sedrun+Disentis\u252c\u2557 habe ich die Verf\u00fcgbarkeit von Schnee w\u00e4hrend des 21. Jahrhunderts vorhergesagt. Das verwendete Modell SkiSim 2.0 (entwickelt an der Universit\u00e4t Innsbruck) ber\u00fccksichtigt die Produktion von Kunstschnee und ich konnte auch den zuk\u00fcnftigen Wasserverbrauch des Skigebiets bis zum Ende des 21. Jahrhunderts absch\u00e4tzen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es zeigte sich, dass das Skigebiet \u252c\u00bdAndermatt+Sedrun+Disentis\u252c\u2557 relativ gut gegen die erwarteten klimatischen Ver\u00e4nderungen gewappnet ist. Selbst gegen Ende des 21. Jahrhunderts werden die modernen Anlagen f\u00fcr Kunstschnee Skifahren in diesem Gebiet erm\u00f6glichen. Einzig \u00fcber die Weihnachtsferien werden Teile des Gebiets geschlossen bleiben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Ohne eine Reduktion unserer Treibhausgasemissionen wird allerdings der Wasserkonsum f\u00fcr Kunstschnee im gesamten Skiresort bis zum Ende des 21. Jahrhunderts um rund 80% steigen.<\/strong> In den tieferen Lagen unterhalb von 1800 bis 2000 m \u00fc.M. wird sich der Wasserverbrauch sogar verdreifachen. Die heutigen Wasserressourcen werden nicht ausreichen und zu Ende des 21. Jahrhunderts wird ein weiterer Stausee ben\u00f6tigt. Es ist deshalb wichtig, einen Wasserbewirtschaftungsplan auszuarbeiten, der die zuk\u00fcnftigen Anspr\u00fcche aller Interessenvertreter ber\u00fccksichtigt.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-media-text alignwide is-stacked-on-mobile\"><figure class=\"wp-block-media-text__media\"><a href=\"https:\/\/video.ethz.ch\/events\/psc\/skigebiete.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"631\" src=\"https:\/\/blogs.ethz.ch\/Science_and_Policy\/files\/2021\/03\/Mars_LHechenblaikner_1380-1024x631.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1190\" srcset=\"https:\/\/blogs.ethz.ch\/Science_and_Policy\/files\/2021\/03\/Mars_LHechenblaikner_1380-1024x631.jpg 1024w, https:\/\/blogs.ethz.ch\/Science_and_Policy\/files\/2021\/03\/Mars_LHechenblaikner_1380-300x185.jpg 300w, https:\/\/blogs.ethz.ch\/Science_and_Policy\/files\/2021\/03\/Mars_LHechenblaikner_1380-768x474.jpg 768w, https:\/\/blogs.ethz.ch\/Science_and_Policy\/files\/2021\/03\/Mars_LHechenblaikner_1380.jpg 1380w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><\/figure><div class=\"wp-block-media-text__content\">\n<p class=\"has-normal-font-size wp-block-paragraph\">Am 03.02.2021 fand ein Diskussionsfoum zum Thema \u201e<strong>Visionen 2050: Zukunft der Skigebiete in der Schweiz\u201c mit Vetreter*innen aus <\/strong>Wissenschaft, Tourismus, Politik und Kunst <strong>statt.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zur <a href=\"https:\/\/video.ethz.ch\/events\/psc\/skigebiete.html\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/video.ethz.ch\/events\/psc\/skigebiete.html\">Videoaufzeichnung<\/a>  \/ Zum <a href=\"https:\/\/blogs.ethz.ch\/Science_and_Policy\/2021\/03\/27\/wie-werden-sich-die-skigebiete-in-der-schweiz-in-der-zukunft-entwickeln\/\">Blogbeitrag<\/a><\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Welche \u00f6kologischen Folgen hat der Klimawandel?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Konkret habe ich untersucht, wie sich eine Verschiebung im Datum der Schneeschmelze in Kombination mit wiederkehrender Sommerd\u00fcrre auf alpine Rasen auswirkt. Ich habe den h\u00e4ufigsten Rasentyp des ganzen Alpenbogens ausgew\u00e4hlt und experimentell untersucht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit Schneeh\u00f6hen-Daten, die w\u00e4hrend der letzten 62 Jahre zwischen 1000 und 2500 m \u00fc.M. gemessen wurden, habe ich ein Modell entwickelt, das basierend auf den neuesten Klimaszenarien der Schweiz zuk\u00fcnftige Schneeschmelzdaten prognostiziert. In meinem grossen Feldexperiment in der N\u00e4he des Furkapasses auf 2500 m \u00fc.M. habe ich mit Helfern Ende Winter \/Fr\u00fchling die Schneeh\u00f6he manipuliert. Wir haben die Schneeh\u00f6he auf einen halben Meter reduziert oder sie auf \u00fcber zwei Meter erh\u00f6ht, so gelang es uns, die Schneeschmelze zeitlich vorzuziehen oder zu verz\u00f6gern. So beeinflussten wir den Start der Vegetationsperiode. Direkt nach der Schneeschmelze stellten wir sogenannte Trockend\u00e4cher auf, die den Niederschlag abhielten und dadurch eine Sommerd\u00fcrre bewirkten. Im Rahmen dieses Experiments lebte ich w\u00e4hrend drei Jahren jeweils die Sommermonate in der Forschungsstation ALPFOR auf dem Furkapass und untersuchte die Auswirkungen der zuk\u00fcnftigen klimatischen Bedingungen auf diesen alpinen Rasen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bis zum Ende des 21. Jahrhunderts wird die Vegetationsperiode f\u00fcr alpine Pflanzen rund einen Monat fr\u00fcher beginnen. W\u00e4hrend die Tagesl\u00e4nge, die sogenannte Photoperiode, die Entwicklung von Bl\u00fcten in einigen Arten verz\u00f6gert, wird insbesondere die dominante Seggenart <em>Carex curvula<\/em> von der fr\u00fcheren Schneeschmelze profitieren. Allerdings erh\u00f6ht sich dabei auch das Risiko f\u00fcr Frostsch\u00e4den.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Meine Resultate zeigen, dass eine l\u00e4ngere Vegetationsperiode nicht zu einer gesteigerten Biomasseproduktion f\u00fchren wird. In Jahren mit langanhaltenden Sommerd\u00fcrren ist mit bis zu 16% reduzierter Biomasse zu rechnen. Als Reaktion auf k\u00fcrzere Sommerd\u00fcrren, die nicht die ganze Vegetationsperiode anhalten (z. Bsp. D\u00fcrre von 5 Wochen), wird die Wurzelproduktion angeregt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">N\u00e4hrstoffe in alpinen \u00f4kosystemen werden sehr effizient rezykliert und weitere N\u00e4hrstoffe kommen aus dem Abbau von abgestorbenem Pflanzenmaterial. Im Winter h\u00e4lt der isolierende Schnee den Boden auf konstant 0 \u252c\u2591C und ein Grossteil dieses Materials wird bereits w\u00e4hrend der 8-9Wintermonate abgebaut. Sommerd\u00fcrren haben deshalb kaum einen Einfluss auf die Verf\u00fcgbarkeit von N\u00e4hrstoffen. Alpine Rasen sind insgesamt relativ robust gegen klimatische Ver\u00e4nderungen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Welche Ergebnisse sind f\u00fcr die Politik und Gesellschaft wichtig?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Resultate meiner Modelle zeigen, wo der Wasserverbrauch am st\u00e4rksten ansteigen wird. Die Leitung des Skigebiets kann aufgrund der Resultate ungef\u00e4hr absch\u00e4tzen, ob die momentane Wasserverf\u00fcgbarkeit auch f\u00fcr die Zukunft ausreichen wird. Die Resultate k\u00f6nnen ausserdem als Grundlage f\u00fcr Wasserwirtschaftspl\u00e4ne dienen, die den Wasserzugang aller Stakeholder regulieren. Meine Resultate zeigen den zuk\u00fcnftigen Wasserverbrauch f\u00fcr drei verschiedene Emissions-Szenarien. Wenn sich die Interessensvertreter und die Politik fr\u00fchzeitig auf einen Nutzungsplan einigen, k\u00f6nnen allf\u00e4llige Nutzungskonflikte um Wasserressourcen vermieden werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Zur Person<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Maria Vorkauf<\/strong> ist Stipendiatin im Mercator-PSC Rogramm: <strong>Bridging plant science and society. Sie hat <\/strong>im Winter 2020 ihr Doktorat in der Gruppe \u252c\u00bdPhysiological Plant Ecology\u252c\u2557 am Departement Umweltwissenschaften der Universit\u00e4t Basel abgeschlossen. W\u00e4hrend ihres Doktorats hat sie an der Universit\u00e4t Basel und in der alpinen Forschungsstation ALPFOR auf dem Furkapass geforscht. Ausserdem gab es Kollaborationen mit dem Institut f\u00fcr Schnee- und Lawinenforschung (SLF) in Davos, mit der Uni Innsbruck, und mit dem Skigebiet \u252c\u00bdAndermatt+Sedrun+Disentis\u252c\u2557. Im Rahmen des PSC-Mercator-Fellowhips war neben der Zusammenarbeit mit Forschenden aus unterschiedlichen Disziplinen auch die Einbindung von Interessensgruppen und der Transfer von Wissenschaft in die Gesellschaft eine Zielsetzung.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\" \/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Maria Vorkauf, Universit\u00e4t Basel Oberhalb der nat\u00fcrlichen Baumgrenze schreitet der Klimawandel besonders schnell voran. Wie schnell zeigen die Ergebnisse meiner Forschungsarbeit: Zwischen den Jahren 1985 und 2019 r\u00fcckte das Datum der Schneeschmelze mit 2.8 Tagen pro Jahrzehnt vor und mit ungebremsten Treibhausgasemissionen wird sich dieser Prozess beschleunigen. Bis zum Ende des 21. 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